Mr. Hanks, was würde wohl passieren, wenn Sie morgen den Vatikan als Tourist besuchen wollten?
Solange ich keine kurzen Hosen trage, sehe ich da kein Problem. Ich gehe mal stark davon aus, dass der Vatikan auch nach dem Wirbel um "Illuminati" noch ein Ort ist, der Interessierte willkommen heißt. Immerhin haben wir es mit erwachsenen Jungs zu tun, oder nicht?
Tom Hanks, 52, ist einer der gefragtesten Schauspieler Hollywoods. Der gebürtige Kalifornier war insgesamt fünf Mal für den Oscar nominiert. Für seine Hauptrollen in "Forrest Gump" (1994) und "Philadelphia" (1993) wurde er mit der begehrten Trophäe ausgezeichnet.
Sein neuer Film "Illuminati" ist gerade in Deutschland angelaufen. In den USA steht die Verfilmung des Romans von Dan Brown seit dem vergangenen Wochenende an der Spitze der Kino-Charts. FR-Autor Johannes Bonke traf den Star bei einer Gesprächsrunde in Rom.
Das schon, aber die katholische Kirche spricht sich offen gegen Ihren aktuellen Film "Illuminati" aus, der sich um eine fiktive Verschwörung im Herzen des Vatikans dreht. Der Film sei nichts weiter als eine Aneinanderreihung von unwahren Fakten und somit Gottesfrevel, heißt es.
Dan Brown ist ein Autor fiktiver Geschichten! Und überhaupt: Wenn man sein ganzes Leben nur auf empirischen Beweisen aufbaut, wird man ewig auf der Suche sein. Denn die Geschichte lehrt uns, dass das, was wir heute wissen, morgen schon nicht mehr gültig sein muss.
Zum Beispiel?
Was ich sagen will, ist, dass wir uns nicht über die Auslegungen von Fakten streiten sollten, die 3000 Jahre alt sind. In meinen Augen ist es wichtiger, dass Atheisten und Gläubige zusammenarbeiten, um diese Welt zu einem besseren Ort zu machen - ganz egal, was den Einzelnen nun antreibt. Nur so können wir uns als Spezies weiterentwickeln.
Das klingt, als hätten Sie eine Neigung zum Spirituellen
Ich bin in meinem Leben schon mit den unterschiedlichsten Religionen in Kontakt gekommen und ein großer Fan von Mysterien. Ich habe mich einmal mit einem Priester über Wunder unterhalten. Wir waren uns einig, dass Wunder eigentlich immer und überall geschehen: Wir sind nach Rom geflogen. Wir haben den Flug überlebt. Und überhaupt: Wir sind als Babys auf diese Welt gekommen und erwachsen geworden. Die Welt steckt voller Mysterien, die wir viel öfter bewusst wahrnehmen sollten. Für mich ist das die ultimative Form des Glaubens.
Illuminati (Trailer) Kinostart: 14. Mai 2009
Professor Langdon haben Sie ja schon im Film "Da-Vinci-Code" gespielt. Worin liegt für Sie der Reiz, wieder zu dieser Rolle zurückzukehren - zumal die Kritiker den ersten Teil überhaupt nicht gut fanden?
"Da-Vinci-Code" war eine Art Schatzsuche, "Illuminati" ist eher wie ein Pferderennen: Eine Bombe tickt, die Uhr läuft - und Professor Langdon muss eine Lösung für alle Probleme finden. Liegt er falsch, verliert er Zeit. Das ist eine Traumrolle, wie ich sie mir immer gewünscht habe. Endlich darf ich jemanden spielen, der fast immer die Antworten auf bestimmte Fragen weiß und danach losrennt, um die Probleme zu lösen.
Sie müssen in "Illuminati" in der Tat so einiges an körperlicher Arbeit leisten. Sieht anstrengend aus, wie Sie durch Gassen und Treppenhäuser spurten.
Es hat mich körperlich auch sehr beansprucht. Jeder verdammte Kopfstein in Rom hat eine andere Form, jedes Treppenhaus ist eine potenzielle Todesfalle.
Wirklich?
Fragen Sie mal meine liebe Schauspielkollegin, wie sie mit ihren atemberaubenden Stilettos zurechtkam. Wir zerbrachen uns vor jeder Szene den Kopf, ob wir das Ganze heil überstehen. Es war ein Wunder, dass ich diese Dreharbeiten überlebt habe.
Sie haben für die Rolle extra trainiert, nicht wahr?
Sie wollen mir allen Ernstes sagen, dass ich endlich mal nicht fett aussah? Vielen Dank!
Während der Dreharbeiten haben Sie angeblich eine Braut zum Altar begleitet.
Wir drehten gerade in der Nähe des Pantheon, als ich mitbekam, dass eine Braut verzweifelt versuchte, zu ihrer Kirche zu kommen. Doch leider blockierten wir den Verkehr. Also fasste ich mir ein Herz und eskortierte sie persönlich zur Kirche.
Mr. Hanks, Sie scheinen ja nicht nur im Film ein Held zu sein
Ach, niemals! Ich mache mir gerade Gedanken darüber, wie ich meine Zähne am besten richten lasse. Wäre ich ein Superheld, müsste ich mir darüber wirklich nicht den Kopf zerbrechen.
(Aufgezeichnet von Johannes Bonke)
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