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Telefunken-Chef Klein im Interview: "Habe mir nichts mehr zu beweisen!"

Telefunken-Chef Klein gibt im FR-Interview darüber Auskunft, warum er mit 68 Jahren auf die Idee kommt, die Marke Telefunken wiederzubeleben. Inwiefern Telefunken der asiatischen Konkurrenz überlegen ist, sagt er auch.

Belebt nach erfolgreicher Manager-Karriere Telefunken: Hemjö Klein.
Belebt nach erfolgreicher Manager-Karriere Telefunken: Hemjö Klein.
Foto: Telefunken

Herr Klein, von welcher Marke war Ihr erster Fernseher?

Ich hatte einen Fernseher von Wega und eine Audio-Anlage von Braun - die beiden Marken waren in meiner Jugend Kult.

Wie kommt man mit 68 Jahren auf die Idee, die Marke Telefunken wieder zu beleben?

Alter ist keine Frage des Geburtsdatums. Telefunken als deutsche Industrie-Ikone wiederzubeleben ist eine faszinierende Aufgabe.

Was reizt Sie genau daran? Wollen Sie es sich noch einmal beweisen?

Ich habe mir nichts mehr zu beweisen. Was mich reizt, ist vielmehr die exklusive Aufgabe. Marken sind die Juwelen der Industrie; und Telefunken gehört zu den weltweit starken Marken. Wie nur ganz wenige andere Unternehmen steht Telefunken für die sprichwörtlich deutschen Tugenden: Ingenieurskunst, Bescheidenheit, Klarheit und höchste Zuverlässigkeit. 75 Prozent aller Deutschen kennen Telefunken.

Was ist denn das Besondere an starken Marken?

Starke Marken sind Orientierung für den Konsumenten und die stärkste Waffe gegen Schnäppchenmentalität und Preisverfall. Einzigartigkeit ist auf Dauer nur durch Marken zu belegen. Gerade in Krisenzeiten wie heute wirken Marken für den Verbraucher wie ein "Fels in der Brandung". Die Realität im Handel hat dies tausendfach bewiesen.

Wie sind Sie eigentlich an die Markenrechte für Telefunken gekommen?

Telefunken gehörte als ehemaliger Teil des AEG-Konzerns zur Daimler AG. Mit meiner Beteiligungsgesellschaft Live Holding AG habe ich Ende 2007 in Berlin die "Telefunken Holding AG" mitgegründet und Daimler die komplette Telefunken-Gesellschaft abgekauft.

"Retro-Futurismus ist nicht unser Konzept"

Sind Sie selbst ein Nostalgiker?

Im Gegenteil. Telefunken galt und gilt heute als die "Erfinder-Gesellschaft" mit über 30000 Patenten weltweit. Retro-Futurismus ist nicht unser Konzept.

Wer soll die neuen Telefunken-Produkte kaufen?

Wir konzentrieren uns bei den Produkten zunächst auf Consumer Electronics. Also Kommunikation, IT, HiFi und Fernsehen. Unsere Märkte sind Europa, China, Asien und die USA.

Was peilen Sie bei den Verkaufs- und Umsatzzahlen an?

Zahlen werde ich heute auf der IFA vorstellen. Unser Ziel ist aber nicht der kurzfristige Erfolg.

Was können Sie mit Telefunken bieten, was die Konkurrenz aus Asien nicht kann?

Das ist zum ersten Qualität: Eine deutsche Tugend. Zum zweiten Design: die Klarheit der Sprache und der Bedienung. Zum dritten Innovation.

Sie haben mit Ihrem Team anderthalb Jahre an dem Comeback gearbeitet, welche Arbeit hat am meisten Spaß gemacht?

Die Begeisterung der Menschen, wenn sie hören: Telefunken kommt zurück. Das erleben wir bei den eigenen Mitarbeitern, im Handel, in den Fabriken im In- und Ausland.

Auf der IFA stellen Sie die neuen Telefunken-Produkte zum ersten Mal einer großen Öffentlichkeit vor, sind Sie aufgeregt?

Ich freue mich! Telefunken kommt zurück nach Berlin, wo die Firma auf Weisung des Kaisers 1903 gegründet wurde.

Die deutsche Elektronikbranche rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzminus von 1,5 Prozent. Haben Sie den falschen Zeitpunkt erwischt?

Nein. Um Erfolg zu haben, braucht man die richtige Strategie, das richtige Team und den Mut, auch in schweren Zeiten an der richtigen Idee festzuhalten.

Interview: Stefan Bauer

Datum:  3 | 9 | 2009
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