Der Kulturschock, den die Aufhebung der Schengen-Grenze der deutsch-polnischen Insel Usedom beschert, zieht weiterhin Kreise. Polen, die zu Fuß den deutschen Teil erreichen wollen, müssen einen deutschen FKK-Strand passieren. Edward Zajac ein Abgeordneter der Kaczynski-Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) forderte darum bereits eine Umsiedlung der Nudisten oder alternativ Sichtblenden zum Schutz der polnischen Grenzgänger.
Längst interessiert das Thema auch das französische Fernsehen, die britische Presse, sogar chinesische Nachrichtenportale., "Deutsche und Polen im Krieg, diesmal sind sie nackt", titelte der Londoner Daily Star. In vielen britischen Berichten kamen ganz untraditionell die Polen schlechter weg - prüde nennt man sie unter anderem. Auch hätten sich deutsche Nudisten beschwert, sie würden wie "Affen" von den Polen beglotzt. "Das ist eine schlechte Werbung", sagte Robert Karelus, Sprecher der polnischen Stadt Swinouscie (Swinemünde), der konservativen Rzeczpospolita. Polen ist um das Ansehen im Ausland durchaus besorgt. Vermeiden will man weitere weltweite Witz-Schlagzeilen wie im vorigen Jahr über die Ombudsfrau Ewa Sowinska: Die Rechtspolitikerin witterte bei den Teletubbies homosexuelle Propaganda, da eine der Figuren eine Handtasche trug.
Die Bürgermeister von Ahlsfeld und Swinouscie haben sich nach Abwägung der Lage auf die Errichtung eines zweisprachigen Hinweisschildes geeinigt, damit Passanten den Nackten nicht unvorbereitet begegnen. Auf polnische Besucher wirkt die Nudisten-Kultur, ein DDR-Überbleibsel, übrigens nicht nur abstoßend: Mittlerweile haben sich zu den deutschen Nackten auch hüllenlose Polen gesellt. Das war keine Schlagzeile in der britischen Presse.
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