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Vulkanausbruch in Island: Teurer Trip zum Feuerberg

Der aktive Vulkan in Islands Süden zieht Tausende Touristen an - und nicht wenige bringen sich dabei in Gefahr. Von Hannes Gamillscheg

Der Vulkan Fimmvorduhals spuckt Lava.
Der Vulkan Fimmvorduhals spuckt Lava.
Foto: afp

Mit dem Slogan "heiße Reisen zum aktiven Vulkan" lockt die isländische Fluggesellschaft "Icelandair" Abenteuertouristen auf die nordatlantische Insel. Dort stehen Fremdenführer bereit, um die Neugierigen zu Fuß, per Schneescooter oder im Hubschrauber zu den Lavaströmen zu geleiten, die sich seit einer Woche vom Bergpass Fimmvörduhals ins Tal wälzen. Und Tausende trotzen dem eisigen Wetter und den Warnungen vor giftigen Dämpfen und bestaunen das Naturschauspiel, das den Abendhimmel rot färbt und die Lava sechs Kilometer hoch gen Himmel schleudert.

Der zwischen den Gletschern Eyjafjalla und Myrdal ausgebrochene Vulkan hat der von der Finanzkrise gebeutelten Inselrepublik eine neue Attraktion beschert - und die findigen Isländer zögern nicht, sie auszunützen. "Das ist die kleinste, aber auch die coolste Eruption, die ich je erlebt habe", strahlt Benedikt Bragason, dessen Reisebüro dreimal täglich Gruppen von 20 bis 40 Touristen auf Motorschlitten zum Vulkan bringt. Eine Stunde hin, eine zurück, und eine Stunde Schauen: macht 345 Euro pro Person.

Wer es sich leisten will, kann einen Platz in Kleinflugzeugen und Hubschraubern buchen, um den Blick von oben in den Krater zu genießen. Die übrigen müssen die 30 Kilometer vom letzten Parkplatz bis zur Sperrzone wandern. Das ist angesichts eines Höhenunterschieds von 1100 Metern eine Strapaze von fünf bis sechs Stunden pro Weg. Doch: "Das ist es wert", wie dick vermummte Begeisterte versichern.

Warnung vor giftigen Dämpfen

Viele kommen allerdings völlig unvorbereitet. Am Berg hat es 20 Grad minus und es stürmt, die Rettungsmannschaften mussten schon Touristen in Jeans und Lederjacke ausfliegen, die unterkühlt und mit Erfrierungen Erste Hilfe benötigten. Bei der Notlandung eines Segelgleiters wurde zwar niemand verletzt, der Flieger aber völlig demoliert. Die lokale Polizei sperrte zeitweilig den Zugang zur Gletscherzone wegen schlechten Wetters und warnte die Besucher vor giftigen Dämpfen und großen Aschemengen.

Wer die Eruption noch erleben möchte, muss sich sputen. Der Vulkan speit pro Sekunde 20 bis 30 Kubikmeter Lava aus, die in verschiedenen Kanälen mit sechs Stundenkilometer Geschwindigkeit aufs Tal zuströmt. Der Fluss bei Hraugil, der sonst mit eiskaltem Schmelzwasser des Gletschers gefüllt ist, ist durch die Lava auf 29 Grad erwärmt und wirkt wie eine Thermalquelle. Ein Bad ist dennoch nicht zu empfehlen: "Da ist so viel Asche drin, dass der Badende schwarzer raus käme als er rein ging", warnt "Islandsbloggen". Ein 200 Meter hoher Lavafall ist höher als Islands höchste Wasserfälle. Wer den Ausbruch nicht vor Ort erleben kann oder will, kann ihm von zahlreichen Webkameras folgen, etwa unter www.mila.is.

Doch der Vulkanologe Haraldur Sigurdsson hat einen leichten Rückgang der Aktivität gemessen und nimmt an, dass der Höhepunkt für diesmal überschritten ist. Auf Island fürchtet man allerdings, dass der Ausbruch am Eyjafjallajökull nur eine weit größeren Eruption des nahe gelegenen Vulkans Katla ankündigt. Dieser ist seit dem ersten überlieferten Ausbruch im Jahr 930 durchschnittlich alle 40 bis 80 Jahre übergeströmt, letztmals war er 1918 aktiv. Der Katla ist von einem dicken Gletscher bedeckt, und wenn die enormen Eismengen schmelzen, stürzt das Wasser in einem "Jökulhlaup" (Gletscherlauf) mit gigantischer Kraft Richtung Meer. Das Dorf Vik im Myrdal ist dann in Gefahr, völlig zerstört zu werden. Aufzeichnungen aus dem Jahr 1721 berichten von einer Tsunami-gleichen Welle, die sich auf die Westmänner-Inseln zuwälzte, dort von den Felswänden zurückgeschlagen wurde und dabei große Landstriche in Südisland überflutete. Dann wären die Naturkräfte kein touristisches Schauspiel mehr, sondern eine Katastrophe.

Autor:  Hannes Gamillscheg
Datum:  29 | 3 | 2010
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