Das Video einer jungen Dänin, die den Vater ihres Kindes sucht, ist im Handumdrehen zu einem der meist gesehenen Clips der Internet-Site Youtube geworden: Mehr als eine Million Mal wurde die süße Blonde mit dem unschuldigen Blick bisher angeklickt, und aus aller Welt strömten Sympathiekundgebungen auf ihr Gästebuch. Bis sich herausstellte, dass die rührselige Geschichte mit dem Titel "Danish mother seeking" nichts ist als ein Werbetrick der dänischen Fremdenverkehrswerbung. Jetzt ist die Aufregung groß, und am Montagnachmittag zog "VisitDenmark" den Film zurück.
Denn die junge Frau, die sich als "Karen from Denmark" vorstellt und ihren an der Flasche nuckelnden "August" in die Kamera hält, heißt in Wirklichkeit Ditte Jørgensen, ist kinderlos und Schauspielerin. Und was sie, scheinbar nach den richtigen Worten suchend, zögerlich in die Kamera spricht, haben smarte Werbetexter verfasst. Da erzählt "Karen" von einem netten jungen Mann, den sie in einer Kopenhagener Bar traf. Wie er hieß und wo er herkam, erinnert sie nicht mehr, nur, dass sie "einen Drink" hatten, und dass sie ihm zeigen wollte, was "Hygge" ist, die berühmte dänische Gemütlichkeit. "We ended up having sex", weiß sie noch. Am nächsten Morgen war er weg, dafür war nach neun Monaten "August" da, und jetzt sucht sie dessen Vater: "Bitte schreib mir."
Da schrieben ihr Tausende und machten ihr Mut und hofften, sie werde Erfolg haben bei ihrer Suche. Jetzt ist der Ton anders. "Seid ihr verrückt bei VisitDenmark?", fragen die Youtube-Besucher, "welchen Körperteil habt ihr zum Denken benützt?", und besonders die weiblichen Kommentare sind barsch: "Das ist eine Beleidigung aller dänischen Frauen", heißt es, und "wie peinlich für unser Land." Gar nicht peinlich, erwiderte VisitDenmark-Chefin Dorte Kiilerich: "Der Film zeigt Dänemark als freies Land, wo man tun kann, wozu man Lust hat, und Karen ist eine gute Vertreterin der selbständigen Däninnen, die ihre eigene Wahl treffen." Es gelte, Dänemark international bekannt zu machen, und in dieser Hinsicht sei der Film ein "gigantischer Erfolg". "Das ist unsere erfolgreichste Kampagne, und das für wenig Geld", prahlt Peter Helstrup, in dessen Werbeagentur die Schwindelnummer entstand.
Erfolgreich? Man wolle "brünstige Touristen nach Dänemark locken", murrt die Zeitung BT. "Sie versuchen, die leichtlebige Dänin zu promovieren und die Vorstellung auszunützen, dass man hier eine hurtige Blondine aufgabeln kann, und das ohne Kondom", empört sich die Frauenforscherin Karen Sjørup. Auf Touristen, die mit dieser Vorstellung kämen, warte eine "schlimme Enttäuschung". Saufen, unsicherer Sex und nachher nichts erinnern: Ist das wirklich das Bild, das die Dänemark-Werbung vermitteln soll? Auch die Politiker, die dafür die Steuermittel bereitstellen, sind entrüstet. "Unklug" nannte die für Tourismus zuständige Wirtschaftsministerin Lene Espersen den Streifen, "widerlich", findet ihn die linke Opposition.
Dass man für Dänemark mit einer Lüge wirbt, focht Dorte Kiilerich zunächst nicht an. "Wir benützen uns eines Web-Mediums, und dort gibt es wahre Geschichten und nicht so wahre." Und was ist schon wahr in der Tourismus-Werbung? Schließlich wirbt Dänemark auch mit strahlendem Sonnenschein, ländlicher Idylle, freundlichen Polizisten und Toleranz statt mit Schmuddelwetter, Fleischfabriken, verprügelten Demonstranten und Europas strengsten Asylregeln, was der Wahrheit vielleicht näher käme. Zuletzt aber beugte sich Kiilerich dem Empörungssturm und zog den Film von Youtube zurück. Hier kann man ihn (noch) sehen:
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