Die Auseinandersetzungen zwischen Vogelschützern und Jägern auf der Mittelmeerinsel Malta nehmen an Schärfe deutlich zu: Jäger machen Jagd nicht nur auf Vögel, sondern griffen Teilnehmer des diesjährigen Frühlingscamps europäischer Vogelschützer an.
Dabei wurden ein italienischer und ein maltesischer Vogelbeobachter auf einer Landstraße ohne ersichtlichen Grund von Jägern ins Gesicht geschlagen und, daraufhin am Boden liegend, in den Bauch getreten. Eine Kamera der Birdwatcher wurde von den Jägern, die Waffen bei sich hatten, entwendet, von der Polizei allerdings wieder beschafft.
Birdlife Malta berichtet zudem von weiteren Fällen, in denen Vogelschützer bedroht und beschimpft wurden. Unter anderem wurde die Heckscheibe eines Autos zerschossen. Überdies signalisieren mit Hakenkreuzen und Särgen auf Mauern und Tafeln gemalte Sprüche, dass die Vogelschützer auf der zur EU gehörenden Insel unerwünscht sind, vor allem die aus Deutschland kommenden. Der Präsident von Birdlife Malta, Joseph Mangion, sagte, die 50 Teilnehmer des Camps wollten das Treiben der Jäger lediglich beobachten und gegebenenfalls den Behörden melden. Dabei seien sie "konstanten Attacken" durch die Jäger ausgesetzt.
Damit droht die diesjährige, auf sechs Tage beschränkte Saison der Jagd auf Turteltauben und Wachteln, die am Samstag beginnt, zu eskalieren. Dabei hatte der Europäische Gerichtshof die Frühjahrsjagd für ungesetzlich erklärt. Darüber hat sich Maltas Regierung hinweggesetzt und riskiert nun Strafen der EU, auch wenn die Regierung Auflagen erteilt hat. So ist der Abschuss von höchstens zwei Vögeln pro Tag und maximal drei Vögeln pro Lizenz erlaubt. Wer mehr schießt, riskiert den Verlust der Lizenz und Geldstrafen. Auf Malta haben 18 000 der 410 000 Einwohner eine Jagderlaubnis, doch es kommen einige Tausend illegale Jäger hinzu.
Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat erneut gegen die lizensierte Jagd protestiert und befürchtet den illegalen Abschuss seltener Vogelarten. Birdlife Malta kritisiert seit Jahren, dass die Jagdüberwachung der Behörden nicht funktioniere.
Oft dauere es mehr als eine Stunde, bis die offizielle Streife erscheine, die Täter seien dann längst entwischt. Bereits nach einer Woche zählten die Teilnehmer des Camps in diesem April fast 800 illegale Schüsse auf Vögel. Die Lage werde mit Beginn der offiziellen Jagd restlos unübersichtlich, weil zwischen erlaubter Jagd auf Wachteln sowie Tauben und den Schüssen auf andere Vögel kaum unterschieden werden könne, sagt Birdlife-Aktivist Geoffrey Saliba.
Dabei haben es die Jäger häufig auf die in diesen Tagen aus Afrika zurückkehrenden Greifvögel abgesehen, die sie aus Lust am Schießen oder wegen der Trophäe vom Himmel holen. Die Vogelschützer haben auf ihrer Homepage angeschossene Turmfalken, Rohrweihen oder Wespenbussarde dokumentiert. Ein Film der Ornithologen zeigt den Flug der seltenen Steppenweihe, die mit zerschossenem Flügel über der Insel kreist. Als besonders schlimm gilt der Abschuss eines Schreiadlers im Herbst 2008: Diese Art ist in Deutschland vom Aussterben bedroht.
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