Um einen Verlust zu überwinden, das lehrt uns die Psychoanalyse, müssen wir eine Phase durchlaufen, in der wir immer wieder in Gedanken den Verstorbenen besuchen. Wir betrachten Bilder von ihm, gehen an seine einstige Wohnstätte oder sein Grabmal, so lange, bis wir loslassen können. Trauerarbeit wird das gemeinhin genannt.
Die untröstliche weltweite Trauergemeinde um Steve Jobs musste sich bislang damit begnügen, ihr Mac Book zu streicheln oder in einen Apple Store zu gehen, wollte man nicht an den Wohnort von Jobs nach Palo Alto pilgern. Doch jetzt gibt es Hoffnung. Der chinesische Spielzeugkonzern Inicon will eine erschreckend realistische, 30 Zentimeter große Actionpuppe von Steve Jobs auf den Markt bringen.
Der Apple-Jünger kann sie sich auf den Schreibtisch stellen, kann die Hände auswechseln, um die typischen Jobs-Gesten zu simulieren, kann sich von ihm hypnotisch in die Augen starren lassen und ihm seine charakteristischen Turnschuhe anziehen. So wird es verschmerzbar, dass Jobs nie wieder eine seiner legendären Produkt-Präsentationen abhalten wird.
Apple findet das Geschäft pietätlos
Der Apple-Konzern findet das Geschäft mit der Jobs-Trauer indes eher pietätlos. Schon bevor der Action-Steve für 99 Dollar das Stück Anfang Februar in den Versand gehen soll, hat man im Silicon Valley mit rechtlichen Schritten gedroht. Anscheinend ist man der Meinung, dass so eine Puppe eine dem sorgsam gehüteten Image der Marke schaden könnte.
Vielleicht will man aber auch nur verhindern, dass ein anderes Unternehmen Geld mit der Jobs-Figur verdient, denn rund eineinhalb Milliarden Dollar werden pro Jahr auf dem Markt der Actionpuppen umgesetzt. So einträglich ist das Geschäft, dass es sich schon lange nicht mehr auf Comic-Superhelden beschränkt. Zur Ur-Actionfigur GI Joe und seinen Nachfolgern Batman und Superman sind Figuren aus Videospielen, Filmen und aus dem wahren Leben hinzugekommen. Vom Fußballspieler Ronaldo bis hin zur Schauspielerin Angelina Jolie kann man sich Stars zum Anfassen ins Wohnzimmer stellen. Sogar eine Barack-Obama-Puppe gibt es, zu der eine Sonderedition im Marine-Infanterie-Look aufgelegt wurde, nachdem Bin Laden erschossen worden war. Wie das Weiße Haus das findet, ist nicht zu erfahren. Der US-Präsident hat akzeptiert, dass er nicht alles kontrollieren kann. Apple muss das noch lernen.
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