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Welthungerhilfe in Haiti: Helfer-Treffen im stickigen Zelt

Die Hubschrauber scheinen im Minutentakt zu landen oder zu starten. Ich bin auf dem Gelände des Flughafens von Port-au-Prince. Pralle Sonne, viel Staub - und eben der Lärm. Mittendrin sitzen rund 30 Menschen aus aller Welt auf dem Boden eines Zeltes: UN-Leute, Hilfsorganisationen, Militärs, selbst Priester. Das Ziel: Hilfe koordinieren.Von Ralph Dickerhof


Foto: afp

Die Hubschrauber scheinen im Minutentakt zu landen oder zu starten. Der Leiter des Treffens muss häufiger unterbrechen, zu groß ist der Fluglärm. Ich bin auf dem Gelände des Flughafens von Port-au-Prince, es ist 15 Uhr nachmittags. Pralle Sonne, viel Staub - und eben der Lärm. Mittendrin sitzen rund 30 Menschen aus aller Welt auf dem Boden eines Zeltes. UN-Leute, Vertreter von Hilfsorganisationen, ein paar Militärs, selbst Priester haben sich eingefunden. "Agriculture-Cluster-Meeting" steht auf dem Plan, also das Treffen für den Bereich Landwirtschaft. Hier können - und sollen - sich alle Akteure, die Angebote, Erfahrungen, Hilfsgüter etc. in diesem Sektor haben, melden, austauschen und ihre Hilfe planen. Draußen vor dem Zelt stehen bald schon Ärzte und medizinisches Personal, denn gleich danach gibt es das Treffen für den Bereich Gesundheit. So geht es hier täglich im Stundentakt.

Die Vereinten Nationen tun das, was man von ihnen in solchen Krisensituationen erwartet: Sie koordiniert die Hilfe. Bringt Angebote der Helfer, Regierungsvertreter einerseits und Bedürfnisse der Erdbebenopfer andererseits zusammen, geordnet nach Art der Hilfe und nach Regionen. Diese ordnende Instanz ist absolut notwendig, damit nicht Jeder irgendetwas irgendwo beginnt. Damit die Hilfe effektiv und schnell von statten gehen kann.

Bündnis Entwicklung hilft

Für FR-online schreiben Mitarbeiter der dem "Bündnis Entwicklung hilft" angehörenden Entwicklungshilfeorganisationen über ihre Eindrücke aus Haiti.

Zum Bündnis gehören Brot für die Welt, Medico International, Misereor, Terre des Hommes und die Welthungerhilfe. Sie leisten gemeinsam akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

Spendenkonto: Stichwort "Haiti", Konto 5151, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00.

Weitere Berichte von Helfern vor Ort finden Sie im Haiti-Spezial der Frankfurter Rundschau

Das Treffen für den Bereich Landwirtschaft wird von der FAO, der "Food and Agriculture Organisation" der Vereinten Nationen geleitet, heute ist auch ein Vertreter des haitianischen Landwirtschaftsministeriums da. Auf Englisch und auf Französisch gibt es wertvolle Informationen: Die Regierung arbeitet mit Hochdruck an einer Art Positivliste. Es geht um Saatgut, also welche Sorten und Arten für den Anbau zugelassen werden. Solche Informationen brauchen wir für unsere Arbeit - und zwar dringend, denn schon bald beginnt die Aussaat in Haiti. Ab März genau genommen, denn dann beginnt die Regenzeit.

Rund vier Wochen nach dem Erdbeben bahnt sich hier gleich die nächste Herausforderung an: Mit dem Beginn der Pflanzzeit muss sichergestellt werden, dass dies den Bauern auch möglich ist. Ein Kollege fasst es so zusammen: "Nicht, dass nach der Katastrophe in den Städten nun auch noch eine neue Misere auf dem Land folgt!" Da wir von der Welthungerhilfe ja schon lange auf der Insel und vor allem in der ländlichen Entwicklung arbeiten, ist dies genau unser Thema. Zumal sich die Ernährungssituation auf dem Land durch Tausende von Stadtflüchtlingen verschärfen wird. Viele Haitianer, die in den Städten alles verloren haben, sind auf das Land geflüchtet - und liegen ihren Verwandten nun unfreiwillig mit "auf dem Reissack". Da verdoppelt sich schnell die Anzahl der Menschen, die satt werden wollen.

Läuft die internationale Koordinierung nun also? Ja, sie läuft mittlerweile gut an - und das ist eine gute Nachricht! Natürlich kann und muss hier und da noch einiges besser werden, aber im Großen und Ganzen - und vor allem angesichts der Dimension der Katastrophe - können wir uns nicht beschweren. Die Vereinten Nationen, selbst so schwer ge- und betroffen, tun alles in ihrer Macht stehende, die deutschen Organisationen sind auch gut vernetzt (wir treffen uns etwa jeden Freitag in der deutschen Botschaft hier in Port-au-Prince).

Kurz vor 16 Uhr werden wir fast aus dem Zelt gekegelt - Dutzende Ärzte und medizinisches Personal drängen in das UN-Zelt: Health-Cluster-Meeting. Neben Gesundheit, Landwirtschaft stehen heute noch Treffen von "Logistik", "Wasser und Abwasser", "Übergangshäuser" und "Haushaltsgegenstände" auf dem Meeting-Plan. Koordination im Stundentakt.

Es ist gut zu sehen, wer hier alles "vor Ort" aktiv ist, dass die Hilfstransporter nun massiv anläuft: Zu Wasser (über den Seehafen), zu Lande (aus der Dominikanischen Republik) und - unüberhörbar - aus der Luft. Gut, diese Abstimmungstreffen im stickigen Zelt direkt neben der Landebahn sind nicht eben komfortabel. Aber - das fünfstöckige UN-Hauptgebäude liegt ja in Trümmern. Und sollte es noch mal ein Nachbeben geben, fällt einem hier nur eine Plane auf den Kopf.

Autor:  Ralph Dickerhof , Welthungerhilfe
Datum:  8 | 2 | 2010
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