Vier Monate nach einem brutalen Angriff auf einen 29-Jährigen in einem Berliner U-Bahnhof muss sich ein 18-jähriger Gymnasiast seit Dienstag vor dem Landgericht verantworten. Die Anklage wirft ihm versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor.
Er soll den Handwerker als zufälliges Opfer ausgesucht und mit gezielten Tritten gegen den Kopf lebensgefährlich verletzt haben. Der Überfall hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst und eine Debatte über den Umgang mit jungen Gewalttätern entfacht.
Der Gymnasiast hatte laut Staatsanwaltschaft zugegeben, er sei in aggressiver Stimmung gewesen und habe sein Opfer aus Streitlust ausgesucht. Wie auf dem Film einer Überwachungskamera zu sehen ist, schlug der Täter dem 29-Jährigen zunächst eine Flasche ins Gesicht, worauf dieser zu Boden ging. Dann trat er dem Mann gegen den Kopf.
Das Opfer wurde am Dienstagnachmittag als Zeuge erwartet. Der Handwerker lag mit einem Schädel-Hirn-Trauma, gebrochener Nase und Platzwunden im Krankenhaus. Er braucht bis heute psychologische Betreuung. Schlimmeres wurde verhindert, weil ein Mann aus Bayern den Angreifer couragiert wegzog. Er tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf. Auch er wurde angegriffen.
Ein mitangeklagter 18-Jähriger muss sich ebenfalls wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ihm wird zudem unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen, weil er nichts gegen die brutalen Tritte unternommen haben soll.
Nach Angaben von Opferanwältin Elke Zipperer lehnt der überfallene Handwerker eine Entschuldigung des Gymnasiasten sowie 7000 Euro Schmerzensgeld vom Angeklagten als «taktisches Manöver» ab.
Der Täter war zunächst geflüchtet, stellte sich dann aber der Polizei. Dass der Gymnasiast rasch aus der U-Haft entlassen und ihm nicht versuchter Mord zu Last gelegt wurde, war öffentlich kritisiert worden. (dpa)
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