Der Castingwahn, er hat auch die Hundehalter erfasst. Tagessätze zwischen 60 und 1000 Euro und die Aussicht auf ein paar Minuten auf dem Bildschirm bringen auch Besitzer von eher hoffnungslosen Fällen auf die Idee, ihren Liebling als Geheimtipp zu empfehlen.
Besonders die Macher der ZDF-Serie "Unser Charly" wurden in der Vergangenheit immer wieder angeschrieben. Sie machten aus der Not eine Tugend und boten online ein Casting für Haustiere an, mehr als 400 Tierbesitzer meldeten sich. Am Ende wurden drei Hunde und eine Katze ausgewählt, die Dreharbeiten beginnen in Kürze.
Filmproduktionen mit Tieren gelten als besonders aufwändig. Dirk Lenzen, einer der bekanntesten deutschen Hundetrainer, weiß das sehr genau. Der 47-jährige Düsseldorfer sagt, er habe schon Schauspieler gedoubelt, denen allein die Vorstellung eines Tête-à-tête mit einem großen Hund den Angstschweiß auf die Stirn getrieben habe.
Lenzen hat als Problemhundetrainer angefangen. Mit den Macken seiner Schützlinge kennt er sich aus. Das erleichtert ihm die Arbeit, wenn es darum geht, Nachwuchs für die Kartei seiner Filmtieragentur zu casten. Sie enthält inzwischen über 5000 Namen von Hunden, vom Mops bis zum Dobermann.
Tiertrainer arbeiten meistens hinter den Kulissen, es sei denn, Tierschützer schlagen Alarm. Das taten sie beispielsweise vor sieben Jahren bei der Produktion von "Unser Charly". Ein Dokumentarfilmer hatte damals mit versteckter Kamera aufgenommen, wie ein Schimpanse von seinem Trainer getreten und geschlagen wurde. Nach einer Anzeige des Deutschen Tierschutzbundes hat die Berliner Produktionsfirma Phoenix dem Tiertrainer damals gekündigt. Seither, heißt es bei der Firma, seien neben einem Tierarzt immer auch mehrere Tierpfleger am Set. "Für einen Schimpansen herrschen hervorragende Drehbedingungen."
Der neue Trainer stammt wie sein Vorgänger aus den USA. Das ist kein Zufall. Zwar gibt es hierzulande inzwischen eine ganze Reihe von Experten, die in der Lage sind, Hunde, Katzen und andere Haustiere für ihren Einsatz in Filmen oder für Werbespots fit zu machen, doch den besten Ruf haben die Trainer aus den USA. Eine der am häufigsten beschäftigten Tiertrainerinnen Hollywoods ist Teresa Ann Miller. Ihre Firma, Animal Action, hat beinahe alle tierischen Hollywood-Blockbuster betreut, egal ob es darumging, Kevin Costner in ein Rudel von Raubtieren zu integrieren ("Der mit dem Wolf tanzt") oder Ferkel in Hütehunde zu verwandeln ("Ein Schweinchen namens Babe").
Animal Action wurde in den 60er Jahren von ihrem Vater Karl gegründet, der weltweit als Pionier der Filmtierdressur gilt. Tiertrainer, dieser Beruf ist bis heute nicht geschützt. Wer ihn in Deutschland ausüben will, braucht dafür aber eine Genehmigung des Veterinäramtes. Er muss schriftlich nachweisen, dass er über Erfahrungen im Umgang mit Tieren verfügt, beispielsweise als Pfleger oder Verhaltenstrainer. Karl Millers Karriere begann Ende der 50er Jahre bei einer Hundestaffel der US Air Force.
"Na ja", sagt Teresa Ann Miller und lacht, wenn man sie auf ihr Gesellenstück anspricht, eine Szene aus dem Blockbuster "Ein Schweinchen namens Babe". "Es sieht im Film nur so aus, als ob das Schwein auf die Schafe aufpassen würde." Tatsächlich aber habe sie die Ferkel nur dazu bringen müssen, im richtigen Moment loszulaufen oder sich hinzusetzen. Was bei dieser Spezies wesentlich stärkere Nerven erforderte als bei den Hunden, mit denen Miller normalerweise zusammenarbeitet.
"Ein Ferkel suhlt sich am liebsten im Matsch", sagt die Tierfreundin. "Es verspürt keinerlei Lust, über ein Hindernis zu springen. Da muss ich mir schon was einfallen lassen." Am Ende sei alles eine Frage der Belohnung. Und statt mit Würsten habe sie die Ferkel eben mit Äpfeln oder Karotten geködert.
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