Prä-Astronautiker wie Erich von Däniken
Sein Buch hat er gleich mitgebracht, ein türkisgrünes Bändchen, erschienen in einem "kleinen Fachverlag", wie er sagt. Es beschreibt seine Spurensuche auf der Insel Malta. "Schon vor Jahrtausenden hatten die Außerirdischen mit uns Kontakt", sagt Knörr. Seine Stimme ist ruhig, als erzähle er von seinem letzten Fernsehabend. "Sie haben unsere Vorfahren genetisch manipuliert, uns geschaffen nach ihrem Bilde. Ähnlich wie es in der Bibel steht."
Prä-Astronautik nennt sich diese Theorie, ihr berühmtester Vertreter ist Erich von Däniken, der in den Neunzigern mit gewagten Fernsehsendungen über außerirdische Besucher von sich reden machte. "Der hat mir einen Leserbrief geschrieben", erzählt Knörr. "Mein Buch sei das beste, was er je zu dem Thema gelesen habe." Er strahlt.
Prä-Astronautiker sind eine kleine, eingeschworene Gemeinde. Kein Wunder, denn in Archäologen-Kreisen stoßen Theorien einer durch Außerirdische genmanipulierten Menschheit auf wenig Verständnis. Knörr verzieht verächtlich sein Gesicht: "Die Altertumsforscher versuchen halt, ihr Weltbild zu schützen. Die ertragen das nicht, wenn man sie in Frage stellt." Er selbst jedenfalls traue keinem Archäologen über den Weg. "Ich glaube nur, was ich selbst recherchiert oder gesehen habe."
Ob nach Feierabend auf dem heimischen Sofa oder im Urlaub im gemieteten Wohnwagen - wann immer er kann, geht er auf die Jagd nach Beweisen. Mehr als 2000 Bücher hat er gesammelt, er war in Italien, in Frankreich, in Bosnien-Herzegowina. Hin und wieder wurde er sogar fündig. In einem Museum in Schanghai etwa fand er entlarvende Figuren auf einer antiken goldenen Vase: "Das waren ganz klar schwebende Wesen im Raumanzug", sagt er. Für Alexander Knörr gibt es keinen Zweifel: "Die Existenz von Außerirdischen ist ein Fakt."
"Ich lasse mich nicht zum Deppen machen"
Auf den Tagungen der Degufo hält Knörr Vorträge, selbst das Fernsehen hat mehrmals angefragt. "Aber das war nicht seriös", sagt er: "Ich lass' mich doch nicht zum Deppen machen. Ich bin schließlich ein kritischer Forscher."
Knapp tausend Exemplare seines Buches hat Knörr verkauft. Im letzten Kapitel fasst er zusammen, wie er sich die Besucher auf unserem Planeten vorstellt: Drei Meter große, blonde Wesen seien sie, und die kleinen Grauen, die mit den spindeldürren Ärmchen und den großen Mandelaugen, ihre Lakaien. Dereinst hätten sie uns erschaffen, und heute kämen sie vorbei, um uns zu untersuchen. "Vielleicht sind wir ja ihre Laborratten", sagt Knörr. Er lacht, aber er meint das ernst.
Wie sonst seien etwa die Autoimmunkrankheiten zu erklären, Rheuma zum Beispiel, das ihn auch selbst plage? "Da wehrt sich der Körper gegen außerirdische Gene", sagt Knörr. Schon vor Jahrtausenden hätten die Außerirdischen Sex mit unseren Vorfahren gehabt. "Alle großen Mythen sprechen davon. Man muss sie nur richtig deuten." Er hat die Hände schützend auf sein Buch gelegt.
Selbst ein Ufo gesehen hat Knörr allerdings noch nicht. "Ich bin schon ein wenig neidisch auf Björn Bossing", sagt er. Aber wer weiß, vielleicht klappt es ja noch. "Schließlich gibt es nichts Schöneres, als in einer lauen Sommernacht auf der Wiese zu liegen und in die Sterne zu gucken."
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