Wenn der durchschnittliche Amerikaner an Washington DC denkt, dann denkt er wohl zu allerletzt an Sex. Für die meisten Amerikaner ist die Hauptstadt ungefähr so aufregend wie einst für Deutsche Bonn. DC, das ist der Schulausflug in der zehnten Klasse, das sind protzige Regierungsgebäude, Denkmäler und Museen, Ämter und Beamte. Woran man bei DC hingegen bestimmt nicht denkt, ist ein Liebeswochenende mit dem Partner.
Das, so hat die Vermarktungsagentur der US-Hauptstadt beschlossen, soll sich jetzt jedoch ändern. Rechtzeitig zum Valentinstag möchte die derzeitige Heimat der Obamas Turteltäubchen in die Hauptstadt locken. Dafür gibt die Stadt 200000 Marketingdollar aus und hat sogar eine "Ministerin für Liebe und Beziehungen" ernannt: Dr. Ruth Westheimer, die es in den 80er Jahren mit ihren Aufklärungs- Sendungen in den USA gesellschaftsfähig gemacht hat, offen über Dinge wie Orgasmen und Masturbation zu reden. Jetzt soll die 81-jährige "Dr. Ruth" - wie die 1956 eingewanderte Tochter eines im KZ ermordeten oberhessischen Juden liebevoll genannt wird - den Sex auch nach Washington bringen.
Auf den ersten Blick ist das Projekt ein Witz. Doch der Versuch, DC als Liebesnest zu verkaufen, hat keine schlechten Chancen. Denn dass das einzig Erotische an Washington die Macht ist, trifft schon lange nicht mehr zu. Schon bevor die Obamas und mit ihnen eine neue Polit-Generation einzogen, wurde Washington langsam eine junge Großstadt, in der man richtig Spaß haben kann.
Die Verjüngung der Stadt, so schätzt Chris Gieckel vom Washingtoner Fremdenverkehrsamt, begann vor zehn Jahren. Dazu beigetragen hat ein Prozess, der sich in vielen US-Städten vollzog. Nach der Stadtflucht der 70er Jahre wurde es wieder schick, in die Innenstädte zu ziehen - so auch nach Washington. Die zuvor nach Dienstschluss wie ausgestorbene Innenstadt wurde lebendig - eine junge Boheme siedelte sich an, angezogen auch von den Museen rund um den Regierungsbezirk und der Kunstszene, die sich in deren Umkreis ausbreitete. Es entstand ein Nachtleben jenseits der schummerigen Zigarrenbars, wo sich die Politiker trafen. Durch die Obamas wurde DC dann endgültig cool. Hunderttausende von Obama-Anhängern kamen zur Inauguration des Präsidenten in die Stadt, feierten hier tagelang ausgiebig und erzählten dann zuhause von Kneipen, Clubs und Restaurants, die so viel interessanter waren, als sie je geglaubt hätten.
Auf die Idee, DC zu einer Destination für Liebespaare zu machen, hat die Stadtvermarkter jedoch das erste Paar der Nation gebracht. Die Angewohnheit der Obamas, für einen Abend im Monat die Weltpolitik zu vergessen und in einem eleganten Restaurant einen romantischen Abend zu verbringen, zeigte Gieckel und seinen Kollegen ein ganz neues Potenzial ihrer Stadt auf.
Jetzt können Pärchen in Designerhotels "Liebespakete" buchen, Champagnercocktails, Massagen und eine Rose auf dem Bett inklusive. Ein "Date Concierge" bucht gerne ein Candlelight-Dinner und gibt Tipps für verliebte Unternehmungen - ein Picknick im Atrium der Nationalgalerie, ein Mondscheinspaziergang zwischen den Nationaldenkmälern, ein Ausflug zur Flusspromenade, wo im Frühjahr die Kirschbäume blühen.
Und Dr. Ruth? Die tritt vor allem auf der Webseite der Stadt in Erscheinung und erklärt Besuchern und Einwohnern, wie gesund es ist, sich für ein Wochenende ganz der Liebe zu überlassen. "Kommen Sie nach Washington, bringen Sie Ihren Partner mit oder gehen Sie ins Museum und lernen hier jemanden kennen." Und wenn man die Augen schließt, meint man fast, ihren derben hessischen Akzent zu hören. Sexy.
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.