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William Shatner im Interview: "Die Enterprise hat vielen geholfen"

Sie mussten viele Gastrollen in Serien übernehmen und in drittklassigen Filmen spielen. In "Rauchende Colts" wären Sie einmal fast erwürgt worden. Was war die schlimmste Rolle, die Sie jemals übernommen haben?

Ach, da gibt es so viele! In dem Horrorfilm "Mörderspinnen" beispielsweise spielte ich den Tierarzt Rick Hansen. Wir arbeiteten mit etwa 5000 lebenden Taranteln. Für den wohl unvergesslichsten Stunt meines Lebens musste ich mir tatsächlich eine Tarantel ins Gesicht kleben.

Pfui Spinne.

Sie sagen es. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ich habe keine Favoriten aus der Masse meine schlimmsten Rollen. Im Rückblick sind sie ohnehin längst alle miteinander verschmolzen und in einem tiefen Sumpfloch versunken.

Sie waren später nicht der erste Schauspieler, dem die Rolle des Captain Kirk angeboten wurde - Lloyd Bridges lehnte sie ab und Jeffrey Hunter wurde gefeuert, nachdem er im ersten Pilotfilm der Serie die Rolle des Captain gespielt hatte. Haben Sie sich je gefragt, wie Ihr Leben verlaufen wäre, wenn einer der anderen beiden und nicht Sie den Zuschlag bekommen hätte?

Man könnte spekulieren, dass ich einfach das Talent und die physische Befähigung hatte, um Captain Kirk zu spielen. Vielleicht hätten mir diese Eigenschaften aber auch in anderen Rollen geholfen, wenn ich nicht Captain Kirk geworden wäre.

Als die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise von 1966 bis 1968 erstmals im Fernsehen gezeigt wurden, war die Serie ein Flop. Erst als die Serie nach der Mondlandung 1969 wiederholt wurde, stellte sich der Erfolg ein. Haben Sie sich anfangs gewundert, was Sie da zwischen den Papp-Kulissen verloren hatten?

Nein, ich habe fest an die Serie geglaubt und war sehr traurig, als alles nach drei Jahren vorüber war. Die Rolle des Captain Kirk war in vielen Folgen sehr gut geschrieben. Es hat mir wirklich Spaß gemacht, ihn zu spielen. Der regelmäßige Gehaltsscheck kam auch nicht ungelegen.

An Bord der Enterprise arbeiteten in einer Multi-Kulti-Raumschiff Crew Amerikaner, Russen und Außerirdische friedlich zusammen. War das ein politisches Statement in der Zeit des Kalten Krieges?

Die Missionen des "Raumschiff Enterprise" spielen in einer Zukunft, die 400 Jahre von uns entfernt ist. Einige Pessimisten glauben ja, dass unsere Welt dann schon nicht mehr existieren wird. Unsere Serie war anders, sie hatte eine positive Vision der Zukunft, war getragen von einem unerschütterlichen Optimismus. Und das sprach in Zeiten des Kalten Krieges viele Menschen an.

Die Serie zeigte auch den ersten Kuss zwischen einem weißen Mann und einer schwarzen Frau im US-Fernsehen. Haben Ihre Science-Fiction-Visionen die Gesellschaft damals beeinflusst?

Ja, ich glaube schon, dass das Raumschiff Enterprise vielen Leuten geholfen hat. Die Serie hat die Menschen sehr lange in ihrem Leben begleitet, hat sie aufgemuntert oder getröstet, wenn sie durch schwierige Lebensphasen gingen.

Für viele war und ist die Serie auch ein Parallel-Universum. Einigen allzu obsessiven Fans haben Sie mal zugerufen "Get a life".

Das war ein Witz. Ich will Ihnen dazu eine andere Geschichte erzählen - die eines ehemaligen US-amerikanischen Kriegsgefangenen in Vietnam, der mich einmal zum Flughafen gefahren hat. Während der furchtbaren Zeit ihrer Gefangenschaft machten er und die anderen GIs sich Mut, indem sie Szenen aus "Raumschiff Enterprise" nachspielten und dabei immer wieder Dialoge, die sie auswendig kannten, sprachen. Als der Fahrer mir davon erzählte, liefen ihm die Tränen über das Gesicht - mir erging es genauso, ich musste weinen.

Wir haben kürzlich Ihren Kollegen Leonard Nimoy gefragt, wie er reagieren würde, wenn ihm der Multi-Millionär Richard Branson anböte, mit einer seiner Raumfähren zum Mond zu fliegen...

Mir hat Branson tatsächlich angeboten, mit ihm ins All zu fliegen: Allerdings sollte ich ihm dafür 250 000 Dollar zahlen.

Und das war selbst Ihnen zu teuer?

Ich antwortete Branson: "Wenn du möchtest, dass ich in deinem Raumschiff ins Weltall fliege, musst du mir dafür 250 000 Dollar zahlen". Davon mal abgesehen, hätte ich auch keine Lust, endlose Jahre am Stück in einem Raumschiff im Weltall zu patrouillieren Ich habe viel zu viel Spaß dabei, meine Zeit mit meinen Kindern, meiner Frau und meinen Pferden und Hunden zu verbringen.

Kürzlich war eine generalüberholte Version von "Raumschiff Enterprise" sehr erfolgreich in den Kinos. Allerdings ohne Sie. Den jungen Kirk spielte Chris Pine...

Ich habe den Film noch nicht gesehen.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie erstmals von dem Projekt hörten, dass Ihre prägendste Rolle von einem jüngeren Schauspieler übernommen wurde? Fühlt man sich alt?

Also, ich brauche keinen Film ansehen, um mich älter zu fühlen! Es reicht, wenn ich in diesem Moment einfach Sie anschaue - und schon fühle ich mich alt.

Interview: Ulrike Fischer

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Datum:  6 | 7 | 2009
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