Herr Friedrich, Sie bezeichnen den bevorstehenden Wintereinbruch als spektakulärstes Wetterereignis seit Orkan Kyrill. Was haben wir zu erwarten?
Es wird zwar stürmisch, aber entscheidend sind Schnee und Frost, die sehr plötzlich über Deutschland hereinbrechen. Bereits ab Freitag-Mittag kann es teils zu massiven Verkehrbehinderungen kommen. Wir müssen mit unpassierbaren Straßen und gesperrten Bahnlinien rechnen, weil Äste und Bäume auf Oberleitungen stürzen.
Welche Gebiete sind betroffen?
Besonders die Bergregionen in Mittel- und Süddeutschland. Bis Samstagmorgen rechnen wir im Schwarzwald und der Schwäbischen Alb mit 20 bis 30 Zentimetern Neuschnee, im Alpenraum bis zu einem halben Meter. Dazu kommt starker Wind, in den Bergen mit schweren Sturm- und orkanartigen Böen, der Schneeverwehungen verursacht. Aber selbst in Nordhessen setzen schon am Mittag Schneefälle ein, die die Straßen innerhalb von einer Stunde in Rutschbahnen verwandeln können. Das Rhein-Main-Gebiet wird es zwischen 12 und 16 Uhr treffen, gegen Abend dürften auch hier Schneeflocken fallen. Nach 15 Uhr ist mit Glätte zu rechnen. Wer die Chance hat, sollte früh Feierabend machen und Autofahrten vermeiden. In der Nacht gibt es überall Frost und Schnee. Wer Samstagmorgen noch mit Sommerreifen unterwegs ist, könnte eine böse Überraschung erleben.
Können wir am Wochenende also den Schlitten auspacken?
Ja, bis ins Flachland gibt es immer wieder Schneeschauer, und die Schneedecke wird auch in den Mittelgebirgen wachsen. Spätestens am Sonntag ist eine Schlittenfahrt oder Schneeballschlacht drin.
Wie lange bleibt der Winter?
Im Moment sieht es nach einer winterlichen Woche aus. Vor allem im Westen wird es noch mal kälter. Am Montagmorgen könnten auch im Rhein-Main-Gebiet fünf bis zehn Zentimeter Neuschnee fallen. Ich rate allen Autofahrern, am Sonntag die Vorhersagen zu verfolgen. Bis Ende der Woche rechnen wir in den Niederungen mit Temperaturen kaum über null Grad und nachts mit Frost. Wer jetzt draußen noch nicht das Wasser abgestellt hat, sollte das schleunigst nachholen.
Was sind die Ursachen für den Wintereinbruch?
Die Großwetterlage hat sich umgedreht: Statt milder Mittelmeer-Luft aus Südwesten bis Westen haben wir plötzlich eine Kaltfront mit heftigem Wind aus Norden. Kalte Luft, die gestern noch am Nordpol lagerte, fließt bis zum Wochenende bis nach Mitteleuropa. So etwas gibt es nur alle paar Jahre. Erstaunlich ist, dass es schon Mitte November passiert, und dass sich der Wechsel so plötzlich von zu mild nach zu kalt vollzieht.
Hat das etwas mit Klimawandel zu tun?
Nein, das ist eine der berühmten Launen im chaotischen System Atmosphäre. Wenn die Klimaerwärmung zunimmt, werden solche Erlebnisse wie jetzt seltener.
(Interview: Jutta Maier)
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