Kiel. Gepanschten Alkohol können Konsumenten nach Experteneinschätzung kaum von herkömmlichen Drinks unterscheiden. "Das ist extrem schwierig herauszuschmecken, da hat man in der Regel keine Chance", sagte der Toxikologe Edmund Maser von der Kieler Christian-Albrechts-Universität am Dienstag der Nachrichtenagentur ddp. Reines Methanol dagegen rieche erkennbar und sei dadurch auffällig.
Nachweislich durch eine Methanol-Vergiftung war ein 21 Jahre alter Schüler aus Lübeck während einer Klassenreise in die Türkei gestorben. Er hatte gepanschten Schnaps getrunken, der nicht nur Ethanol, also reinen Alkohol, sondern auch hochgiftiges Methanol enthielt. Bei zwei ebenfalls gestorbenen Klassenkameraden steht das abschließende Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchungen noch aus.
Derzeit gehe die Forschung davon aus, dass für den menschlichen Körper "im Prinzip eine einmalige Aufnahme geringer Methanol-Mengen nicht tödlich ist", sagte Maser. Tödlich sei der Stoff erst ab einem Gehalt von 0,2 Promille. Bleibe der Wert darunter, werde aber häufig der besonders sensible Sehnerv geschädigt.
"Aus medizinischer Sicht ist es schlimmer, reines Methanol als gepanschten Alkohol zu trinken", sagte der Direktor des Instituts für Toxikologie und Pharmakologie. "Methanol und Ethanol werden durch dieselben Enzym-Systeme verstoffwechselt." Dadurch werde die Giftung des Methanols im Blut hinausgezögert. Beim Methanol-Abbau entstehe Ameisensäure, die letztendlich die schweren Schädigungen auslöse. Ethanol werde deshalb auch zur Behandlung von Methanol-Vergiftungen eingesetzt. (ddp)
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