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Tötung im Dresdener Gericht: Motiv war Ausländerhass

Ursache für die Bluttat im Dresdner Landgericht, bei der am Mittwoch eine Frau erstochen wurde, waren Ausländerhass und ein Streit auf einem Kinderspielplatz. Von Bernhard Honnigfort

Polizisten auf dem Weg in das Landgericht in Dresden.
Polizisten auf dem Weg in das Landgericht in Dresden.
Foto: dpa

Dresden. Ursache für die Bluttat im Dresdner Landgericht, bei der am Mittwoch eine Frau erstochen wurde, waren Ausländerhass und ein Streit auf einem Kinderspielplatz. Der 28-jährige Täter Alex W. hatte die 32-jährige Ägypterin Marwia E. im August 2008 auf einem Spielplatz heftig beschimpft. Es ging um eine Schaukel, auf der das kleine Kind der Frau saß.

Der in Russland geborene Alex W. wollte, dass das Kind Platz machte für seine kleine Nichte, mit der er gekommen war. Er beleidigte die Kopftuch tragende Frau, die ihr Kind nicht von der Schaukel nahm, als "Terroristin", "Schlampe" und "Islamistin". Sie zeigte ihn an. Im November verurteilte das Dresdner Amtsgericht den Deutsch-Russen wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 780 Euro. Am Mittwoch war die Berufungsverhandlung, weil die Staatsanwaltschaft die damalige Verurteilung als zu milde erachtete.

Etwa eine Stunde nach Verhandlungsbeginn um 9.30 Uhr, gerade als die schwangere Mariwa E. als Zeugin ihre Aussage beendet hatte, stürzte sich der in Perm geborene arbeitlose Lagerarbeiter mit einem Messer auf sie und stach 18 mal zu. Auch ihr Ehemann, der sich schützend dazwischen warf, wurde bei der Attacke durch Stiche schwer verletzt. Angeblich soll der Messerstecher gerufen haben, sie habe kein Recht zu leben. Im Saal brach Panik aus, Richter Tom Maciejewski drückte den Notrufknopf.

Warum der Mann im Gericht ausgerastet ist und ob die Tat vorher geplant war, ist noch unklar. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte am Donnerstagabend im MDR-Fernsehen, der Täter sei ein "notorischer Ausländerhasser". Er werde wegen Mordes angeklagt.

Zwei Bundespolizisten, die vor einem anderen Saal wegen eines anderen Prozesses als Zeugen warteten, rannten zum Tatort. Einer zog nach Angaben der Dresdner Staatsanwaltschaft seine Waffe, hielt irrtümlich den Ehemann des Opfers für den Angreifer und schoss ihm ins Bein. "Es war kein Querschläger", so die Staatsanwaltschaft. Die Sache werde genau untersucht.

Die attackierte Frau starb noch im Gerichtssaal an ihren Verletzungen. Dutzende Ärzte und Sanitäter, die schnell zum Gericht gerufen worden waren und von einem Amoklauf ausgingen, konnten ihr nicht mehr helfen. Im Gericht anwesend war auch ihr Kind, das das Blutbad mit ansehen musste. mit dpa

Autor:  Bernhard Honnigfort
Datum:  3 | 7 | 2009
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