Normalerweise ist das Mahmoud Khalil Museum ein beschaulicher Ort am Nilufer im Kairoer Stadtteil Dokki. Auch an diesem Samstag verloren sich lediglich ein Dutzend Touristen in den kühlen Ausstellungsräumen der Villa – einige Italiener, Spanier und Russen, wie die Wächter später aussagen sollten.
In dieser Zeit muss es passiert sein: Kunsträuber schnitten das 40-Millionen-Euro teure Gemälde des niederländischen Malers Vincent van Gogh mit einem Cuttermesser aus seinem Rahmen. Das Werk von 1887 ist bekannt unter dem Titel „Mohnblumen“ oder „Vase mit Blumen“.
Den Wachen fiel der dreiste Diebstahl am hellichten Tag erst auf, als die Diebe bereits über alle Berge waren. Die Überwachungskameras seien „seit Jahren kaputt“, und keines der ausgestellten Bilder habe einen Diebstahlalarm, wie ein Angestellter zur Entschuldigung vorbrachte. Die Direktion des Museums habe immer wieder versichert, man sei auf der Suche nach Ersatzteilen, habe aber bisher keine auftreiben können.
Zunächst jedoch schien Ägypten Glück im Unglück zu haben. Erleichtert gab Kulturminister Farouk Hosni bereits am späten Samstagabend auf einer Pressekonferenz bekannt, die beiden italienischen Täter seien am Flughafen Kairo gefasst und das wertvolle Gemälde sichergestellt worden – eine Erfolgsmeldung, die er allerdings gegen Mitternacht im Fernsehen unter wortreichen Entschuldigungen wieder zurückziehen musste. Die Auskunft, die er von dem zuständigen Polizeioffizier bekommen habe, „ist definitiv falsch“, erklärte er.
Die ägyptischen Behörden fahndeten weiter nach dem unersetzlichen Kunstwerk. Das junge italienische Paar war inzwischen wieder auf freiem Fuß und konnte nach Hause reisen. Der Offizier ist seitdem untergetaucht und sein Handy abgeschaltet. Seine Kollegen sprachen dann auch von einem „peinlichen und chaotischen“ Vorgang. Das 30 mal 30 Zentimeter große Van-Gogh-Gemälde mit den roten und gelben Blumen in einer Vase wurde schon einmal 1977 aus dem kleinen Museum in Dokki gestohlen und tauchte erst Jahre später unter mysteriösen Umständen wieder auf – in Kuwait.
Der 1915 von dem ägyptischen Politiker und Kunstsammler Mohammed Mahmoud Khalil und seiner Frau Emiline Lock erbaute dreistöckige Palast enthält im Nahen Osten die wohl bedeutendste Sammlung von impressionistischer Kunst des 19. Jahrhunderts. Neben Bildern von Vincent van Gogh gehören auch Werke von Paul Gauguin, Auguste Renoir, Claude Monet sowie John Jongkind und Charles François Daubigny zu der Sammlung.
Nach dem Tod von Mohammed Mahmoud Khalil im Jahr 1953 wohnte seine Familie noch bis 1960 in dem Gebäude. Seine Frau verfügte dann in ihrem Testament, Palast und Kunstsammlung sollten künftig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. So wurde der Familiensitz zu einem Museum umgebaut und am 23. Juli 1962 feierlich eröffnet.
Neben den 208 Gemälden gibt es auch eine große Sammlung wertvoller Vasen aus China, Japan, Frankreich und dem Iran. Ausgestellt sind zudem Skulpturen aus Bronze, Marmor und Gips von Bildhauern wie Auguste Rodin, Jean-Baptiste Carpeaux, Louis Antoine Barye und Charles Cordier. Nach Angaben des staatlichen ägyptischen Informationsservices beträgt der Gesamtwert der Sammlung rund eine Milliarde Euro.
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