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Sprüche des Sam Halpern: Verflucht berühmt

Die derben Sprüche seines Vaters machten brachten dem glücklosen US-Autor Justin Halpern weltweite Bekanntheit: Er sendet die Schimpfattacken per Twitter um die Welt - jetzt bekommt das Phänomen eine eigene Fernsehserie. Von Patrick Beuth

Hör auf zu jammern: Vater Sam und sein Sohn mit 13.
"Hör auf zu jammern": Vater Sam und sein Sohn mit 13.
Foto: privat

Es war die blanke Not, die Justin Halpern zurück ins Haus seiner Eltern trieb. Der 29-Jährige wollte Drehbuchautor werden, in Los Angeles natürlich, aber er hatte nur ein einziges Skript verkaufen können - selbst das wurde am Ende nicht verfilmt. Dann zerbrach auch noch seine Beziehung.

So quartierte sich der Gescheiterte wieder bei Mutter und Vater in San Diego ein, um Geld zu sparen. Das hatte weltweite Folgen.

Der Sender CBS wird Sam Halpern zu einer Fernsehfigur machen - mit William Shatner in der Hauptrolle.
Der Sender CBS wird Sam Halpern zu einer Fernsehfigur machen - mit William Shatner in der Hauptrolle.
Foto: afp

Liebende Eltern würden ihren Sohn umsorgen, ihn aufpäppeln, ihm Mut machen. Justin Halperns Vater aber ist anders. Er heißt Sam, ist 74 Jahre alt und hat früher an der Universität von Kalifornien in der medizinischen Forschung gearbeitet und war als Arzt im Vietnamkrieg.

Ein Diplomat war er nie. "Weißt du, manchmal ist es schön, dich hier zu haben. Aber jetzt gerade nicht. Und nun gib mir die Fernbedienung, wir gucken diesen Bullshit nicht."

So hieß er seinen Sohn willkommen. Und legte nach: "Ich will nur meine Ruhe. Jesus, das heißt nicht, dass ich dich nicht mag. Das heißt nur, dass ich jetzt im Moment meine Ruhe mehr mag."

Hilfe von bekannten Bloggern

Ein Freund überredete Justin, diese Bonmots zu veröffentlichen - bei Twitter. Das war Anfang August 2009. Einen Monat und einige Empfehlungen durch prominenten Blogger später hatte Halperns Seite - zu sehen unter twitter.com/ShitMyDadSays - rund 200.000 Fans.

Die ersten Verlage erkannten das Potenzial in den wüsten Kommentaren des Alten: "Weiß irgendwer aus deiner Generation, wie man sich die beschissenen Haare kämmt? Die sehen alle aus, als ob zwei Eichhörnchen auf ihren Kopf geklettert wären und dort angefangen hätten zu ficken."

Justin hätte schon ein Buch über seinen Dad schreiben können, als er erst 30 seiner Sprüche getwittert hatte. Sein Vater wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, dass er ein Star war. Als Justin den Mut aufbrachte, ihm alles zu erzählen, rechnete er mit einem Wutanfall. Doch Sam war das herzlich egal. Er wollte nur von den Medien in Ruhe gelassen werden. Bis heute verweigert er jede Auskunft.

Justin dagegen hat mittlerweile mit gerade einmal 118 Twitter-Einträgen (Tweets) die Zahl seiner Follower auf 1,3 Millionen gesteigert und das Buch geschrieben - es ist am Wochenende auf Platz 8 der Bestsellerliste der New York Times gelandet.

Sein Vater zeigte sich wenig beeindruckt - und so ganz hatte er den Erfolg seines Sohnes wohl auch nicht durchschaut: "Du - ein veröffentlichter Autor? Internet zählt nicht. Jedes Arschloch kann da seinen Scheiß auskotzen."

William Shatner spielt Sam Halpern

Sein Sohn aber tingelt jetzt durch die US-Talkshows. Denn seit ein paar Tagen ist er endlich, was er immer werden wollte: Ein gefragter Drehbuchautor. Ausgerechnet der als besonders konservativ geltende Sender CBS wird den Gift und Galle spuckenden Sam Halpern ab Herbst zu einer Fernsehfigur machen - und kein Geringerer als William Shatner wird die Rolle übernehmen.

"$#*! My Dad Says" soll eine klassische Sitcom werden, mit Studiopublikum und einigen schrägen Nebenfiguren. Aber schon der Titel lässt ahnen, dass die Stärke der Vorlage auch die Schwäche der Serie werden könnte: Die "Four-Letter-Words", also "fuck" und "shit", werden im US-Fernsehen nicht gesagt. Und wenn, dann werden sie mit einem Piepton übertönt.

Die Tiraden des Sam Halpern aber dürften in den USA eben auch deshalb so so beliebt sein, weil sie ungefiltert sind. Oder anders gesagt: Schon der Anblick eines herzhaften "fuck" erfreut den von bigotten Zensoren umgebenen Durchschnittsamerikaner - selbst wenn der ganze Satz nur mäßig witzig ist.

Milde Version im Fernsehen

Das Blog Gawker hat in der vergangenen Woche Teile des angeblichen Drehbuchs der Pilotfolge veröffentlicht. Wenn die Dialoge tatsächlich so klingen sollten, wie Gawker es darstellt, könnte es mit dem plötzlichen Ruhm von Justin Halpern schnell wieder vorbei sein. Die Kraftausdrücke werden dort ganz weggelassen oder in jugendfreie Begriffe umgewandelt.

Und weil zumindest in der Pilotfolge - auch nach Angaben des Co-Autoren Patrick Schumacker - nur vier oder fünf echte Sam-Halpern-Zitate enthalten sind, muss der Rest der 22 Minuten mit zotigen Witzen über Frauen und Asiaten aufgefüllt werden.

Vater Sam ist trotzdem zufrieden mit der Darstellung. "Er war bei den Dreharbeiten", erzählte sein Sohn in einem Radiointerview, "und er liebt es, wie William Shatner ihn spielt. Er hat aber auch ein paar Aufnahmen ruiniert, als er dazwischenrief 'Sowas mach' ich wirklich!"

Justin Halpern freut sich über die seltene Anerkennung durch seinen Vater. Trotzdem lebt er jetzt wieder in einer eigenen Wohnung. Und seine Freundin ist auch zu ihm zurückgekehrt.

Die Sprüche des Sam Halpern lesen Sie auf den nächsten Seiten:

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Autor:  Patrick Beuth
Datum:  27 | 5 | 2010
Seiten:  1 2 3 4 5 6 7
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