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23. April 2014

Tierschutz: Pipelines kontra Wale

 Von 
Whale Watching ist auch ein Kanada eine beliebte Touristenattraktion.  Foto: REUTERS

Kanada reduziert den Schutz der bedrohten Meeressäuger und erleichtert damit Ölkonzernen den Bau neuer Pipelines in den Küstengebieten. Die Herabstufung von "bedroht" auf "gefährdet" gehe auf die steigende Zahl der Tiere zurück, so die Regierung.

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Buckelwale sind lebhafte Wesen. Auf ihren Wanderungen durch die Weltmeere springen sie oft mit dem ganzen Körper aus dem Ozean, klatschen mit ihren Flippern oder Fluken auf die Wasseroberfläche und heben beim Abtauchen in die Tiefe ihre gesamte Schwanzflosse aus dem Meer.

Das tun auch die rund 2000 Buckelwale, die regelmäßig die Gewässer und Fjorde vor der Pazifikküste Kanadas frequentieren. Damit locken die umtriebigen Meeressäuger jedes Jahr Tierliebhaber aus aller Welt an, die sich das spektakuläre Naturschauspiel von der Küste oder speziellen Booten aus ansehen. Bislang standen die Meeresgiganten in Kanada unter strengem Schutz, denn die Wale waren einst durch die kommerzielle Jagd fast ausgerottet worden.

Doch nun hat die kanadische Regierung den Schutz der Wale gelockert – und den Ölkonzernen damit juristisch den Bau einer neuen Pipeline erleichtert.

Die Regierung stufte die Schutzklasse der Buckelwale von „bedroht“ auf „gefährdet“ herab und begründete dies mit den gewachsenen Populationen. Sie berief sich dabei auf einen Bericht, in dem Forscher zu dem Schluss kommen, dass die Zahl der Wale im Nordpazifik wieder steigt – um etwa vier Prozent im Jahr.

Eines der ehrgeizigsten Projekte Kanadas

In der Praxis bedeutet die neue Einstufung, dass Kanada große Teile des Lebensraums der Wale vor seinen Küsten nicht mehr aktiv schützen muss. Außerdem müssen Industriebetriebe mit weniger Auflagen und niedrigeren Kosten rechnen, wie die Regierung in ihrer Entscheidung selbst einräumt. Kanadische Medien sowie Umweltschützer werten die Herabstufung der Wale als Versuch der Regierung, den Bau einer umstrittenen Ölpipeline durchzusetzen. „Die Regierung beruft sich auf die Wissenschaft, in Wahrheit handelt es sich aber um eine politische Entscheidung zu Gunsten der Pipeline“, erklärte Karen Wristen von der Umweltgruppe „Living Oceans Society“ dem Sender CBC. Die so genannte „Northern Gateway“ Pipeline gilt als eines der ehrgeizigsten Energieprojekte in Kanada. Mit ihrer Hilfe sollen einmal 800.000 Barrel Schweröl pro Tag aus den Teersandgebieten im Landesinneren an die Pazifikküste transportiert, in Tanker gepumpt und nach Asien verschifft werden.

Seit 1966 steht der Buckelwal weltweit unter Artenschutz.  Foto: imago stock&people

Die 1200-Kilometer-Röhre soll rund acht Milliarden Dollar kosten. Umweltschützer und viele Ureinwohner allerdings kämpfen mit allen politischen juristischen Mitteln dagegen. In ihren Klagen argumentieren sie unter anderem mit der Gefahr einer unkontrollierbaren Ölpest – und dem Schutz der Wale. „Beim Bau der Pipeline würde die Gefahr von Kollisionen zwischen Öltankern und Walen deutlich ansteigen“, erklärte Wristen.

Tatsächlich würden nach einem Bau jedes Jahr etwa 250 Mega-Tanker durch die stürmischen Gewässer vor British Columbia kreuzen. Mit einem Schutzgebiet für Wale wäre diese Aktivität womöglich nicht vereinbar. Schon heute sterben vor der kanadischen Küste im Schnitt drei Wale im Jahr durch Kollisionen mit Schiffen.

Lärm der Tanker könnte die Tiere vertreiben

Zwar bestreiten die kanadischen Tierschützer nicht, dass die Walpopulationen zuletzt gestiegen sind. Experten zählen im gesamten Nordpazifik zwischen 18.000 und 21.000 Buckelwale. Ausgerechnet die Gewässer vor British Columbia gelten jedoch als wichtiger Rückzugsraum, in dem die Tiere ihre Jungen großziehen und füttern. Die Kritiker fürchten, dass der Lärm der vielen Tanker die Tiere vertreiben könnte.

Kaum ein Zufall dürfte es jedenfalls sein, dass die Regierung die Herabstufung der Wale wenige Monate vor ihrer endgültigen Entscheidung zum Pipelinebau angekündigt hat. Vergangenes Jahr hatte die Energiebehörde des Landes den Bau empfohlen. Seitdem wehren sich Anwohner und Kritiker vor Gericht. In einem Referendum hatten sich die Bewohner der Hafenstadt Kitimat, wo einmal der Verladeterminal gebaut werden soll, gegen die Pipeline ausgesprochen.

Trotzdem wird in Kanada allgemein damit gerechnet, dass die Regierung das Votum ihrer Behörde in den nächsten Wochen bestätigen wird. Kanada will die umstrittene Ölförderung aus Teersand drastisch ausweiten. Derzeit gewinnt das Land daraus etwa 1,3 Millionen Barrel Öl pro Tag, knapp 207 Millionen Liter. Dieses Volumen soll in den nächsten 15 Jahren verdreifacht werden.

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