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08. September 2009

Tierschützer Ric O´Barry: Flippers Fluch

 Von Sebastian Moll
Ric O'Barry befreit hier eine Meeresschildkröte.  Foto: rtr

Einst war Ric O´Barry der Delfin-Trainer von "Flipper". Dann beging eines der Tiere Selbstmord, wie er glaubt. Deshalb kämpft O´Barry heute gegen Tiermassaker in Japan. Von Sebastian Moll ( Mit Trailer)

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Zur Person

Richard "Ric" O´Barry, 69, arbeitete in den 60er Jahren als Trainer im Aquarium von Miami, als er den Auftrag bekam, Delfine für die Fernseh-Serie "Flipper" abzurichten. Der US-Amerikaner trainierte insgesamt fünf Tümmler, die zusammen den berühmten Serienhelden darstellten, bis einer von ihnen, wie Barry heute überzeugt ist, Selbstmord beging. Seitdem kämpft er gegen die Züchtung und Abrichtung sowie jede Form der Gefangenhaltung der Meeressäuger.

Von September bis März werden an der Küste vor Taiji in Japan Treibjagden auf Delfine veranstaltet, bei denen rund 20 000 Tiere abgeschlachtet werden. Nur ein kleiner Teil der Delfine wird tatsächlich an Aquarien rund um den Erdball verkauft.

Der Dokumentarfilm "The Cove" (Die Bucht), der O´Barrys Kampf gegen die Massaker in Japan dokumentiert, ist ab 22. Oktober auch in deutschen Kinos zu sehen. In den USA wurde der Film bereits mehrfach ausgezeichnet. O´Barry informiert online unter www.savejapandolphins.org über seinen Einsatz.

Es ist mittlerweile 40 Jahre her, doch wenn Ric O´Barry an den Tag zurück denkt, an dem Cathy starb, verliert er noch immer die Fassung. "Sie hat mich angeschaut", sagt der 69-Jährige in die Kamera und kämpft mit den Tränen, "und hat einen tiefen Atemzug genommen. Es war ihr letzter. Dann ließ sie sich einfach auf den Meeresboden sinken."

Für O´Barry ist völlig klar - Cathy hat damals Selbstmord begangen. Cathy war ein Delfin, ein Großer Tümmler, und Ric O´Barry war damals ihr Trainer im Aquarium von Miami im US-Staat Florida. Sie war einer von fünf Artgenossen, die zusammen die Hauptrolle in der legendären TV-Serie "Flipper" spielten. O´Barry hatte alle fünf gefangen, gezähmt und abgerichtet, doch der Selbstmord von Cathy ließ ihn an allem, was er in den Jahren zuvor getan hatte, zutiefst zweifeln.

"Es hat etwa ganz Tiefsitzendes in mir berührt", sagt er heute in der preisgekrönten Filmdoku "The Cove" (Die Bucht), die ab Ende Oktober auch in deutschen Kinos zu sehen ist. "Als Nächstes kann ich mich nur daran erinnern, dass ich ein paar Tage später auf den Bahamas im Gefängnis saß, weil ich versucht hatte, dort Delfine zu befreien. Ich bin total durchgedreht."

Das Leben in Gefangenschaft, das wurde O´Barry damals klar, ist für die hochintelligenten Meeressäuger eine Tortur. Deshalb hat O´Barry es sich seitdem zum Lebensinhalt gemacht, einen medialen Feldzug gegen die Domestizierung dieser kleinsten Walart zu führen. Befeuert wird sein Eifer dabei durch sein schlechtes Gewissen. Als einstiger Flipper-Trainer, davon ist er überzeugt, ist er dafür mitverantwortlich, dass die Menschen heute zu Hunderttausenden in die Aquarien strömen, um die scheinbar ewig lächelnden Tiere bei ihren Kunststücken zu betrachten oder gar mit ihnen ins Wasser zu steigen. "Flipper" hat eine weltweite Delfin-Hysterie ausgelöst - und einen stetig wachsenden Bedarf an gefügigen Wasserartisten geschaffen.

Die jüngste Schlacht in diesem Feldzug zur Rettung der Delfine schlägt Ric O´Barry in der Stadt Taiji an der japanischen Südküste. Dort werden jedes Jahr zwischen September und März zehntausende Delfine gefangen, die größten oder auch talentiertesten werden für rund 150.000 US-Dollar pro Stück an Delfinarien überall in der Welt verkauft.

Doch die Fangmethode ist grausam: Wie der Aktivist in "The Cove" zeigt, werden in Taiji jedes Jahr 23.000 Delfine brutal abgeschlachtet - nur ein Bruchteil der jährlich vobeiziehenden Tiere wird für die einträglichen Shows gefangen.

Es ist ein schauriges Spektakel, das sich während der Saison in Taiji Tag für Tag vollzieht und das O´Barry unter großen Mühen und Gefahren dokumentiert hat. Mit einer breiten Phalanx von Booten treiben die Fischer die Delfine in eine schmale Bucht, wo sie die passenden Tiere für die Unterhaltungsbranche aussortieren. Der Rest wird einfach abgestochen.

Warum, das kann O´Barry sich auch nicht erklären. Zum Teil, so glaubt er, werde das Fleisch auf den Märkten in Tokio und Osaka unter falschen Etiketten als Walfleisch verkauft, weil selbst in Japan heutzutage der Walfang reglementiert ist. Zum anderen hielten die Fischer sich damit schlicht die Konkurrenz vom Hals, weil jeder Delfin täglich rund 30 Pfund Fisch verzehrt. Vielleicht aber spielt auch das Gefühl verletzter Eitelkeit eine Rolle, die in der gefallenen Kolonialmacht Japan immer noch zu spüren sei - das Massaker wäre demnach eine Trotzreaktion, eine Geste gegen jedwede Einmischung von außen.

Was auch immer dahinter steckt, der Tierschützer will dem Treiben in der Bucht von Taiji ein Ende bereiten. Aus Angst vor Anschlägen durch die Fischer und ihre Hintermänner lebt er während der sechs Monate der Fangzeit in verschiedenen Verkleidungen in Taiji und versucht, so viele internationale Medien wie möglich auf den Massenmord an den Delfinen aufmerksam zu machen. So schleuste er auch ein hochspezialisiertes Team aus Tauchern und Kameraleuten ein, um für seinen Film die Absperrungen und Wachen rund um die blutige Bucht zu umschiffen.

In den letzten Einstellungen des Films sieht man O´Barry mit einem Bildschirm vor dem Bauch mitten auf einer Straße in Tokio stehen. Über den Monitor flimmern die grausigen Bilder des Delfin-Massakers; der einstige Flipper-Mann wirkt verzweifelt, will die Blicke der Passanten auf das grausame Geschehen lenken. "Ich habe jetzt mein ganzes Leben dem Versuch gewidmet, das zu stoppen, was in dieser Bucht passiert", sagt seine Stimme aus dem Off. "Wenn ich das nicht ändern kann, dann kann ich gar nichts ändern, dann gibt es keine Hoffnung."

Es scheint, als laste ein Fluch auf dem früheren Delfin-Trainer: Erst wenn er die Massaker von Taiji gestoppt hat, wird O´Barry Frieden finden. Dann wird die Erinnerung an Cathys Tod ihn wohl nicht mehr quälen.

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