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13. März 2014

Tierhandel: Millionengeschäft mit kranken Tieren

 Von Catherine Simon
Diese Staffordshire-Bullterrier-Welpen waren stundenlang in einem Tiertransporter eingepfercht.  Foto: dpa

Der illegale Handel mit niedlichen Hundewelpen boomt. Die Meisten der Vierbeiner stammen aus Osteuropa. Die Nachfrage nach Rassehunden ist enorm gestiegen. Vor allem beim Transport sterben schon viele der Welpen.

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Schüchtern und verschreckt die einen, schon ganz neugierig und aufgeweckt die anderen: 74 neue Welpen sind seit der vergangenen Woche im Nürnberger Tierheim. Die Hunde stammen aus einem illegalen Transport, der aus der Slowakei nach Spanien gehen sollte. Doch Zollbeamte stoppten den Wagen auf der Autobahn. Viele der Welpen waren gerade einmal vier Wochen alt – viel zu jung für so eine anstrengende Reise. Zwei Hunde sind bereits gestorben, und auch für die anderen kann noch keine Entwarnung gegeben werden.

Das Geschäft mit sogenannten Billig-Welpen brummt: Professionelle Händler verdienen nach Angaben von Tierschützern Zehntausende Euro mit einem Transport. Die Leidtragenden sind die Tiere und ihre späteren Besitzer.

Keine Versorgung

„Rassehunde sind einfach sehr begehrt und der Handel hat auch durch das Internet extrem zugenommen“, berichtet Birgit Thiesmann von der Hamburger Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“. In den vergangenen drei Jahren habe sich die Lage deutlich verschlimmert. Das Gleiche beobachten Tierheim und Zoll.

„Transporte in solchen Dimensionen gab es früher nicht“, sagt eine Sprecherin der Nürnberger Behörde. Die Region sei ein Schwerpunktgebiet für solche Transporte aus Ost- nach Süd- und Westeuropa. Und doch sind Funde wie der jüngste Zufallstreffer. „Man schätzt, dass jeden Tag ein Transport über die Grenze geht“, sagt Marcus König vom Tierschutzverein Nürnberg.

Vor zwei Jahren wurde in der fränkischen Stadt der erste große Transport mit 92 Welpen hochgenommen. Im vergangenen Jahr wurden mehrere kleine Fuhren mit insgesamt 74 Welpen entdeckt. Ende Februar entdeckte der Zoll auf der Autobahn dann einen Transport mit 37 Welpen und 10 Katzen. Wenige Tage später der Fund der 76 Welpen – darunter fast 20 Rassen vom Yorkshire-Terrier bis zum Kampfhund.

Der Zustand der Hunde ist oft extrem schlecht. „Krank sind die eigentlich alle“, erzählt Thiesmann. „Die sind verwurmt oder haben andere Parasiten und manche haben auch super-ansteckende Krankheiten wie Staupe oder Tollwut, die es bei uns gar nicht mehr gibt.“ Auch die Präsidentin des Nürnberger Tierschutzvereins, Dagmar Wöhrl, sagt: „Viele dieser Welpen überleben nicht einmal ein Jahr. Ohne Behandlung haben diese Tiere keine Chance.“ Von dem Transport mit 92 Welpen sind 24 Tiere gestorben. Die Versorgung der neuen Welpen inklusive Tierarzt kostet das Tierheim derzeit rund 5000 Euro am Tag.

Einige der Hunde müssten noch gesäugt werden. Eigentlich sollte ein Welpe mindestens acht Wochen alt sein, wenn man ihn von der Mutter trennt. Thiesmann erklärt: „In der Prägephase nach der Geburt werden die Tiere sozialisiert. Wenn ihnen das genommen wird, fehlt ihnen ihr Leben lang etwas.

Die werden psychisch immer wieder Probleme haben.“ Auch Wöhrl betont: „Die Käufer haben meist keine Freude an diesen Hunden.“ Daher warnen die Tierschützer eindringlich davor, sich einen solchen „Billig-Welpen“ anzuschaffen. „Jeder, der so einen Hund kauft, unterstützt den illegalen Welpenhandel. Das ist eine Frage von Angebot und Nachfrage“, betont Birgit Thiesmann. Die Tierschützer von „Vier Pfoten“ haben in einer Studie den Handel mit Rassehunden untersucht. „Das ist ein Millionengeschäft über ganz Europa hinweg“, sagt Thiesmann.

Die meisten Tiere kämen aus Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien und der Slowakei. Dort würden sie in Massenzuchten „produziert“ oder im Keller vieler einzelner Privatleute. „Das kann ja jeder machen. Die investieren dort nicht in die Tiere, die kriegen kaum Futter und keine Impfungen.Medikamente liegen dort im Dreck. Das sind oft fürchterliche Zustände, das kann man sich gar nicht vorstellen.“ Verkauft würden die Hunde vor allem in den westlichen EU-Ländern wie Spanien, Frankreich, Italien, aber auch in Deutschland und Großbritannien. Kostet hierzulande ein Rassehund um die 1500 Euro, werden „Billig-Welpen“ oft für wenige hundert Euro verkauft.

Aus dem Kofferraum heraus

Es ist ein Mordsgeschäft: „So ein Dealer kauft einen Hund für 30 bis 100 Euro ein und verkauft ihn für 250 bis zu 1000 Euro“, sagt Thiesmann. Beispielsweise an einem Chihuahua-Welpen verdient ein Händler laut „Vier-Pfoten-Studie“ rund 760 Euro.

Die Umschlagplätze sind vor allem Belgien und Holland. In den Niederlanden könnten die Tiere legal „umgechipt“ werden, erzählt Thiesmann. „Dann ist nicht mehr nachvollziehbar, wo sie herkommen.“ In vielen EU-Ländern könne man die Welpen dann in Zoohandlungen kaufen, auf Märkten, aus dem Kofferraum heraus oder übers Internet.

Um diesen Handel zu beenden, fordern die Tierschützer seit langem eine Kennzeichnungspflicht und ein europaweites Zentralregister. „Nur dann lässt sich nachvollziehen, wo ein Hund herkommt“, sagt Thiesmann. Auch die Strafen für die Händler müssten härter werden. Das Wiener Landesgericht habe in der vergangenen Woche ein Pärchen zu acht Monaten Haft und 16 Monaten auf Bewährung verurteilt. (dpa)

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