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Walfang: Japan international unter Druck

Wegen seiner Gier auf das Fleisch von Walen, Delfinen und Tunfischen gerät Japan international unter Druck. Jetzt haben sich Australien und die EU eingeschaltet. Von Martin Fritz

Japan gerät unter internationalen Druck.
Japan gerät unter internationalen Druck.
Foto: dpa

Wegen seiner Gier auf das Fleisch von Walen, Delfinen und Tunfischen gerät Japan international unter Druck. Australien hat nun ultimativ von Japan verlangt, seinen sogenannten wissenschaftlichen Walfang im Südpazifik ab Herbst einzustellen. Andernfalls werde man Japan vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verklagen.

Die Europäische Kommission will den Handel mit dem atlantischen Blauflossenthun verbieten, der wegen Überfischung im Mittelmeer auszusterben droht. Sein Fang wird zu 80 Prozent in Japan als Sushi und Sashimi verspeist.

Dessen ungeachtet beharrt Japan darauf, diese Tiere zu jagen und zu verzehren. Dieser Anspruch sei vor allem ideologisch motiviert, meinen ausländische Beobachter.

Australiens neue Regierung hält Japans Argument, der Walfang diene der Forschung, für vorgeschoben. Daten ließen sich auch ohne Tötungen sammeln. Mit Fotos vom Abschuss einer Walmutter und ihrem Jungen will Australiens Premier Rudd die Klage in Den Haag untermauern.

Bis zu 850 Wale werden von Japan aus dem Pazifik gefischt

Bei einem Treffen in Perth am Sonntag verurteilten sein Außenminister Stephen Smith und dessen japanischer Amtskollege Katsuya Okada zwar die Zusammenstöße zwischen Walfängern und Tierschützern im Südpazifik, bei denen Wasserkanonen und Buttersäure eingesetzt werden. Doch Smith bekräftigte seine Drohung, was Okada "bedauerlich" fand. In Tokio betonte ein Regierungssprecher, der Walfang sei durch internationales Recht gedeckt. Japan "erntet" jährlich bis zu 850 Minke-Wale im Südpazifik.

Auch die weltweite Empörung über die Delfinmassaker vor seinen Küsten hat Japan bisher ignoriert. Allerdings dürfte es für Tokio peinlich werden, falls "Die Bucht", der Film des früheren Flipper-Trainers Rick O’Barry, am 7. März den Oscar als bester Dokumentarfilm gewinnt. Diese Chance ist gewachsen, nachdem der heimlich gedrehte Film am Wochenende von der "Writers’ Guild of America" den Preis für das beste Drehbuch erhalten hat.

Japaner wissen nichts vom Delfine abschlachten

Viele Japaner wissen nicht, dass ihre Fischer jährlich 20 000 Delfine abschlachten, weil die Medien dies totschweigen. Als "Die Bucht" kürzlich beim Filmfestival in Tokio gezeigt wurde, reagierten japanische Kinobesucher schockiert. Japanische Forscher haben zudem bei Haaruntersuchungen von 50 Bewohnern der Delfin-Fischer-Stadt Taiji überhöhte Quecksilberwerte festgestellt, offenbar weil sie zu viel Delfinfleisch essen.

Selbst beim überfischten Blauflossenthun zeigt Japan keine Einsicht. Die EU-Kommission will ihren Mitgliedsstaaten ein globales Handelsverbot vorschlagen. Darüber würde bei der nächsten Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) im März in Doha (Katar) abgestimmt.

Doch Japan will ein solches Importverbot, für das eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist, ignorieren. "Das ist eine Grundsatzfrage", meinte Verhandlungsführer Masanori Miyahara. Japan befürchtet, dass der Handel mit dem Roten Tun dauerhaft verboten bleibt. Stattdessen soll die Kommission für die Erhaltung des atlantischen Thuns (Icat) den Handel mit dem begehrten Fisch überwachen. Offenbar wollen sich Japans Gourmets ihr Sushi noch so lange uneingeschränkt schmecken lassen, bis diese besonders leckere Thunfisch-Art aus dem Mittelmeer verschwunden ist.

Autor:  Martin Fritz
Datum:  22 | 2 | 2010
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