Panorama
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20. Dezember 2012

Weltuntergang 2012: Der Weltuntergang kommt - und geht vorbei

 Von Günter Marks
So könnte es aussehen, wenn die Erde in sich selbst zusammenstürzt. Zumindest ist das die Version, die sich Roland Emmerich für seinen Film „2012“ ausdachte.  Foto: Sony Pictures/Cinetext

Esoteriker kündigen für diesen Freitag das Ende der Welt an. Und was tun die Menschen? Sie feiern das Spektakel rund um den Globus. Die Maya, auf deren Kalender die Prophezeiung beruhen soll, freuen sich besonders.

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Zumindest einer freut sich auf diesen Freitag, auf den 21. Dezember, an dem angeblich die Welt untergeht. Endlich wird es sich zeigen, dass an der vermeintlichen Prophezeiung aus dem Maya-Kalender für diesen Tag nichts dran ist. Davon ist Nikolai Grube überzeugt. Der Altamerikanist von der Universität Bonn sagt, der Weltuntergang 2012 sei ein reines Medienereignis – an dem er regen Anteil hat. Am späten Abend des 21. Dezember wird Grube in einem Studio des ZDF in Mainz sitzen und den Moderator Harald Lesch in dessen Sendung zum ausbleibenden Weltuntergang begleiten.

Grube gilt als einer der kundigsten Maya-Experten weltweit. Der 50-Jährige forscht seit den 80er-Jahren über die Kultur der Maya. Mit seinen Institutskollegen unterhält er im Regenwald im Süden Yucatans selbst eine Grabung, sie legen dort die Überreste von Uxul frei. In der Fachwelt gilt die Entdeckung der Maya-Stadt als Sensation, die breite Öffentlichkeit in Europa nahm davon wenig Notiz.

Nikolai Grube, Maya-Experte.
Nikolai Grube, Maya-Experte.
Foto: Privat

Von Journalisten aber wird Grube schon seit Jahren immer wieder zum bevorstehenden Ende der Welt befragt. Der Forscher hätte es nie für möglich gehalten, welch enorme Wirkung der Mythos des Kalenders entfalten konnte. „Es kommt mir vor, als sei ein Atomkern explodiert und hätte eine Kettenreaktion in Gang gesetzt.“ So wiederholt Grube den immer gleichen Satz: Es ist alles ein Missverständnis, im Maya-Kalender ist keine Prophezeiung für den 21. Dezember 2012 zu finden.

Hinter dem Missverständnis steckt freilich eine interessante Geschichte. Die erste Verwirrung entstand nach dem Fund einer Inschrift im mexikanischen Tortuguero. Sie ist eine von mittlerweile zwei ausgegrabenen Inschriften, in denen das Datum 21. Dezember 2012 genannt wird. Laut der Inschrift von Tortuguero wird an diesem Tag ein Gott-König aus dem Himmel auf die Erde herabsteigen. Von einem Weltuntergang wird jedoch nicht berichtet.

Dazu kam die sogenannte Lange Kalender-Zählung der Maya. Mit dieser Zählweise addierten sie fortlaufend jeden Tag seit Beginn ihrer Zeitrechnung. Die Zählung war in unterschiedliche Zyklen von 394 Jahren aufgeteilt – sogenannten Baktuns. Am 21. Dezember 2012 endet der 13. Baktun. Da die Zeitrechnung der Maya auch mit dem 13. Baktun begann, läuft der Kalender nun ab, so wurde es zumindest von Esoterikern seit den 70er-Jahren gedeutet. Für die Maya geht die Zählung lediglich von vorne los.

Light-Shows und Folklore

Ungeachtet dessen laufen die Vorbereitungen für das Ende der Welt in Mittelamerika seit Monaten auf Hochtouren. Aus dem Missverständnis ist ein großes Geschäft geworden. In den großen Maya-Städten wie Chichen Itza, Uxmal, Tikal und Palenque werden am 21. Dezember Light-Shows und Sound-Installationen zu sehen und hören sein. Am Fuße der Pyramiden gibt es Konzerte, Folklore-Gruppen zeigen traditionelle Rituale der Maya. Es werden Zehntausende Besucher erwartet. Grube sagt, dass das Spektakel vornehmlich durch die spanischstämmige Bevölkerung des Landes befeuert werde. Die Maya stehen eher abseits.

Das ist symptomatisch für die mexikanische Gesellschaft. Einerseits sind die Mexikaner fasziniert vom archäologischen Erbe der Maya. Zeitschriften wie die alle zwei Monate erscheinende, 90-seitige Arqueología Mexicana werden an den Kiosken immerhin mit einer Auflage von 40.000 Stück verkauft. Der Verlag produziert darüber hinaus eine beliebte populärwissenschaftliche Fernsehsendung. Den heute lebenden Maya allerdings schlägt bestenfalls Desinteresse entgegen. Viele sind arm, haben kaum Zugang zu Schulen und Universitäten, ihre Interessen spielen in der mexikanischen Politik kaum eine Rolle.

„Diskriminierung und die Aneignung der Maya-Geschichte sind in Mexiko zwei verschiedene Paar Schuhe“, sagt Grube. Viele Maya schämen sich, ihre Sprache zu sprechen und ihre traditionelle Kleidung zu tragen. Nur in einigen Dörfern wird die Kultur noch gepflegt.

Netter Hinweis im Gästebuch des Sächsischen Landesbibliothek, wo der Codex Dresdensis der Maya ausgestellt wird.
Netter Hinweis im Gästebuch des Sächsischen Landesbibliothek, wo der Codex Dresdensis der Maya ausgestellt wird.
Foto: dapd

Diese Dörfer sind Teil von Grubes wissenschaftlichen Arbeit. Er lehrt die Maya die vorspanische Geschichte und ihre alte Hieroglyphenschrift. Viele wissen kaum etwas über die eigene Geschichte. Auch von der angeblichen Bedeutung des 21. Dezember haben viele erst von Touristen und von Esoterikern erfahren. Für Grube bezeichnet die Esoteriker deshalb auch als Botschafter der Pop-Kultur. Schließlich haben sie das Medienereignis erst möglich gemacht.

Dass die Welt im Dezember 2012 so viel über die Maya spricht, ist eine neue Erfahrung für die indigene Bevölkerung Mittelamerikas. Die Maya, mit denen Grube gesprochen hat, verbinden mit dem Ablaufen des 13. Baktuns vor allem die Hoffnung auf eine bessere Lebenssituation. Schließlich beginnt für sie ja eine neue Zeit.

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