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Whitsunday Islands: Sechs Monate bezahlter Urlaub

Den ausgeschriebenen Ferienjob auf einer Paradies-Insel in Australien könnte eine Bayerin ergattern - doch ob der Job paradiesisch ist, wird in Zweifel gezogen. Von Pia Volk ( mit Video)

Die Whitsunday Islands bieten den angeblich besten Job der Welt.
Die Whitsunday Islands bieten den angeblich besten Job der Welt.
Foto: pr

Die Whitsunday Islands bieten auf den ersten Blick genau das, was sich gestresste Großstädter am Ende eines langen Winters wünschen. Auf der Inselgruppe vor der Ostküste Australiens gibt es sommerliche Temperaturen so gut wie jeden Tag im Jahr, es gibt Strände mit feinem weißen Sand und sonst nur das Blau des Himmels, das am Horizont mit dem Blau des Meeres verschmilzt. Die Whitsunday Islands - ein Ort, an dem viele Menschen gerne Urlaub machen würden.

In diesem Urlaubsparadies ist ein Job frei. Das Paradies braucht einen Inselwart. Im Januar rief der Tourismusverband im Bundesland Queensland, in dem die Whitsunday Islands liegen, dazu auf, sich um den "besten Job der Welt" zu bewerben. Sechs Monate jobben für ein Gehalt von knapp 75.000 Euro.

Der so genannte Insel-Ranger lebt in einem luxuriös eingerichteten Appartement mit drei Schlafzimmern und einem atemberaubenden Blick über die Whitsunday Islands. Was zur Arbeit gehört, stand Anfang der Jahres in einer Stellenausschreibung: Reisen zu den verschiedenen Inseln, Fische füttern, gelegentlich den Postboten bei seinen Rundflügen begleiten und im Internet regelmäßig darüber berichten.

35.000 Menschen aus 200 Ländern haben sich um die Stelle beworben, 1400 davon kamen aus Deutschland. Sie mussten ein einminütiges Video einreichen, in dem sie erklärten, warum sie diesen Job bekommen sollen. Mirjam Novak aus Bayern war eine von ihnen. "Ich habe mich beworben, weil ich die Idee nicht aus meinem Kopf kriegen konnte. Ich wollte nicht irgendwann denken: Was wäre, wenn ich es versucht hätte und genommen worden wäre?", erzählt die 28-jährige Schauspielerin.

Mirjams Bewerbungsvideo

Ihr Video hat jedenfalls die Jury überzeugt. "Weil es sehr lustig war", erklärt Julia Wohlschiess. Sie und ihre Kollegen haben sich alle europäischen Videos angesehen und eine erste Auswahl getroffen. Mirjam Novak steht in dem Spot im Schnee auf einem zugefrorenen See und versucht, mit einem Pickel ein Loch in das Eis zu schlagen. Viele andere Bewerber hätten nur in ihrem Zimmerchen gesessen und die Wand angesprochen, so Wohlschiess.

Andere Einfälle waren zwar gut, wie der einer Berlinerin, die in einen Brunnen gesprungen sei, aber dann vergaß die Kandidatin, etwas über das Great Barrier Reef zu erzählen. Wieder andere hätten einfach nicht genug Englisch gesprochen oder seien nicht telegen gewesen.

Die übrig gebliebenen 50 Bewerber aus vielen verschiedenen Ländern spiegeln das allgemeine Anforderungsprofil für Menschen wieder, die in der Öffentlichkeit auftreten. Sie sehen gepflegt aus, sind durchaus gebildet und haben einen enthusiastischen Charakter. Im Mai dürfen elf von ihnen nach Queensland fliegen. Zehn werden vom Tourismusverband ausgewählt, der Elfte von Internetnutzern.

Zweifel am Paradies

Wer die zehn Kandidaten sein werden, wird erst Anfang April bekannt gegeben. Wichtig ist nicht nur das Video, die Kandidaten mussten auch noch einen kurzen Text über sich schreiben und müssen eine Bilanz zu ihren Presseauftritten ziehen. Mit diesem Artikel, den Sie gerade lesen, kommt Mirjam Novak den Whitsunday Islands ein Stück näher. Im Internet liegt Clare aus Taiwan vorn. Sie hat bereits mehr als 140000 Stimmen, Mitchell, der Zweitplazierte kommt nicht mal auf halb so viele. Falls Mirjam Novak es in die nächste Runde schaffen sollte, erwartet sie in Queensland ein kleines Assesment Center unter freiem Himmel mit Gesprächen und Gruppenaufgaben, in denen sie sich beweisen muss. "Man sollte sich das nicht wie ein Dschungelcamp am Strand vorstellen", erklärt Wohlschiess, "das ist ein offizieller Job, und niemand wird durch den Schlamm robben müssen."

Aber ist es tatsächlich das Paradies, so wie es im Internet beschrieben wird? Wer, wie die Autorin, schon einmal dort war, hat seine Zweifel. Die Whitsunday Islands bestehen aus 74 Inseln, der Insel-Ranger wird auf Hamilton Island wohnen. Hamilton Island ist eine Resort-Insel der Luxuskategorie. Sie ist nur fünf Kilometer lang und 3,5 Kilometer breit, aber diesen Platz teilen sich fünf Hotels mit mehr als 600 Betten und die 800 Einwohner, die fest auf der Insel leben.

Es ist die einzige Insel mit Flughafen, mit Direktflügen in die australischen Metropolen Melbourne und Sydney. Hamilton Island hat einen Yachthafen, und auf der Insel nebenan wird zurzeit ein Golfplatz angelegt. Hamilton Island ist ein Wirtschaftszentrum, es gehört seit November 2003 der Oatley Familie. Robert Oatley belegt Platz 26 der Forbes-Liste der reichsten Personen in Australien und Neuseeland.

Mirjam Novak freut sich auf die Erkundung der Inselwelt. Tauchen ist eine ihrer Leidenschaften. Ob sie denn keine Angst vor Haien habe? "Es gibt ja auch kleine Haie, die im Riff herumschwimmen und nicht gefährlich sind." Sie weiß nicht, dass man zum Riff einige Stunden mit dem Boot rausfahren muss, um zu tauchen, und dass die Hälfte der Touristen nach der Schiffstour meist so grün im Gesicht sind, dass sie keine Lust haben, ins Wasser zu springen, sondern sich nur noch festen Boden unter den Füßen wünschen. Sie weiß nicht, dass die Whitsunday Islands für viele nur ein Ein-Tages-Paradies sind, denn wer schon einmal dort war, hat erlebt, wie Menschen, die morgens auf den kleinen Sand-Inseln eintreffen, sich in der prallen Sonne mit Trinkspielen bis zur Besinnungslosigkeit betäuben, um abends wieder in einer der vielen Discos auf dem Festland zu tanzen. Das ist nämlich für viele Menschen auch paradiesisch, wenn sie vollkommen vergessen, wo sie eigentlich sind und sich am nächsten Morgen nicht mehr so genau daran erinnern können.

Autor:  PIA VOLK
Datum:  25 | 3 | 2009
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