Kairo/Washington. Die ägyptische Regierung hat wegen der Schweinegrippe die Keulung aller Schweine angeordnet. Die Anordnung gelte ab sofort, sagte Gesundheitsminister Hatem al-Gabali am Mittwoch der amtlichen Nachrichtenagentur Mena.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wiederholt erklärt, der Verzehr von Schweinefleisch stelle kein Risiko dar. Trotzdem haben einige Staaten ein Einfuhrverbot für Schweinefleisch aus den beiden besonders stark betroffenen Staaten Mexiko und USA verhängt. Die Welthandelsorganisation WTO teilte mit, offiziell sei sie bislang nicht von solchen Maßnahmen informiert worden.
Interaktive Grafik: Ausbreitung der Schweinegrippe
Das Robert-Koch-Institut (RKI) informiert über die Telefonnummer 030/187544161 über das neue Influenzavirus. Die Nummer ist montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr erreichbar.
Das Gesundheitsministerium schaltet ab Mittwoch (29. April, 9 Uhr) die Telefonnummer 01805/996619 frei. Die Experten sind dort von montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Am Freitag ist die Leitung von 8 bis 12 Uhr besetzt .
Die US-Regierung hat am Mittwoch unterdessen den ersten Todesfall durch die Schweinegrippe bestätigt. Dabei handele es sich um ein 23 Monate altes Kind in Texas, sagte ein Regierungsvertreter in Washington. Es ist der erste Todesfall dieser Krankheit außerhalb Mexikos.
Die Eltern brachten das Kind von Mexiko nach Houston in Texas, um es dort in einem Krankenhaus behandeln zu lassen, sagte eine Sprecherin der städtischen Gesundheitsbehörde am Mittwoch dem Sender CNN. Demnach starb das Kind bereits am Montag.
Insgesamt sind in den USA nach Angaben der US-Seuchenbehörde vom Dienstag bisher 64 Menschen an der Schweinegrippe erkrankt. Für den Mittwoch wurde die Veröffentlichung neuer, höherer Zahlen erwartet. In New York gibt es nach Einschätzung der Behörden deutlich mehr Fälle von Schweinegrippe als bisher bekannt.
Unterdessen kündigte die französische Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot an, sie werde die Europäische Union am Donnerstag zur Aussetzung aller Flüge nach Mexiko auffordern.
Erkrankungen auch in Deutschland und Österreich
In Deutschland ist die Schweinegrippe mittlerweile auch angekommen. Bisher sind drei Menschen daran erkrankt. Bei einer 22 Jahre alten Frau in Hamburg, einer 37-jährigen Frau aus Kulmbach sowie einem Mann, der in Regensburg behandelt werde, hätten sich die Verdachtsfälle bestätigt, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch in Berlin mit.
Bei den Betroffenen handle es sich um Mexiko-Rückkehrer. Daneben würden derzeit weitere Verdachtsfälle aus unterschiedlichen Bundesländern untersucht. Für die Bevölkerung gebe es nach wie vor "keine allgemeine Gefährdung" durch die Schweinegrippe.
Die österreichischen Gesundheitsbehörden haben am Mittwoch den ersten Fall einer Schweinegrippe-Erkrankung in der Alpenrepublik offiziell bestätigt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums handelt es sich um eine 28-jährige Frau, die sich bei der Rückreise von Guatemala nach Wien bei einem Zwischenstopp in Mexiko mit dem mutierten H1N1-Virus infiziert hat.
Die Frau, der es den Umständen entsprechend gut gehen soll, liegt in einer Wiener Klinik auf der Isolierstation. Nach Angaben des Ministeriums haben sich die am Dienstag bekanntgewordenen vier anderen möglichen Schweinegrippe-Infektionen als Fehlalarm herausgestellt.
Söder warnt in Bayern vor Panik
Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder hat trotz der bestätigten Schweinegrippe-Fälle in Deutschland vor Panikmache gewarnt. Eine in Bayern lebende erkrankte Frau sei inzwischen wieder genesen, einem infizierten Mann aus Regensburg gehe es besser, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch in München.
"Beide Fälle bestätigen uns zwar, dass die Lage sehr ernst ist", ergänzte Söder. Trotzdem gelte es jetzt, vernünftig und besonnen zu handeln. Die Kontaktpersonen der beiden Kranken seien ermittelt worden und würden nun ärztlich überwacht. Dem Minister zufolge gibt es in Bayern aktuell insgesamt vier weitere Verdachtsfälle.
In Bayern sind für 20 Prozent der Bevölkerung Medikamente wie Tamiflu und Relenza für den Notfall eingelagert. Darüber hinaus verfügen auch Krankenhäuser und Apotheken über die antiviralen Medikamente.
Weitere Fälle möglich
Jeweils einen Verdachtsfall gibt es im Raum Donauwörth und im Raum Kulmbach, sowie drei in Nordrhein-Westfalen und einen in Hamburg.
Bis zum Mittag soll in der Hansestadt feststehen, ob eine im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) behandelte Frau mit dem mutierten Virus aus Mexiko infiziert ist.
Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" war bei ihr der Virus-Subtyp H1N1 nachgewiesen, zu dem außer dem Schweinegrippe-Erreger auch der der aktuell zirkulierende gewöhnliche Grippe gehört. Jeweils drei Verdachtsfälle gibt es außerdem in Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Die Patientin war am Wochenende aus Mexiko eingetroffen. Der Virologe Stephan Günther vom Hamburger Tropeninstitut nannte den Verdacht in der Hansestadt "hochgradig". "Sie passt in das Raster".
Sie sei nach ihrer Ankunft im Krankenhaus isoliert und eingehend untersucht worden. Die junge Frau sei sofort mit den entsprechenden Medikamenten behandelt worden. Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut.
Einer der drei Betroffenen aus Nordrhein-Westfalen lebt nach Behördenangaben im Sauerland. Er sei schon vor Wochen aus Mexiko zurückgekehrt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Düsseldorf. "Da die formalen Kriterien eingehalten werden müssen, wurde der Mann gemeldet."
Schnelltest bei Ehepaar aus Recklinghausen ist negativ
Im Kreis Recklinghausen steht ein am Montag aus Cancún in Mexiko heimgekehrtes Paar unter Quarantäne. Ein Schnelltest sei allerdings bereits negativ ausgefallen, sagte die Leiterin des Gesundheitsamtes, Ulrike Horazek.
Bei drei neuen Verdachtsfällen auf Schweinegrippe handelt es sich um Mexiko-Rückkehrer, die in Süddeutschland leben, wie der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, am Dienstag in Berlin mitteilte. Zwei der Erkrankten gehe es gut, der dritte zeige eher "influenzafremde" Symptome. Weitere Details wollte Hacker zunächst nicht nennen. Bei den drei Verdachtsfällen aus Nordrhein-Westfalen sei endgültig bestätigt, dass sich nicht um die Schweinegrippe handle.
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