kalaydo.de Anzeigen

Sonnenfinsternis: Himmelsdrache im Anflug

Asien erwartet die längste Sonnenfinsternis des Jahrhunderts. Chinas Behörden bereiten sich auf das Naturschauspiel mit der ihnen eigenen Detail- und Kontrollversessenheit vor. Von Bernhard Bartsch

Chinesen proben schon einmal die Sonnenfinsternis.
Chinesen proben schon einmal die Sonnenfinsternis.
Foto: afp

Mit Drachen ist nicht zu spaßen, schon gar nicht, wenn sie die Sonne verschlucken. Wenn sich im alten China plötzlich der Tag verfinsterte, glaubten die Menschen, es mit einem Angriff des legendären Fabeltiers zu tun zu haben. Dann wappneten sie sich für Erdbeben oder Überschwemmungen und munkelten, dass der Himmel ihrem Kaiser womöglich das Regierungsmandat entzogen habe.

Zwar wussten Chinas Astronomen schon vor 4000 Jahren, dass der feuerspeiende Drache nur der gute alte Mond war, der sich für kurze Zeit vor die Sonne schob und dabei die Korona der Sonne sichtbar machte. Doch der Aberglaube war häufig mächtiger als die Wissenschaft - und mancher kaiserliche Himmelserforscher, der sich bei der Vorhersage einer Sonnenfinsternis verrechnete, verlor darob seinen Kopf.

Am heutigen Mittwoch wird wieder der Drache am Himmel erscheinen, wie viele Chinesen noch immer sagen. In großen Teilen Südchinas und Asiens können die Menschen am Morgen die längste totale Sonnenfinsternis des Jahrhunderts beobachten. In einem 205 bis 259 Kilometer breiten Streifen zieht der Kernschatten von der Westküste Indiens beginnend über den Himalaja und China, streift Japan und endet im Pazifik. Auf den dortigen Marshall-Inseln wird die Verdunklung ihre maximale Dauer von 6:39 Minuten erreichen. Hobbyastronomen aus aller Welt treffen sich insbesondere in Shanghai, wo die verfinsterte Sonne samt Korona rund sechs Minuten lang zu sehen sein wird. Der US-Astrophysiker Fred Espenak taufte die Finsternis wegen ihrer Länge "das Monster".

Während der Eklipse nur im Notfall telefonieren

Chinas Behörden bereiten sich auf das Naturschauspiel mit der ihnen eigenen Detail- und Kontrollversessenheit vor. Chinas Zentralregierung wies lokale Beamte von höchster Stelle an, "Notfallpläne" aufzustellen. Massenpanik oder Verkehrschaos soll ebenso vorgebeugt werden wie einem Zusammenbruch des Telekommunikationsnetzes, wenn Millionen Menschen gleichzeitig mit dem Handy telefonieren oder Bilder verschicken.

In Chongqing wurden die Bewohner bereits per SMS aufgefordert, während der Eklipse nur im Notfall zu telefonieren. Die Wetterstationen erhielten den Befehl, häufiger als sonst Vorhersagen zu veröffentlichen, damit die Menschen sich für ihre Himmelsschau einen geeigneten Ort suchen können. Vielen dürften allerdings Wolken und Regen in die Quere kommen - in Südchina herrscht derzeit Monsun.

Luo Jisheng, Vize-Direktor der Tourismusbehörde der Stadt Hangzhou, erklärte, man habe alle Angestellten mobilisiert, "um Gäste in Sicherheit zu bringen, falls es an einem Platz zu gedrängt wird". In Städten wie Shanghai, Nanjing und Wuhan sind die Stadtwerke darauf vorbereitet, für die Zeit der Verdunklung die Straßenlaternen anzuschalten. Selbst die Flughäfen würden für wenige Minuten in den Nachtflug-Modus schalten, hieß es. "Öffentliche Verkehrsmittel wie Busse, U-Bahnen und Taxis werden weiter fahren, aber wir werden bei den Fahrzeugen vorher einen umfassenden Sicherheitscheck durchführen", erklärte ein Sprecher des Shanghaier Transportbüros, ohne allerdings auszuführen, worin dieser bestehen soll. Autofahrer sollen außerdem mit Flugblättern und Radioansagen ermahnt werden, ihre Augen auf der Straße zu halten und nicht der Versuchung zu erliegen, in den Himmel zu schielen.

Darüber hinaus sind die Staatsmedien auch heute noch damit beschäftigt, gegen Aberglauben anzukämpfen. So erhielt ein Radiosender zahlreiche besorgte Anrufe aus dem Kreis Wenchuan, dem Epizentrum des verheerenden Erdbebens des vergangenen Jahres. Bewohner wollten wissen, ob die Sonnenfinsternis ein weiteres Beben auslösen könne. "Seismologische Experten gehen davon aus, dass der Hauptgrund für Erdbeben die Erde selbst ist", beruhigte der chinesische Astronom Li Jing seine Landsleute.

Autor:  Bernhard Bartsch
Datum:  21 | 7 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Leute
        

Der Ultravox-Sänger Midge Ure wurde von der Queen zum Ritter geschlagen, was seine Mutter wirklich stolz macht.
Ultravox-Sänger Midge Ure 
Bushido ganz zahm und ordentlich im Anzug: Der
Bushido-Hochzeit 
Prinzessin Victoria und Prinz Daniel bei der Taufe ihrer Tochter Estelle.
Victoria von Schweden 
ESC 2012

Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.

Ressort

Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft


Anzeige

Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Ein Jahr Fukushima
Test auf Strahlenspuren.

Ein Jahr nach dem 11. März 2011 zeigen wir, wie das Unglück Japan und die Welt verändert hat.

Anzeige

Video

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Academy Awards - "And the winner is..."
Zwischen 300 und 500 Euro ist eine Oscar-Statue wert, je nach Goldpreis. Der ideelle Wert ist für Schauspieler und Filmemacher unbezahlbar.

Alle Gewinner der 84. Academy Awards of Merit, die desaströsesten Outfits auf dem roten Teppich und mehr im Oscar-Spezial.

Kolumne
Tempo 30

Am Aschermittwoch 2009 wurde Sebastian Gehrmann 30. Alles war vorbei. Jetzt kann er darüber schreiben.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Meistgeklickt
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Das DFB-Bundesgericht mit dem Vorsitzenden Goetz Eilers hat entschieden: Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt.
Kein Wiederholungsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin 
 Mely Kiyak
Kolumne zum neuen Umweltminister 
Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.