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Tödliche Gruppensitzung: Drogencocktail als Seelenlöser

Ein Berliner Psychotherapeut holt sich die Anleitung für einen Cocktail aus Heroin, LSD und Ecstasy bei einem "Sexguru" in der Schweiz. Zwei seiner Patienten sterben daran. Von Roland Mischke

Ecstasy gehörte zur tödlichen Therapie.
Ecstasy gehörte zur tödlichen Therapie.
Foto: ddp

Untersuchungshäftling Garri R. schweigt - die Mordkommission in Berlin erhält keine Hinweise zum Hintergrund seiner Tat. Vorletzten Samstag reichte der 50-Jährige seinen Klienten einen Drogencocktail mit Heroin, LSD und Ecstasy. Ein 59-jähriger Mann erlitt einen Herzstillstand, auch ein 28-Jähriger starb Stunden später. Ein 55-Jähriger wurde ins künstliche Koma versetzt. Die übrigen neun Teilnehmer konnten die Kliniken verlassen.

Schnell kam der Verdacht auf, hinter den Handlungen des Psycho-Doktors stehe eine Sekte. Garri R. hat sein Handwerk bei Samuel Widmer in der Schweiz gelernt. Der 60-Jährige betreibt in Nennigkofen und im benachbarten Lüsslingen eine "Therapeutisch-Tantrisch-Spirituelle Universität". Die Schweizer Boulevardpresse nennt ihn "Sexguru".

Widmer lebt mit zwei Frauen zusammen, mit denen er zehn Kinder hat. Zudem schart sich um ihn die "Gemeinschaft Kirschblüte" mit 75 Erwachsenen und 60 Kindern. Er will in seinen Seminaren durch "befreite Sexualität" und mit Hilfe von Drogen Menschen dazu verhelfen, an die "großen Lebensfragen" heranzukommen. Die Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen sieht typische Merkmale einer Sekte.

"Das sieht nach einem groben Kunstfehler aus"

Garri R. hat Kurse bei Widmer absolviert. "Vor 15 Jahren", sagte Widmer in der Schweizer Presse, habe R. "bei mir die Ausbildung gemacht". Der Guru zeigt sich von den "Vorfällen" in Berlin "überrascht". Er habe R. als "sehr vorsichtigen, gewissenhaften Menschen erlebt. Das sieht nach einem groben Kunstfehler aus". In seinen Sitzungen würden nur legale Mittel verabreicht, grenzt Widmer sich von R. ab. "Ich muss annehmen, dass er etwas anderes genommen hat."

Samuel Widmer kreierte die so genannte "Psycholyse", eine nicht anerkannte Therapieform. In der Schweiz gab es in den 80er Jahren einen Kreis von Ärzten, die eine amtliche Bewilligung für die "psycholytische Therapie" besaßen. Sie soll unter Einnahme von Drogen "die Seele lösen". Widmer setzte LSD und MDMA ein, ein zentraler Bestandteil von Ecstasy. 1993 kam es in der Praxis eines Kollegen zu einem Todesfall, woraufhin das Schweizer Bundesamt die Bewilligungen kassierte. Seither will Widmer nur noch mit zugelassenen Mitteln wie Ketamin und Ephedrin arbeiten. "Wir überprüfen ihn regelmäßig, aber es liegt nichts vor", erklärte Heinrich Schwarz, Chef des Gesundheitsamts, der Solothurner Zeitung.

Widmer ist umstritten, weil er in Nennigkofen unbekümmert sexuelle Freizügigkeit vorführt. Nachbarn beobachten, wie er zwischen den nebeneinander stehenden Häusern, in denen seine Frauen mit Kindern wohnen, im Morgenrock hin und her geht. Das Verhältnis zu den Töchtern wirkt fragwürdig, seit er das Buch "Von der unerlösten Liebe zwischen Vater und Tochter" publizierte, in dem er das Inzest-Tabu angreift.

Gegen Garri R. läuft nun ein "Ermittlungsverfahren wegen Anordnung des Ruhens der Approbation" durch das Berliner Landesprüfungsamt. Die Ärztekammer erwägt ein Berufsverbot und eine Strafe von 50.000 Euro.

Autor:  Roland Mischke
Datum:  28 | 9 | 2009
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