Les Cayes. Nachdem es in der Nacht vom 12. auf den 13. Januar nur wenige Verletzte im Ort selbst gegeben hatte, bereitete sich das Krankenhaus Immaculée Conception (unbefleckte Empfängnis) von Les Cayes auf einen Ansturm der Menschen aus Port-au-Prince vor. Mit der Verbesserung der Straßen zwischen Port-au-Prince und Les Cayes kommen nun die Opfer und ihre Begleiter per Auto, per Motorrad. Die Angehörigen haben manchmal Decken dabei, um irgendwo draußen zu schlafen in der Erwartung, dass die Opfer im Krankenhaus behandelt werden.
Vor dem Krankenhaus versammeln sich Menschen, um Neuigkeiten von ihren Angehörigen zu erfahren. Das Krankenhaus ist an der Grenze seiner Möglichkeiten, diese Situation zu bewältigen; erwartet werden weit mehr als 1500 Verletzte. Die häufigsten Verletzungen sind offene Wunden, Brüche, Polytraumata und Kopfverletzungen. Viele brauchen eine Operation, insbesondere Amputationen sind notwendig.
Die Opfer stehen weiterhin unter Schock. Thomas, 33 Jahre alt, dessen Bein von einem Steinblock verletzt wurde, erzählt uns: "Wir waren in der Schule, wir sind gerade herausgegangen und nur eine Sekunde später war da nichts mehr, alles war eingestürzt. Überall gibt es Verletzte, es gibt keine Krankenhäuser mehr, gar nichts - deshalb haben wir uns auf den Weg nach Les Cayes gemacht." Eine Mutter erzählt, dass sie zwei ihrer Kinder verlor, als ihr Haus einstürzte. Nun hat sie Les Cayes mit ihrem dritten, verletzten Kind erreicht.
Um auf den Bedarf der Menschen zu reagieren, beteiligt sich Terre des Hommes an der medizinischen Koordination. Beteiligt sind daran Institutionen der öffentlichen Gesundheit, der Polizei, der UN und Nichtregierungsorganisationen wie Catholic Relief Services und haitianisches Rotes Kreuz. Die Telefonleitungen sind noch immer fast alle außer Betrieb, das einzige Mittel, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, bleibt das Internet.
Die Stromversorgung ist eingeschränkt und erfolgt nur stundenweise. Wegen des Mangels an Benzin, mit dem die elektrischen Anlagen in Gang gehalten werden, kann es schnell passieren, dass die Stadt wieder ohne Strom dasteht. Darüber hinaus ist die Versorgung mit Gütern, die nach einer Katastrophe notwendig sind und normalerweise schnell verteilt werden können, nicht möglich. Die Situation ist auch heute noch sehr kritisch, die Not ist sehr groß und Hilfe wird dringend benötigt.
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