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Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

21. Dezember 2012

Weltuntergang 2012: Der Weltuntergang - wie er wirklich war

Grüngewandete Weltuntergangsjünger im französischen Dorf Bugarach.  Foto: Reuters

Festmahl in Neuseeland, Regen in Mexiko, Lärm in Jena – der Weltuntergang wurde auf der ganzen Welt als große Party inszeniert. Eine Weltuntergangsreise zu den fünf Kontinenten.

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Die Erde ist nicht untergangen, war ja auch nicht ernsthaft zu erwarten. Und doch haben die Menschen weltweit gefeiert, sich amüsiert – oder die Vereinnahmung der Maya-Tradition für wirtschaftliche Zwecke kritisiert. Eine Reise an Orte der fünf Kontinente, wo die Welt ein wenig aus den Fugen geriet.

Australien

Neuseeländer denken, sie leben am schönsten Ende der Welt. Am anderen Ende der Welt leben sie sowieso, von Deutschland aus gesehen. Da in Neuseeland auch noch jeder Tag beginnt, weil es westlich der Datumsgrenze liegt, gab es keinen besseren Fleck, um die erste Stunde des Weltuntergangs mitzuerleben – und dann 48 Stunden zu warten, bis auch in American Samoa der 22. Dezember anbrach. Allerorten fanden Partys zum Ende der Erde statt, Restaurants warben – manche sogar passend zur Kunst ihres Chefkochs – mit dreigängigen Katastrophenmenüs. In der Nähe der Erdbeben-Stadt Christchurch liegt das von Franzosen gegründete Akaroa auf der Banks-Halbinsel.

In diesem romantischen Städtchen gibt es sogar ein Gourmet-Restaurant, das bis vor ein paar Jahren „C’est la vie… au bout du monde“ hieß. So ist das Leben… am Ende der Welt. Es ist teuer. Aber Geld spielte an dem Tag keine Rolle. Wozu am Essen sparen, wenn man hinterher nicht mehr existiert? Wenn schon untergehen, dann mit Stil. Doch um der Wahrheit die Ehre zu geben: Der Anlass war der Fortbestand einer Ehe, die Gaumenfreude keine Henkersmahlzeit, sondern ein Candlelight-Dinner zum Hochzeitstag. Und so exklusiv die Jakobsmuscheln, Artischockenherzen, der mit der Rute geangelte Wrackbarsch, das Seegemüsegratin und die Crème Brulée mit Glühweinsorbet auch waren, am Ende kostete es doch nicht die Welt.

Asien

Das Internet ist den Mächtigen in China ein ständiges Ärgernis. Deshalb nutzen die Staatsmedien jede Gelegenheit, noch mehr Zensur im ohnehin streng überwachten Internet zu fordern. „Nur Regulierung kann das Netz sicherer machen“, schrieb das kommunistische Parteiorgan Volkszeitung (Renmin Ribao). Hintergrund: Eine verbotene christliche Untergrundkirche hatte im Zusammenhang mit dem Weltuntergang Gerüchte über die ihrer Ansicht nach nahende Ankunft einer Erlöserin verbreitet. Diese Gerüchte hätten „Individuen, der Gesellschaft und der Nation“ Schaden zugefügt, schrieb die Volkszeitung weiter. Auch andere Blätter schlossen sich dem Appell an.

Afrika

In Ghana gibt es für Touristen einiges zu besichtigen, langweilig dürfte jenen Menschen also nicht werden, die Peter Anamoahs Ruf möglicherweise gefolgt sind. Der selbst ernannte Prophet hatte in seiner westafrikanischen Heimat den einzigen Ort ausgemacht, der von der Apokalypse verschont bleiben würde: ein Bergdorf nahe der Stadt Bolgatanga, etwa 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt Accra. Wohl wegen der Abgelegenheit dieses Ortes ist bisher nichts darüber bekannt geworden, ob wirklich irgendwer Unterschlupf gesucht hat in Anamoahs „Glaubensgemeinschaft der Makara-Kirche“. Die Laune dort muss man sich aber wohl mäßig gut vorstellen. Anamoah hat nämlich schon häufiger falsche Vorhersagen gemacht, der 11.11.2011 schien ihm etwa ähnlich apokalyptisch – weshalb wir Verständnis hätten, falls seine Glaubensbrüder ihm nun mit einer gewissen Skepsis begegnen. Vielleicht geht auch Anamoah erstmal ein wenig auf Reisen.

Europa

Apokalypse show! So hätte es kommen sollen in Frankreich. Die Bühne war bereitet in Bugarach. Der Hausberg des Dorfes, dessen Höhlen Außerirdischen als Ufo-Garage dienen sollte, stand an seinem Platz. Die Frage war nur: Wie würden es mutige Erdwesen schaffen, den von Sicherheitskräften vorsorglich weiträumig abgesperrten Berg zu besteigen, um sich ausfliegen zu lassen? Das war die spannende Frage. Doch die Hauptdarsteller machten sich rar. Jean-Pierre Delord, der Bürgermeister, kündigte später an, erst einmal Urlaub zu machen. Und Monsieur Delpech, der Pfarrer des Ortes, empfahl, „einfach weiterzuleben und Gott zu lieben“.

In Jena nahmen Unbekannte einen im Internet verbreiteten „Programmablauf“ für den Weltuntergang wörtlich – zumindest den ersten Punkt „Wecken der Weltbevölkerung“. Sie brachten an mehreren Häusern Verteilerdosen mit der Aufschrift „Signalgeber“ an, in denen Wecker versteckt waren. Die müssen so laut gewesen sein, dass sich Bürger bei der Polizei beschwerten. Ihnen wurde empfohlen, die Wecker auszustellen.

Amerika

Im Südosten Mexikos strömten schon in der Nacht Hunderte Menschen zur Maya-Ruinenstätte Chichén Itzá, um bei Sonnenaufgang den Anbruch einer neuen Ära zu feiern. Viele kamen barfuß, in weißer Kleidung und mit einer Kerze in der Hand. Was sie erlebten? Zunächst nichts, was nicht auch an anderen Tagen möglich gewesen wäre. Die Nachrichtenagenturen berichteten von leichtem Regen. Später zeigten sich Maya-Indios mit Kopfschmuck und Lendenschurz, um mit spirituellen Tänzen die 13. Periode ihres Kalenders zu verabschieden. Eine US-Touristin sagte ergriffen: „Ich bin froh, das hier miterleben zu dürfen und neue Energie tanken zu können.“ In Guatemala beklagte Friedensnobelpreisträgerin und Maya-Vertreterin Rigoberta Menchú die Vereinnahmung der Maya-Traditionen für politische und wirtschaftliche Zwecke. Die Feiern seien sensationsgierig organisiert worden, klagte sie.

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