64 Prozent der jungen Deutschen haben im vergangenen Jahr mit ihren Eltern unter einem Dach gewohnt. Das hat das Statistische Bundesamt aus Daten des Mikrozensus ermittelt. Vor allem den jungen Männern zwischen 18 und 24 gefiel es offenbar gut im alten Zuhause: 71 Prozent von ihnen zogen Hotel Mama einem eigenen Heim vor. Bei den weiblichen Altersgenossinnen waren das nur 57 Prozent.
Damit blieb die Zahl der Nesthocker in den vergangenen zehn Jahren ungefähr gleich. Im Jahr 2000 hatten 65 Prozent der jungen Erwachsenen noch bei den Eltern gewohnt.
Entsprechend klein ist die Zahl derer, die bereits in jungen Jahren eine eigene Familie gründen. Nur 13 Prozent lebten mit einem Ehe- oder Lebenspartner zusammen. Bei den Männern waren es sogar nur acht Prozent. Von einem Hochzeitsboom weiß die Statistik nichts: Zehn Jahre zuvor hatten noch deutlich mehr junge Deutsche (17 Prozent) mit ihrem Partner zusammengelebt. Dafür stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der Singles mit eigenen vier Wänden von 15 auf 17 Prozent. Dabei halten sich vor zehn Jahren wie heute Männer und Frauen in etwa die Waage.
Wohngemeinschaft setzt sich nicht durch
Die gute alte Wohngemeinschaft scheint sich trotz wachsendem Zuspruch allenfalls in Großstädten als Lebensform junger Erwachsener behaupten zu können. Nur sechs Prozent der 18- bis 24-Jährigen entschieden sich dafür. Allerdings waren es vor zehn Jahren nur vier Prozent.
Soziologen machen eine Vielzahl von Gründen für das Nesthocken aus. Zum einen lohnt es sich für junge Menschen nicht mehr, schnell von zu Hause auszuziehen: Sie können auch so alle Vorteile des Erwachsenseins genießen, ohne die Nachteile - finanzielle Belastung, Hausarbeit - ausbaden zu müssen. Gleichzeitig unterscheidet sich die heutige Elterngeneration in Lebenseinstellung und Interessen gar nicht mehr so von der der Kinder - damit gibt es kaum grundsätzliche Konflikte.
Stattdessen profitieren beide Seiten voneinander: die Eltern bieten finanziellen und sozialen Rückhalt in einer Welt, die als immer unsicherer wahrgenommen wird. Die jungen Erwachsenen verfügen im Gegenzug über Kompetenzen, die den Eltern abgehen: Die Söhne richten Papa den Computer ein, die Töchter legen für Mama ein Facebook-Profil an.
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