Port-au-Prince/Hamburg. Knapp zwei Wochen nach dem Erdbeben in Haiti mit mindestens 112.000 Toten und riesigen Zerstörungen beginnt die internationale Staatengemeinschaft mit der Planung des Wiederaufbaus. Die EU-Außenminister kamen am Montag in Brüssel zusammen, um sich vor der für März geplanten internationalen Geberkonferenz für Haiti auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. Sie beschlossen, etwa 300 paramilitärisch ausgebildeten Gendarmen für mehr Sicherheit in Haiti zu entsenden.
Im kanadischen Montréal trafen sich am Montag Abgesandte von mehr als 20 Staaten, darunter auch US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr französischer Kollege Bernard Kouchner. Bei dem Treffen mit dem haitianischen Premier Jean-Max Bellerive sollte über den Wiederaufbau des zerstörten Karibikstaats beraten und die für März geplante größere Geberkonferenz vorbereitet werden.
Derweil steigt die Zahl der Obdachlosen: Nach Angaben der Vereinten Nationen könnte sie die Million erreichen. Das UN-Büro zur Nothilfe-Koordinierung rechnet mit 800.000 bis zu einer Million Menschen, die dringend Zuflucht suchten, wie die UN in New York mitteilte. Die Zahl der Toten geben die Vereinten Nationen mit 112.250 an, etwa 194.000 Menschen seien verletzt worden.
Die Vereinten Nationen hatten die EU informell um Hilfe gebeten, um die Lage in Haiti zu stabilisieren. Die "Europäischen Gendarmerietruppe" (EGF) besteht aus mindestens 800 rasch einsetzbaren Polizisten aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Portugal, Rumänien und Spanien. Die sechs Länder seien auch für die Teilnahme an einer EGF-Mission in Haiti bereit, sagte der spanische Außenminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Miguel Angel Moratinos. Frankreich hatte den Einsatz der EU-Polizeieinheit vorgeschlagen. Paris will dafür ein halbes Jahr lang 100 Gendarmen abstellen. Diplomaten zufolge will auch Italien 100 Beamte schicken, die Niederlande gut 50 und Spanien etwa 40. Dagegen äußerte sich Großbritanniens Europaminister Chris Bryant skeptisch. "Ich bin mir nicht sicher, dass das notwendigerweise der richtige Weg ist", sagte Bryant. Erforderlich seien auch langfristige Antworten.
Deutschland will sich nicht mit Polizeikräften beteiligen. Nach Ansicht der Bundesregierung sind vor allem französisch sprechende Polizisten gefragt, um in der einstigen Kolonie Frankreichs zu helfen. Außenminister Guido Westerwelle betonte, dass die Bundesregierung 15 Millionen Euro für Hilfsaktionen bereitgestellt habe. "Entscheidend ist ja nicht die Struktur, oder wer (sich) mit welchem Organisationsmodell durchsetzt", sagte er. "Entscheidend ist, dass die Hilfe ankommt."
Das Wichtigste sei nun, die Menschen aus der Hauptstadt Port-au-Prince an Orte zu bringen, wo sie Zelte, Essen und Wasser bekommen, sagte der aus Haiti stammende Musiker Wyclef Jean. 235000 Einwohner nutzten nach UN-Angaben bisher die kostenlosen Transportmöglichkeiten, um Port-au-Prince zu verlassen. (dpa)
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