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05. Januar 2013

Wegen Körperverletzung angeklagt: Heilbronner Klinik entlässt Skandalarzt

Die SLK-Kliniken in Heilbronn haben einen Arzt entlassen, der in den Niederlanden wegen Körperverletzung angeklagt ist. Foto: dpa

Ein Heilbronner Krankenhaus entlässt einen in den Niederlanden wegen Körperverletzung angeklagten Arzt. Dem Mediziner wird in Holland schwere Körperverletzung in mindestens 21 Fällen vorgeworfen. In Heilbronn soll der Mann keine Patienten geschädigt haben.

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Ein Krankenhaus in Heilbronn hat einen in den Niederlanden wegen Körperverletzung angeklagten Skandalarzt entlassen. Die Zusammenarbeit mit dem Mann sei mit Bekanntwerden der Vorwürfe am Freitag nach knapp zwei Jahren beendet worden, teilte der Geschäftsführer der SLK-Kliniken Heilbronn, Thomas Jendges, am Samstag mit. Er sei „überrascht und geschockt“ gewesen, als er aus niederländischen Medien von den Vorwürfen gegen den 67-Jährigen erfahren habe. Es soll sich dabei um den größten medizinischen Strafprozess in der Geschichte der Niederlande handeln.

Das wichtigste sei aber zunächst, dass der Mann im Südwesten nichts angerichtet habe: „Das Klinikum schließt derzeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus, dass Patienten in Heilbronn geschädigt wurden“, sagte Jendges. Als Assistenzarzt habe er immer unter der Aufsicht des Oberarztes oder des Chefarztes gearbeitet. Auch als Stationsarzt habe er keine Eingriffe vorgenommen oder für Patienten kritische Therapien eingeleitet.

Schwere Körperverletzung in mindestens 21 Fällen

Dem 67 Jahre alten Mediziner wird in Holland schwere Körperverletzung in mindestens 21 Fällen vorgeworfen. Er soll von 1998 bis 2003 im Krankenhaus in Enschede bei Dutzenden Patienten unheilbare Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson festgestellt haben. Sie waren zum Teil jahrelang mit schweren Medikamenten behandelt worden. Ein Patient habe Selbstmord begangen, nachdem bei ihm fälschlicherweise Alzheimer festgestellt worden war.

Bei mindestens 13 Patienten sollen aufgrund der falschen Diagnosen unnötig Gehirnoperationen ausgeführt worden sein. „Bei einem Mann wurde 12,5 Zentimeter Hirngewebe entfernt“, sagte Anwalt Yme Drost, der rund 200 mögliche Opfer vertritt.

Politiker, und Verbände von Ärzten und Patienten in den Niederlanden reagierten fassungslos: Es sei unvorstellbar, dass der Skandalarzt in Deutschland ungehindert praktizieren konnte. Zur Einordnung: Die Staatsanwaltschaft spricht vom „größten medizinischen Strafprozess in der Geschichte der Niederlande“.

Seit 2011 in Heilbronn tätig

„Die gegen ihn laufende Strafverfolgung in den Niederlanden sowie der angebliche Entzug der dortigen Ärzteapprobation waren dem Klinikum nicht bekannt“, betonte Jendges. Der 67-Jährige habe sich zu den Vorwürfen nicht geäußert und sei am Freitag still gegangen. Den Angaben des Klinikums nach war der Arzt seit 2011 in Heilbronn tätig. Eine Ärztevermittlungsagentur habe ihn angeboten. In der Zeit davor sei er an anderen deutschen Kliniken beschäftigt gewesen. „Alle erforderlichen Qualifikationsnachweise - auch eine deutsche Approbation - lagen dem Klinikum bei der Einstellung vor.“

2003 hatte das Krankenhaus in Enschede den Arzt entlassen, nachdem seine Abhängigkeit von Medikamenten bekannt worden war. Er soll auch Rezepte gefälscht und über 80 000 Euro veruntreut haben. Ein offizielles Disziplinarverfahren gab es allerdings nie. Unter Druck des Krankenhaus hatte der Arzt sich freiwillig aus dem Ärzteregister streichen lassen und darf daher seit 2006 nicht mehr in den Niederlanden praktizieren.

Das Strafverfahren gegen den Mann ist derzeit ausgesetzt, da noch Zeugen aus Deutschland vernommen werden sollen. Keines der drei deutschen Krankenhäuser habe vor der Beschäftigung des Mannes um Referenzen bei ihnen gebeten, sagte ein Sprecher des Medisch Spectrum Twente der niederländischen Nachrichtenagentur ANP.

Niederländische Politiker, Verbände von Ärzten und Patienten reagierten entsetzt, dass der Mann ungehindert in Deutschland arbeiten konnte. Mehrere Parteien beantragten eine Dringlichkeitssitzung des Parlaments. Die sozialdemokratische Regierungspartei forderte eine europäische schwarze Liste, um solche Fälle zu verhindern. „Solche Ärzte sind eine große Gefahr“, sagte eine Sprecherin der Partei im niederländischen Radio. (dpa)

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