Sting, wir sitzen hier in einem Hotel in Ihrer Heimatstadt Newcastle, aus der Sie vor mehr als 30 Jahren geflohen sind, weil Sie die Enge nicht mehr ertrugen. Nun sind Sie der berühmteste Sohn der Stadt, ausgezeichnet mit einem Ehrendoktor der Universität, beim Marathon dürfen Sie den Startschuss geben. Kann man solche Ehrerbietungen überhaupt ablehnen?
Das würde mir gar nicht in den Sinn kommen. Ich bin stolz auf meine meine Wurzeln in dieser Stadt.
Fällt es Ihnen heute leichter, das zuzugeben, als früher?
Sicher, es war wichtig für mich, hier abzuhauen, die Welt zu bereisen. Und dann komme ich immer wieder mal zurück, bringe meine Erfahrungen und Eindrücke mit nach Hause. Zum Beispiel bei dem Konzert in der Kathedrale in Durham. Ich hatte Musiker aus Brasilien, Marokko, New York und Paris eingeladen, aber auch Kollegen von hier standen mit auf der Bühne, spielten vor heimischem Publikum, darunter viele, die ich noch aus der Zeit kannte, als ich hier mit meiner Jazz Rock Band durch die Clubs tingelte.
Und? Waren Sie mit der Resonanz Ihres Heimpublikums zufrieden?
Es hat mich bewegt. Es schien, als hätten die Leute das Konzert sehr gemocht. Als hätten sie mir auf die Schulter geklopft: "Das hat er aber gut gemacht, unser Junge." Die Leute sind stolz auf mich.
Als Lokalpatriot werben Sie inzwischen dafür, dass der St. James Park Austragungsort bei der Fußball-WM 2018. England bewirbt sich als Gastgeber wird. Dem Stadion von Newcastle United haben Sie sogar einen Song gewidmet. Haben Sie dort auch eine Ehrenloge?
Nein. Im Moment verpasse ich übrigens gerade ein Spiel, nur weil ich hier sitze und mit Ihnen spreche. Unsere Jungs gegen Plymouth Argyle. Es hat vor einer halben Stunde angefangen, ich bin ganz kribbelig.
Sollen wir uns rasch einen Platz vor einem Fernseher suchen?
Es geht schon. Ich sehe mir die meisten Spiele ohnehin nur am Computer an. Manchmal auch, wenn sie in London spielen. Ich bin Newcastle-United-Fan durch und durch. Das bist du dein ganzes Leben lang. Ich bin fußballverrückt - wie alle hier. Fußball ist in Newcastle Religionsersatz, er bedeutet hier mehr als in anderen Teilen der Welt.
Sie übertreiben.
Gar nicht. Unsere Identität ist hier ganz eng mit unserem Fußballclub verknüpft. Als Newcastle United vor wenigen Monaten aus der Premier League abgestiegen ist, hat mir das weh getan. Es schmerzt immer noch. Darunter hat die ganze Region gelitten. Aber darum geht es ja beim Fußball - um das Leiden, das Leid ertragen und dann doch weiter machen. Fans von Manchester United werden das nie verstehen.
Fußball wird inzwischen als Pop-Event inszeniert. Es gibt Champagner und VIP-Lounges, selbst reguläre Tickets sind extrem teuer. Als Pop-Star kennen Sie solche Mechanismen, was sagt der Fußballverrückte in Ihnen dazu?
Das viele Geld hat alles verdorben. Die meisten Spieler scheren sich heute doch nicht mehr um ihren Club. Die warten nur auf die nächstbeste Gelegenheit, um zu Manchester United oder Bayern München zu wechseln. So sieht es aus, aber was wollen Sie dagegen machen?
Singen Sie eigentlich die Nationalhymne mit, wenn England spielt?
Nein, ich mag unsere Hymne nicht sehr, die Musik spricht mich nicht sonderlich an. Die deutsche Nationalhymne mag ich viel lieber.
Tatsächlich?
Ja, Ihre Hymne ist wirklich sehr schön - vorausgesetzt, man singt die richtige Strophe (lacht).
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