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Truthahn-Begnadigung: Courage darf nicht sterben

...aber vielleicht muss der Truthahn dieses Namens es doch: Ob Obama seinen Thanksgiving-Vogel schlachtet oder begnadigt, wird in den USA zur einer Frage des Formats hochstilisiert. Von Eva C. Schweitzer

Kann Obama so einen Truthahn töten? Diese Frage wird in den USA politisiert.
Kann Obama so einen Truthahn töten? Diese Frage wird in den USA politisiert.
Foto: rtr

Alle Jahre wieder zittern die Truthähne in Amerika vor Thanksgiving, dem Erntedankfest - nur einer braucht sich nicht zu fürchten: Der Truthahn, der auf den Tisch des Weißen Hauses kommt - oder vielmehr nicht kommt. Denn der wird, so ist es Tradition, zwar zum Weißen Haus geflogen, aber nur, um dort vom Präsidenten persönlich begnadigt zu werden. Auch Barack Obama wird da keine Ausnahme machen: Seinem Truthahn, ein 18 Kilo schwerer Vogel namens "Courage", Mut, der auf der Wayne County Farm in North Carolina aufwuchs, bleibt das Hackebeil erspart. Der Präsident wird am Mittwoch im Rosengarten ein Pardon aussprechen.

Schon im Vorfeld schlug das geplante Vogel-Pardon hohe Wellen: Dave Letterman spottete in seiner Late-Night-Show, dass sich Dick Cheney, der frühere Vizepräsident, bereits beschwert habe: Obama sei zu weich im Kampf gegen Geflügel. Eine kleine Spitze nur, die aber ins Herz der aktuellen Debatte um Obamas Politik und sein Ansehen trifft.

Genüsslich stellen die Republikaner zurzeit offen die Frage, ob der demokratische Präsident nicht "zu weich" sei für den Job - ein Etikett, das praktisch gleichbedeutend ist mit Regierungsunfähigkeit. Obamas "sanfte Diplomatie" auf seiner jüngsten Asien-Rundreise wird bespöttelt; Vergleiche werden bemüht mit dem glücklosen Jimmy Carter - auch er ein Demokrat, auch er ein Mann der milden Sorte, der Diktatoren eher freundschaftlich die Hand reichte, statt ihnen auf die Finger zu klopfen. Das Wahlvolk gab ihm die Quittung und wählte ihn nach einer Amtsperiode ab.

Palin erschießt lieber Tiere vom Hubschrauber aus

Die Republikanerin Sarah Palin, die womöglich 2012 als Präsidentschaftskandidatin antritt, ist dafür bekannt, dass sie Tiere vom Hubschrauber aus erschießt. Sie hat zwar letztes Jahr ihren Truthahn in Alaska vor laufenden Fernsehkameras begnadigt - im Hintergrund aber war zu sehen, wie andere zappelnde Vögel in eine Tötungsmaschine gesteckt wurden.

So wird die Frage, ob Obama nach dem Beispiel seiner Vorgänger folgt und den offiziellen, präsidialen Truthahn begnadigt oder doch in die Pfanne haut, derzeit zu einer Frage des persönlichen Formats. Zumal Thanksgiving der wichtigste Feiertag der US-Bürger ist, noch vor als Weihnachten.

Es ist ein Tag, an dem die ganze Familie aus allen Ecken des Landes zusammenkommt und wo ein traditionelles Mahl serviert wird: Der gegrillte, gebratene oder frittierte Truthahn natürlich, dazu ein Füllung aus Brot, außerdem Cranberry-Soße, Süßkartoffeln, Grünkohl und Kürbis-Auflauf. Thanksgiving geht auf die Pilgerväter zurück, die mit dem Schiff "Mayflower" nahe Boston landeten, und die 1621 erstmals Erntedank feierten, damals noch mit den Indianern, die die Pilger vor dem Hungertod bewahrt hatten.

Der Truthahn im Weißen Haus ist ein Geschenk der Landwirtschaftsverbände "National Turkey Federation" und das "Poultry and Egg National Board". Woher die Tradition des Pardons kommt, ist allerdings unklar. Laut New York Times war US-Präsident Harry Truman der erste, der 1947 seinen Truthahn hatte laufen lassen, aber dem widerspricht die Washington Post. Trumans Nachfolger Dwight D. Eisenhower jedenfalls hat seine Festvögel durchaus aufgefuttert.

John F. Kennedy verzichtete zwar 1963 darauf, seinen Truthahn schlachten zu lassen, ohne aber ein formelles Pardon auszusprechen. Und Ronald Reagan sprach ungefähr gleichzeitig ein Pardon für seinen Truthahn Charlie und den Iran-Contra-Verantwortlichen Oliver North aus.

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Autor:  Eva C. Schweitzer
Datum:  24 | 11 | 2009
Seiten:  1 2
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