Der Jahreswechsel steht vor der Tür, aber wer darf die Feuerwerkskörper zu Silvester eigentlich kaufen?
Die meisten Produkte sind von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in die Klasse „PII“ eingeteilt worden. Und die dürfen nur von Personen über 18 Jahren gekauft werden. Für Kinder ab zwölf Jahren gibt es dann spezielles Kinderfeuerwerk.
Wie kann ich dabei erkennen, ob der Feuerwerkskörper sicher ist?
Innerhalb der Europäischen Union gilt mittlerweile das einheitliche europaweite CE-Zulassungszeichen für Feuerwerkskörper. In Deutschland müssen Feuerwerkskörper zusätzlich mit einem BAM Kennzeichen versehen sein. Von selbst gebauten Krachern oder ungeprüften Importen raten Experten dringend ab.
Stimmt es, dass es neue Bestimmungen im Rahmen der EU-Harmonisierung gibt?
Das Sprengstoffgesetz wurde in diesem Jahr geändert und Deutschland hat sich an das europäische Ausland angepasst. So wurde beispielsweise das Satzgewicht einer Batterie von 250 auf 500 Gramm erhöht. Bei Vulkanen von 100 auf 180 Gramm. Nur die Raketen bleiben bei 20 Gramm.
Sind diese Feuerwerkskörper dieses Jahr besonders angesagt?
Absolut, vor allem die neuen Batterien mit 500 Gramm Satzgewicht, die sogenannten Cakeboxen, sind ein echter Verkaufsschlager. „Es gibt einen Run auf neue Effekte“, sagt Chris Fritsche vom Feuerwerksladen Frankfurt und die Boxen bieten eine Menge davon. „Auch Vulkane gehen sehr gut in diesem Jahr.“ Das Einzige, was Fritsche sehr verwundert, ist, dass die Böller leiser geworden sind.
Ab wann darf denn geknallt werden?
An Silvester von 18 Uhr bis Neujahr um 7 Uhr. Verboten ist das Knallen jedoch in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen. Auch in einigen Altstädten, in Hessen sogar landesweit, herrscht ein striktes Böllerverbot.
Und wie feuere ich meine Feuerwerkskörper dann richtig ab?
Raketen sollten nur aus standsicheren Rohren oder Flaschen abgefeuert werden. Außerdem dürfen die Lenkstäbe nicht verkürzt oder entfernt werden. Ist eine Rakete nicht explodiert, sollte sie nie aufgehoben oder erneut angezündet werden. Explosionsgefahr besteht auch beim Trocknen oder Aufwärmen von Blindgängern. Vor dem Anzünden sollte man auch immer die Gebrauchsanweisungen lesen. Auch bietet es sich an, mit Kindern den richtigen Umgang mit Feuerwerkskörpern zu üben.
Aber was mache ich, wenn sich doch jemand verletzt?
Die betroffene Stelle sollte man am besten mindestens 20 Minuten lang unter fließendem kalten Wasser kühlen. Bei größeren Brandverletzungen, oder wenn Blasen auftreten, sollte sofort der Notarzt gerufen werden. Falls es möglich ist, sollten Wunden steril verbunden werden. Stoffreste, Splitter und Ähnliches, sollten auf keinen Fall aus der Wunde entfernt werden, da die Gefahr besteht, dass der Schaden so nur größer wird.
Manche lernen es ja nie. Ist dieses Jahr schon was passiert?
Natürlich. Am Dienstagabend hat sich ein 22-Jähriger in Oberschöne bei Freiberg schwer am Arm verletzt, weil Feuerwerkskörper in seinem Zimmer explodierten. Durch die starke Detonation ist das Zimmer unbewohnbar geworden, auch der sich darüber befindende Raum wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Polizei beziffert den Sachschaden nach ersten Schätzungen auf 20 000 Euro.
Große Aufregung auch in Berlin. Dürfen eigentlich Hartz-IV-Empfänger böllern?
Ist gerade wohl nicht viel los in der Welt, da verschaffen sich die Hinterbänkler im Bundestag Gehör. „Arbeitslosengeld, das vom Staat bezahlt wird, sollte jedenfalls nicht in Raketen und Blitzknaller verschleudert werden“, findet Cornelia Seibeld, die rechtspolitische Sprecherin der CDU. Auch der FDP Fraktionsvize Björn Jotzo will wissen, dass so mancher Hartz-IV-Empfänger viel Geld für Feuerwerk zahlt, „obwohl er doch eigentlich sehr sparsam sein müsste“.
Gibt es auch seriöse Vorschläge? Wie vermeide ich große Müllberge und wo und wie entsorge ich den Böllermüll richtig?
Man sollte darauf achten, dass Knaller und Raketen einen möglichst hohen Papieranteil haben und wenig Plastik oder Aluminium enthalten. Grundsätzlich gehören Böllerreste in den Hausmüll. Verantwortlich für die Entsorgung ist der Verursacher, auch wenn mancherorts die Stadt die Straßenreinigung übernimmt. Aufräumen sollte man bei der derzeitigen Wetterlage recht zügig, da Schmelz- und Regenwasser sonst Chemikalien aus dem Müll ins Grundwasser spült.
Was kann ich an Silvester der Umwelt noch Gutes tun?
113 Millionen Euro gaben die Deutschen 2009 für Feuerwerk aus. Wer etwas für die Umwelt tun möchte, sollte sein Geld sparen und Sektkorken knallen lassen. Auch auf das Bleigießen sollte man verzichten, beim Erhitzen des Bleis wird giftiges Bleioxid freigesetzt. Das kann durch die Atemluft direkt in den Körper gelangen. Alternativ liefern Bienenwachs, Spielkarten oder der gute alte Kaffeesatz verlässliche Vorhersagen.
Man hört auch immer noch den Spruch: „Brot statt Böller“.
2,99 Euro spendet jeder an die Organisation „Brot für die Welt“, der sich das „virtuelle Feuerwerk“ von der Apple-Internetseite iTunes auf sein Handy oder den Computer herunterlädt. Im Rahmen ihrer traditionellen Aktion „Brot statt Böller“ ruft die Organisation zu Spenden für notleidende Menschen auf. ( mit dpa/dpad/afp)
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