kalaydo.de Anzeigen

William Shatner im Interview: "Die Enterprise hat vielen geholfen"

Der kanadische Schauspieler über Tränen auf der Bühne, Taranteln im Gesicht und die politische Strahlkraft von Captain James T. Kirk.

William Shatner ist nicht auf alles stolz, was er gespielt hat.
William Shatner ist nicht auf alles stolz, was er gespielt hat.
Foto: rtr

Mr. Shatner, werden Sie heute noch oft als Captain Kirk angesprochen?

Das kommt immer noch vor.

Zur Person

William Shatner, 1931 in Montreal als Sohn jüdischer Einwanderer aus Osteuropa geboren, ist in der Rolle des Captain James T. Kirk, Kommandant des Raumschiffs Enterprise, zu Weltruhm gekommen.

Mit kleinen Rollen in Fernsehserien und kleinen Filmproduktionen musste der gelernte Shakespeare-Schauspieler Shatner seine Familie von den 50ern bis in die 70er über Wasser halten - darunter die TV-Serie "Twilight Zone" (1960-63), die inzwischen Kultstatus besitzt. Zuletzt zeigte er öfter sein komisches Talent, mit selbstironischen Auftritten u.a. in "Miss Undercover" (2000).

In vierter Ehe ist er mit der Pferde-Trainerin Elizabeth Anderson Martin verheiratet, hat drei erwachsene Töchter aus seiner ersten Ehe und lebt heute im Großraum Los Angeles.

Seine Autobiografie ist jetzt im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen: "William Shatner - Durch das Universum bis hierher", 350 Seiten, 19,90 Euro.

Sie sind inzwischen 78 Jahre alt, haben zig andere Rollen seit Ihrem Abschied von der Enterprise gespielt. Sind Sie es nicht leid, von Asien bis Europa als ewiger Raumschiff-Kommandant wahrgenommen zu werden?

Manchmal ist es ein bisschen unangenehm. Wenn ich durch eine Gruppe von Menschen gehe, sehe ich meistens nach unten. Ich möchte dann nur so schnell wie möglich weiterkommen. Wenn mich Leute fragen: "Sind Sie nicht William Shatner?", antworte ich: "Nein, ich bin's nicht."

Und wenn sie Ihnen das nicht glauben?

Dann sage ich: "Sie haben mich gefragt, ob ich William Shatner sei, und ich habe Ihnen gesagt, dass ich es nicht bin!" Manchmal wird man sie auf diese Weise los. Berühmt zu sein, ist zwar in vielerlei Hinsicht ein magischer Zustand. Es öffnen sich einem viele Türen. Aber gleichzeitig zahlt man einen Preis, weil die persönliche Freiheit eingeschränkt wird. Ich habe mich bemüht, all dies von meiner Familie fernzuhalten. Bis meine Kinder zehn oder elf Jahre alt waren, habe ich ihnen nichts über meinen Beruf erzählt. Irgendwann haben sie es dann mitbekommen. So ähnlich war es jetzt auch bei meinen Enkeln. Neulich war ich mit meiner sechsjährigen Enkelin bei einer Feier. Immer wieder kamen Leute auf mich zu. Meine Enkelin schaute mich verwundert an, fragte: "Opa, warum wollen all die Leute deine Hand schütteln?"

Und was sagen Sie Ihrer Enkelin dann: Es war einmal vor langer Zeit, da spielte ich ein Mann in einem senffarbenen Anzug?

Ich sage ihr das, was ich auch meinen Kindern erzählt habe - dass es bloß ein Job ist. Aber, wie gesagt, man zahlt für alles einen Preis: Kurz nachdem es mit "Raumschiff Enterprise" vorbei war, reichten meine Frau und ich die Scheidung ein.

Haben Sie es je bereut, die Rolle übernommen zu haben?

Nein. Rückblickend war es das beste, was mir je passiert ist. Denn viele Schauspieler, eigentlich fast alle, müssen sich durchs Leben schlagen und werden nie wahrgenommen. Sie verdienen wenig, noch weniger, als es früher üblich war. Beruflich gesehen war die Serie das Beste, das mir jemals passiert ist. Alles andere hat sich aus dieser Rolle ergeben. Ich bereue nichts. Ich bin nur dankbar.

Wann war Ihnen erstmals klar, dass Sie Schauspieler werden wollten?

Im Alter von fünf Jahren bemerkte ich zum ersten Mal, wie viel Macht man als Schauspieler haben kann. Ich war in einem Ferienlager, wo wir eines Abends vor den Eltern ein Theaterstück aufführten. Darin war ich ein jüdischer Junge, der sich von seinem Hund verabschiedet, den er auf seiner Flucht vor den Nazis zurücklassen muss.

Ein Thema, zu dem Sie auch einen persönlichen Bezug haben: Ihre Eltern waren als jüdische Einwanderer nach Kanada gekommen.

Ja. Während der Aufführung weinte ich, das Publikum weinte ebenfalls. War das der Moment, in dem ich merkte, dass ein Schauspieler in mir steckte? Wahrscheinlich schon. Allerdings wusste ich natürlich nicht genau, was ich da eigentlich tat.

Wann wussten Sie es?

Später, als ich Betriebswirtschaft studierte. Im Studium bestand ich die Prüfungen nur, weil ich mir Notizen auf meine Hand kritzelte. So schaffte ich nach vier Jahren irgendwie meinen Abschluss. Wirklich intensiv habe ich mich in der Zeit nur mit den Radio- und Theaterclubs der Uni beschäftigt. Ich habe dort die Aufführungen organisiert.

Als Ihre Karriere in den 60er Jahren im Fernsehen begann, sind Sie vielen gealterten Hollywood-Stars begegnet, die sich mit diesen TV-Jobs über Wasser halten mussten. Oft fiel es ihnen schwer, sich an das damals völlig neue Medium zu gewöhnen. Was genau war zu der Zeit so anders beim Fernsehen als beim Film?

Das war überhaupt kein Vergleich zu heute. Fernsehen war zu meiner Zeit wie ein live übertragenes Theaterstück. In der Regel liefen drei Kameras gleichzeitig. Man bereitete sich zwei oder drei Wochen auf die Sendung vor und wusste, dass sie am Samstag- oder Sonntagabend vor Millionen von Zuschauern live gezeigt werden würde. Damit war der Job dann erledigt. Die Vorbereitungszeit war kurz und Fehler waren für jedermann sofort sichtbar. Theaterschauspieler wie ich hatten große Vorteile den Filmschauspielern gegenüber, weil wir mit diesem Liveerlebnis viel selbstbewusster umgehen konnten. Heutzutage filmt man beim Fernsehen natürlich mit einer einzigen Kamera. Jede Szene wird wiederholt und jedes Segment separat gedreht.

Als junger Schauspieler hatten Sie nicht viel Geld. Sie träumten davon, hundert Dollar die Woche zu verdienen ...

Damals war das gar nicht mal so wenig, wie das jetzt klingt.

... gleichzeitig stiegen Ihre Ausgaben immer weiter. Mit Ihrer ersten Frau, der Schauspielerin Gloria Rand, hatten Sie drei Töchter, Leslie, Lisabeth und Melanie. Wie haben Sie das hinbekommen?

Es war zum Glück nie so schlimm, dass ich Arbeitslosengeld in Anspruch nehmen musste. Ich kann nicht sagen, in wieweit diese enorme Angst, die mir im Nacken saß, mich irgendwie geprägt hat. Aber ich war mir bewusst: Die Rechnungen mussten bezahlt werden, es gab keinen Plan B. Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn die Jobs ausgeblieben wären.

1 von 2
Nächste Seite »
Datum:  6 | 7 | 2009
Seiten:  1 2
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Leute
        

Der Ultravox-Sänger Midge Ure wurde von der Queen zum Ritter geschlagen, was seine Mutter wirklich stolz macht.
Ultravox-Sänger Midge Ure 
Bushido ganz zahm und ordentlich im Anzug: Der
Bushido-Hochzeit 
Prinzessin Victoria und Prinz Daniel bei der Taufe ihrer Tochter Estelle.
Victoria von Schweden 
ESC 2012

Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.

Ressort

Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft


Anzeige

Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Ein Jahr Fukushima
Test auf Strahlenspuren.

Ein Jahr nach dem 11. März 2011 zeigen wir, wie das Unglück Japan und die Welt verändert hat.

Anzeige

Video

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Academy Awards - "And the winner is..."
Zwischen 300 und 500 Euro ist eine Oscar-Statue wert, je nach Goldpreis. Der ideelle Wert ist für Schauspieler und Filmemacher unbezahlbar.

Alle Gewinner der 84. Academy Awards of Merit, die desaströsesten Outfits auf dem roten Teppich und mehr im Oscar-Spezial.

Kolumne
Tempo 30

Am Aschermittwoch 2009 wurde Sebastian Gehrmann 30. Alles war vorbei. Jetzt kann er darüber schreiben.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Meistgeklickt
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Das DFB-Bundesgericht mit dem Vorsitzenden Goetz Eilers hat entschieden: Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt.
Kein Wiederholungsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin 
 Mely Kiyak
Kolumne zum neuen Umweltminister 
Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.