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Uganda: Insel der Affen

In 20 Jahren wird es keine Schimpansen mehr in freier Wildbahn geben. Denn die Wälder, in denen sie leben, werden von den Menschen zerstört. Frederik Jötten hat sich in Uganda umgeschaut.

Gerald Muyingo, Chef des Schimpansenasyls, kümmert sich liebevoll um seine Schützlinge.
Gerald Muyingo, Chef des Schimpansenasyls, kümmert sich liebevoll um seine Schützlinge.
Foto: Dominik asbach

Es dämmert über dem Victoriasee, als die ersten Menschen in ihrem Gehege wach werden. Dunstschleier liegen über dem Wasser. Gerald Muyingo stapft mit zwei Eimern voller Bananen in den Händen durch die feuchte Wiese. Er ist einer von 20 Tierpflegern, die auf Ngamba Island, einer Insel rund 23 Kilometer entfernt vom ugandischen Festland, leben - eingepfercht auf zweihundert mal dreihundert Metern. Der Rest der Insel, ein etwa 40 Fußballfelder großer Regenwald, gehört den Schimpansen.

Es ist die große Freiheit für 44 Tiere, die einst in der Wildnis gekidnappt und dann in Gefangenschaft gehalten wurden. Das "Ngamba Island Chimpanzee Sanctuary" wurde vor elf Jahren von der Stiftung der legendären Primaten-Forscherin Jane Goodall als Asyl für verwaiste Schimpansen gegründet.

Silva ist einer von 20 Tierpflegern, die die Affen vor den Menschen schützen.
Silva ist einer von 20 Tierpflegern, die die Affen vor den Menschen schützen.
Foto: Dominik Asbach

Der Pan troglodytes, so die wissenschaftliche Bezeichnung für den Schimpansen, kommt im mittleren Afrika rund um den Äquator in 21 Ländern vor, von Gabun im Westen bis Tansania im Osten. In einigen westafrikanischen Staaten wie Burkina Faso, Gambia und Benin ist er bereits ausgerottet - und überall bedroht. Von einst zwei Millionen Tieren, sind heute noch 100.000 übrig, in Uganda leben noch weniger als 5000 von einst 50.000 Schimpansen. Die Gründe für das Aussterben der Tiere sind überall in Afrika ähnlich. Seit 1960 hat sich die Bevölkerung südlich der Sahara verdreifacht. Die Menschen dringen immer weiter in den Lebensraum der Schimpansen vor. Regenwald wird gerodet, um Platz für die Landwirtschaft zu schaffen, um Holz zum Kochen und Bauen zu gewinnen. Schimpansen werden getötet, weil sie sich auf den Feldern der Bauern bedienen und sie werden gejagt, um das Fleisch der erwachsenen Tiere als "Bushmeat" und die Babys als Haustiere zu verkaufen.

Es gibt Wissenschaftler, die prophezeien, dass es in 20 Jahren in der Wildnis keine Schimpansen mehr geben wird. Beim UN World Forestry Congress (WFC), der alle sechs Jahre stattfindenden UN-Konferenz für den Schutz der Weltwälder, die am Wochenende in Buenos Aires begonnen hat, wird es auch um den Schutz der Schimpansen gehen. Weil die Zerstörung der Wälder gleichbedeutend ist mit der Ausrottung unserer nächsten Verwandten - und weil Jane Goodall sprechen wird, die ihr Leben dem Schutz der Primaten gewidmet hat. Über 100 Vorträge hält die Wissenschaftlerin pro Jahr, um die Menschen zu sensibilisieren für die Not der Tiere, mit denen sie Jahre im Gombe National Park in Tansania zusammen lebte. Immer wieder erzählt sie dabei auch von ihrem Projekt auf eben jener Insel im Victoriasee und was es beitragen kann zum Schutz der Wälder und der Schimpansen.

Es gibt  Wissenschaftler, die prophezeien, dass es in 20 Jahren in der Wildnis keine Schimpansen mehr geben wird.
Es gibt Wissenschaftler, die prophezeien, dass es in 20 Jahren in der Wildnis keine Schimpansen mehr geben wird.
Foto: ddp

Noch ist Vogelgezwitscher zu hören an diesem Morgen auf Ngamba Island, aber gleich werden die Schimpansen es übertönen. Sie liegen nebenan im Käfig, in ihren Hängematten. Jeden Abend kommen sie freiwillig aus dem dichten Regenwald, um zu fressen und zu schlafen. Die Insel könnte nur zwei Schimpansen ernähren - und weil die Tiere sich in der Wildnis jeden Abend ein Nest aus Blättern und Zweigen bauen, wäre auch der Wald bald zerstört, wenn sie draußen schlafen würden.

Als Haustier am Pfahl angebunden

Der erste Schimpanse schreit, es hört sich fast an, wie das Bellen eines Hundes. Wüstes Kreischen aus mindestens 20 Kehlen ist die Antwort, jetzt sind alle wach auf der Insel. Gerald Muyingo tritt vor den Käfig, es ist Zeit für die erste von vier Fütterungen täglich. In einer Ecke sitzt ein Tier, das apathisch ins Leere blickt, mit dem Kopf wackelt, ihn dann immer schneller vor und zurück schleudert. Es schreit klagend, jämmerlich klingt das. Dann umgreift es seine Beine, hebt sie in Richtung Brust, schüttelt sie ruckartig.

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Datum:  18 | 10 | 2009
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