Wie beiläufig rennt Amy an dem Balken mit den Röhrchen vorbei, schnüffelt, rennt weg, kommt zurück und setzt sich hin. Richtig wild vor Begeisterung wird die Golden-Retriever-Dame, wenn Wolfgang Gleichweit mit dem Hundekuchen kommt. "Vor allem viel Freude am Spielen und Trinken müssen sie haben", sagt der Mann über seine Hunde.
Was den Tieren Spaß macht, ist für Menschen bitterer Ernst: Sie riechen Krebszellen. Wolfgang Gleichweit, bis zur Pensionierung Ausbilder für Polizeihunde, hat in seinem steirischen Heimtort Frohnleiten die weltweit erste lebendige Screening-Station für Lungenkarzinome eingerichtet.
Bis zu 20 Mal müssen fünf trainierte Hunde an einem Röhrchen mit einer Probe Atemluft vorbeilaufen. Riechen sie etwas, bleiben sie sitzen. Je mehr Hunde sitzen bleiben, desto wahrscheinlicher ist die Probe positiv. "Wir haben jetzt eine Trefferquote von 80 bis 90 Prozent", sagt Gleichweit. Der 62-Jährige hat in seinem Berufsleben mit Sprengstoffsuchhunden die halbe Welt erschnüffelt. Schon beim Erdbeben in Armenien 1988 suchten seine Trainees nach Verschütteten.
Studie bestätigt Fähigkeit der Tiere
Dass Hunde Lungenkrebs riechen können, gilt als erwiesen, seit eine Forschergruppe der Pine-Street-Klinik in Kalifornien 2006 die Ergebnisse einer kontrollierten Studie veröffentlichte. Untersucht wurden 169 Proben, davon 86 positive von Lungenkrebspatienten und Brustkrebspatientinnen. Die Hunde lagen bei Brustkrebs in 88 Prozent der Fälle richtig, bei Lungenkrebs sogar zu 99 Prozent. Weitere Studien sind in Arbeit.
Das Problem ist: Die Qualität der Riechhunde ist nicht beliebig reproduzierbar. Nicht jeder Hund sei geeignet, räumt Experte Gleichweit ein: Am besten sind Rassen mit langen Nasen und entsprechend vielen Riechzellen. Er selbst hat Schäferhunde, Dobermänner, Labradore und Golden Retriever ausgebildet.
Für die Ausbildung gelten dieselben Regeln wie für andere Suchhunde. Der Spieltrieb der Hunde müsse im Training befriedigt werden, betont der Hundeführer. Die Belohnung danach stille den Beutetrieb. Unter Zwang kommt Verkehrtes heraus. "Auch ein Hund kann lügen", sagt Gleichweit, "aber deswegen gibt es zahlreiche Gegenproben." Die Idee zur Profi-Staffel kam ihm vor sieben Jahren in den USA, wo Hunde zur Hautkrebsfrüherkennung eingesetzt werden.
Platz in der Diagnostik-Kette noch nicht gefunden
Früherkennung ist gerade bei Lungenkarzinomen schwierig: Weiß man Bescheid, ist es oft schon zu spät - viel Raum also für sensible Schnüffler. Eine Firma mit dem Namen "Darwin" vermarktet die Spürqualitäten von Gleichweits Hunden bereits (www.lungen-krebs-finder.at). Für 98 Euro kann jeder eine Probe nach Österreich schicken und sich testen lassen.
Einen vernünftigen Platz in der Diagnostik-Kette haben die Schnauzen freilich noch nicht gefunden. Mit ihren Fehlerquoten sind Gleichweits Hunde zwar dem klassischen Lungenröntgen überlegen. An die Trefferquoten der teuren und umständlichen Bronchoskopie kommen sie aber nicht heran. Wer fürchtet, an Lungenkrebs zu leiden, könnte sich nach einem negativen Hunde-Test in falscher Sicherheit wiegen - ein Problem, das immerhin zehn Prozent der Probanden hätten.
Firmensprecher Rudolf Aichbauer empfiehlt den Patienten deshalb, sich in jedem Fall ärztlich untersuchen zu lassen, gleich ob das Ergebnis negativ oder positiv war. Warum man dann aber erst zum Hund und nicht gleich zum Arzt gehen sollte, kann auch die Firma nicht sagen.
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