Die Deutschen dürften ihre Skepsis gegenüber der Schutzimpfung gegen die Neue Grippe in Kürze aufgeben - das ist die Prognose von Fachleuten nach den neuerlichen Todesfällen. "Ich befürchte nur, dass viele Menschen zu spät aufwachen", erklärte der Virologe Uwe Gerd Liebert in einem Interview: "Wer sich erst nach Weihnachten impfen lässt, der läuft Gefahr, auf dem Höhepunkt der Grippesaison zu spät zu kommen", sagte er der Leipziger Volkszeitung.
Ein wirksamer Schutz trete erst nach drei Wochen ein. Derweil breitet sich das Virus in Deutschland rascher aus. Die Zahl der Schweinegrippe-Toten war vor dem Wochenende von drei auf sechs gestiegen. Bundesweit erstmals ist auch ein Mensch ohne bekannte Vorerkrankungen an den Folgen der Neuen Grippe gestorben. Die 48-jährige Frau aus dem Rhein-Sieg-Kreis hinterlässt vier Kinder und einen Ehemann. Ihre gesamte Familie ist unter Quarantäne gestellt worden. Nach Angaben des Gesundheitsamtes sind auch die Angehörigen der Toten infiziert.
Auch der Virologe Michael Pfleiderer rechnet damit, dass die Impfmüdigkeit der Deutschen bald verschwinden wird. "Ich weiß, dass die Stimmung über Nacht umschlägt, sobald wie jetzt in den USA die Zahl der Schwerkranken steigt und die Krankenhausbetten knapp werden", sagte der Impfstoff-Experte vom Paul-Ehrlich-Institut der Wirtschaftswoche. Bislang sind in Deutschland mehr als 25.000 erkrankte Menschen registriert worden.
Das Institut präsentierte Daten aus einem Bericht aus Schweden, wo die Menschen schon seit dem 12. Oktober geimpft werden. Demnach entsprechen die Nebenwirkungen denen, die auch in den Zulassungsstudien vorkamen: unter anderem Kopf- und Gelenkschmerzen, Fieber und Mattigkeit. Beachtenswert sei die Meldung von allergischen Reaktionen bei 37 Patienten.
Bundesweit gibt es weniger Impfstoff als geplant. "Am Anfang hat sich das Impfstoff-Saatvirus nicht so gut vermehren lassen wie erwartet", sagte eine Sprecherin des Hersteller GlaxoSmithKline. Es zeichne sich ab, dass die im Juli anvisierte Zahl von bundesweit 8,3 Millionen Impfdosen monatlich deutlich unterschritten werde. Mittlerweile sei die Herstellung verbessert worden.
Weltweit sind nach jüngsten Zahlen des EU-Seuchenzentrums ECDC mehr als 6000 Menschen an der Neuen Grippe gestorben, davon rund 300 in Europa und 1000 in den USA. (dpa/jkh)
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