Auch wenn der kalte Winter Deutschland ungewöhnlich fest im Griff hat – ein Zeichen für regelmäßige, eisige Perioden zum Jahreswechsel ist das nicht. Nach Ansicht von Klimaforscher Mojib Latif ist die Kältewelle in Europa nur ein natürlicher Ausdruck des chaotisch verlaufenden Wetters. „Unsere Klimamodelle zeigen, dass die globale Temperatur und auch die in Deutschland ansteigen. Zwei, drei kalte Winter in Europa ändern daran nichts“, sagte der Professor vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IfM-Geomar) im Gespräch mit der FR. Besonders viel Eis und Schnee in Europa habe nichts mit dem Klimawandel zu tun.
Latif widerspricht damit der These einer aktuellen Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), nach der künftig kältere Winter im Norden durchaus häufiger auftreten könnten. Diese würden durch arktische Winde ausgelöst, deren Ursache wiederum im durch die Erderwärmung bedingten Abschmelzen des Eises im östlichen Polarmeer liege.
Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Meteorologe am Potsdamer PIK, spricht von wachsender Instabilität des Klimas als Folge der globalen Erwärmung, die extreme Wetterphänomene grundsätzlich begünstige. „Es handelt sich aber um extreme, also seltene Ereignisse.“
„Diese Winterextreme hätten auch schon einmal früher auftreten müssen“, moniert dagegen Latif. Für ihn steht fest: „Kalte Winter werden bei uns in den nächsten Jahrzehnten immer unwahrscheinlicher.“ Die Durchschnittsjahrestemperatur in Deutschland sei in den letzten 100 Jahren bisher nur um ein Grad Celsius gestiegen. Das lasse extremen Wintern noch genügend Raum zur Entfaltung. Mit der weiteren Erwärmung aber werde es für Eis und Schnee in der kalten Jahreszeit immer schwieriger sich dauerhaft festzusetzen.
Auch von der immer wieder genannten These einer neuen, kleinen Eiszeit hält der Klima- und Meeresexperte nichts. Die letzte ihrer Art im 16. bis 18. Jahrhundert war durch starke Vulkanaktivitäten ausgelöst worden. „Davon ist nichts zu sehen“, sagt er.
Ebenso wenig gebe es Hinweise auf eine Abschwächung des Golfstroms, der für den Wärmetransport nach Nordwesteuropa extrem wichtig ist. Regelmäßig sammeln die Forscher am Kieler Geomar-Institut Daten über den Zustand des Golfstroms. Professor Mojib Latif: „Es ist auch anhand jüngster Messungen keine plötzliche Abnahme des Stroms zu beobachten.“ Erst in 25 Jahren rechneten Meereswissenschaftler mit einem spürbaren Rückgang der Meeresströmung.
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