Über Geschmack mag sich streiten lassen, doch Eva Briegel schoss beim Bundesvision Song Contest mit ihrer hessischen Band Juli wirklich den Vogel ab. Gehüllt in ein rotes Kleid mit dem Durchmesser eines Heißluftballons, begleitet von einem Schornsteinfeger am Schlagzeug und drei geigenden Trauerweiden – spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, warum der musikalische Wettbewerb von Entertainer Stefan Raab nicht im Radio übertragen wird, sondern im Fernsehen.
Zum siebten Mal inszenierte Raab am Donnerstagabend den Wettbewerb der 16 Bundesländer – dieses Jahr aus der Kölner Lanxess-Arena, weil 2010 Unheilig für Nordrhein-Westfalen gewonnen hatte. Die Zuschauer kürten Tim Bendzko aus Berlin zum Sieger des Wettstreits. Der Jüngling mit blonden Locken begeisterte mit seiner Liebes-Ballade „Wenn Worte meine Sprache wären“ – optisch begleitet von einer Großbild-Leinwand, auf der eine geheimnisvolle Schönheit lasziv durch einen Maschendrahtzaun blickte.
Lena Meyer-Landrut, die aus dem Warteraum der Bands regelmäßig zugeschaltet wurde, stellte den Teilnehmern zwar unverfängliche Fragen, leider jedoch immer die gleichen: „Geht's euch gut?“, „Wollt ihr noch irgendwas sagen?“.
Schon bevor die letzten Punkte vergeben waren, hatte sich Tim Bendzko uneinholbar an die Spitze gesetzt. Auf Platz 2 landete der Bremer Flo Mega mit einem Song aus dem Soul-Genre – wie sämtliche anderen Lieder komplett auf Deutsch. Ganz so, wie Stefan Raab es wünschte. (dpa)
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