Einige Wochen lang merkte niemand etwas: Frei zugänglich standen in Tschechien die Namen von Agenten des Militär-Geheimdienstes im Netz, inklusive Tarnnamen, Passfoto und Lebenslauf, veröffentlicht von einer staatlichen Behörde. An die tausend Namen umfasste die Liste, bevor das Leck auffiel. „Ein unglaubliches Versagen“, schimpfen tschechische Sicherheitsexperten.
Die Daten fanden sich auf der Homepage des „Instituts zum Studium der totalitären Regime“, das für die Vergangenheitsaufbereitung zuständig ist. Ähnlich wie die deutsche Birthler-Behörde arbeitet es mit den Unterlagen der kommunistischen Staatssicherheit. Auch für den Militärgeheimdienst aus den Jahren vor der politischen Wende ist das Institut zuständig.
Ursprünglich wollten die Forscher Namen von Spionen veröffentlichen, die bis 1989 für die kommunistischen Machthaber tätig waren. Dabei haben sie offenbar übersehen, dass sie auch etwa 380 Personen enttarnten, die bis in die Gegenwart aktiv waren.
Laut der tschechischen Zeitung Mlada Fronta Dnes, die das Datenleck aufdeckte, standen die Namen von mehreren hochrangigen Diplomaten auf der Liste, die unter anderem in Mazedonien, der Ukraine und Russland eingesetzt worden sein sollen. „Das kann ihre Sicherheit gefährden. Es gibt bestimmte Risiken“, zitiert die Zeitung Zdenek Hazdra, den kommissarischen Leiter des Instituts, das die Agentenliste veröffentlichte. Der verantwortliche Historiker sei inzwischen abberufen worden.
Alle Daten sollen vom Verteidigungsministerium stammen, das die Wogen nun zu glätten versucht. „Unwichtig bis irrelevant“ sei das Datenleck, hieß es auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Von den Spionen sei zur Zeit der Veröffentlichung keiner aktiv gewesen.
Allerdings räumte man ein, dass die Namensliste bei den Betroffenen „zu Unannehmlichkeiten geführt haben könnte“. Unbestätigten Angaben zufolge sollen nach der Veröffentlichung mehrere Diplomaten vorsichtshalber aus dem Ausland abgezogen worden sein.
Einige der enttarnten Agenten könnten sogar in Lebensgefahr geraten, heißt es hingegen in tschechischen Medien. Selbst dann, wenn sie inzwischen nicht mehr in der Spionage arbeiten, könnten sie zu Opfern von Racheakten werden. In der kommenden Wochen soll deshalb der Verteidigungsausschuss des Prager Parlaments zu einer Sondersitzung zusammenkommen.
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