Panorama
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

27. April 2011

Verschuldetes Griechenland: Liebe in der Krise

 Von Gerd Höhler
Szene aus dem Film "My Big Fat Greek Wedding". Foto: REUTERS

Die Scheidungsrate in Griechenland sinkt seit der Wirtschaftskrise des Landes deutlich. Der Grund ist profan: Trennungen kosten einfach zu viel Geld.

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Schuldenkrise und Rezession haben die Lebens- und Konsumgewohnheiten der Griechen verändert: Weil die Einkommen wegen der drakonischen Sparpolitik der Regierung seit dem vergangenen Jahr um bis zu 30 Prozent geschrumpft sind, müssen die meisten Griechen inzwischen erhebliche Abstriche bei den Ausgaben machen. Doch es scheint, als schweiße die Krise auch viele Familien zusammen, denn die Zahl der Ehescheidungen, die in den vergangenen Jahren ständig anstieg, geht jetzt deutlich zurück.

Das Standesamt in der Hauptstadt Athen meldet seit 2010 einen Rückgang der Scheidungen um 25 Prozent. Selbst wenn eine Ehe zerrüttet ist, bleiben die Partner jetzt häufiger zusammen – weil sie die mit einer Scheidung verbundenen Kosten für getrennte Haushalte vermeiden wollen.

Kein Friseur, keine Taverne

Dass die Krise die Griechen verändert, zeigt auch eine Umfrage der Athener Wirtschaftsuniversität: 83 Prozent der Befragten sagen, dass sie beim täglichen Einkauf zu billigeren Waren greifen und größere Anschaffungen zurückgestellt haben. In den Supermärkten bleiben die teuren Bio-Produkte in den Regalen liegen. Umsatzrückgang: rund 20 Prozent. Jede dritte Griechin geht seltener zum Friseur, 50 Prozent verzichten auf Tavernenbesuche. Vier von zehn Griechen müssen nach eigener Aussage sogar beim Kauf von Grundnahrungsmitteln sparen – kein Wunder, sind doch immer mehr Familien mit Arbeitslosigkeit konfrontiert. Allein im März gingen in Griechenland rund 23.000 Arbeitsplätze verloren.

Ein neues Auto? Daran wagen viele Griechen nicht mehr zu denken. So sind die Neuwagenzulassungen gegenüber 2009 um mehr als die Hälfte eingebrochen. Während die Verkäufer in den Autosalons Däumchen drehen, haben die Fahrradhändler gut zu tun. Im nordgriechischen Thessaloniki meldet die Branche 50 Prozent mehr Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr. Auch die horrenden Benzinpreise, die wegen mehrerer Steuererhöhungen binnen eines Jahres von 1,20 Euro auf rund 1,80 Euro pro Liter gestiegen sind, veranlassen viele Griechen, das eigene Auto stehen zu lassen und Verkehrsmittel wie die Bahn oder den Überlandbus zu wählen.

Übrigens: Nicht nur bei den Scheidungen sparen die krisengeplagten Griechen sondern auch bei den Hochzeiten: immer mehr Paare verzichten auf die prunkvolle, aber kostspielige kirchliche Eheschließung und begnügen sich mit einer preiswerten standesamtlichen Trauung.

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