Besonders hart getroffen hat diese Entwicklung Spanien. Dort folgte man während der Boomjahre dem Motto „höher, schneller, weiter“. Die Stile wurden exaltierter, die Preise stiegen. Marketingstrategen verpassten den oft austauschbaren Weinen mit edlen Etiketten und Stories drum herum die nötige luxuriöse Anmutung.
Doch die absurd teuren „Kultweine“, zum Beispiel aus dem Priorat, liegen heute bei den Weinhändlern wie Blei im Keller. Denn die leeren Versprechen von einst halten der kritischer gewordenen Verbrauchermeinung nicht mehr stand. Der Trend geht zu authentischen Weinen und – auch, was den Preis betrifft – zu mehr Bodenständigkeit.
In Spanien ist dieser Trend zur Chance für Weinregionen geworden, die bislang nicht im Fokus standen. Wie das im kühleren Nordwesten gelegene Bierzo, in dem die eigenständige Rotweinrebsorte Mencía für ein unverwechselbares Profil sorgt. Hier haben junge Winzer wie Ricardo Sanz alte Rebanlagen wieder instand gesetzt.
Besonders gut ist ihm der einfache Mencía gelungen, für den die Verwendung von neuen Barriquefässern zum Ausbau viel zu teuer wäre. Daher behält der Wein seine jugendliche Leichtigkeit, besticht mit klarer Brombeer- und Minznote.
Es gibt aber noch ein Thema, das uns begleitet: Die Berichterstattung über den Klimawandel beeinflusst das Umweltbewusstsein der Verbraucher, und so werben mittlerweile eine Reihe von Weingütern mit bester CO2-Bilanz.
Eines davon ist der chilenische Vorzeigebetrieb De Martino in Maipo Valley, der als erstes Weingut in Südamerika seit 2009 als CO2-neutral zertifiziert wird. Dafür waren zahlreiche Anstrengungen nötig, etwa das Verwenden von leichteren Flaschen, die Energie beim Transport sparen. Wer interessiert am Ergebnis ist, sollte von De Martino unbedingt das Markenzeichen Chiles, den Rotwein aus der Rebsorte Carmenère, probieren. Den Wein erkennt man sofort an den Aromen von Schwarzkirsche, Cassis, Tabakblättern und Paprika sowie einem mundfüllenden runden Tannin und der für Chile typischen saftigen Frische.
Optimistisch gesehen schafft die Krise also Platz für neue Regionen, innovative Lösungen und Menschen mit Ideen. So kann das Jahr 2012 ruhig kommen.
2010 De Dos/Mencías De 2. Bierzo, Spanien, 9,50 Euro, über www.la-tienda.de.
2010 Carmenère/De Martino. Maipo Valley, Chile, 6,90 Euro, Jacques’ Weindepot, www.jacques.de.
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
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