Port-au-Prince (ap/dpa) - Die Menschen auf Haiti haben kaum das Ausmaß der Katastrophe durch Wirbelsturm "Hanna" begriffen - schon geht die Angst vor Hurrikan "Ike" um. Mindestens 136 Menschenleben hat "Hanna" nach Angaben der Behörden schon gefordert. Derweil näherte sich am Freitag "Ike" der Region.
Das Hurrikanzentrum in Miami stuft den Sturm weiterhin als Kategorie vier, der zweithöchsten Hurrikanstufe, und damit als extrem gefährlich ein. "Ike" könnte noch gefährlicher werden als alle seine Vorgänger", schreibt die Zeitung "Le Nouvelliste". Derzeit werde geprüft, ob die bereits von "Hanna" schwer getroffene Stadt Gonaives geräumt werden müsse.
Interaktive Grafiken: Weg und Entstehung des Wirbelsturms Gustav.
"Im Notfall müssen alle logistischen Möglichkeiten aufgebracht werden, um die Menschen aus Gonaives herauszubringen", sagte die Direktorin des Zivilschutzes in Haiti, Alta Jean-Baptiste, der Zeitung. Die Stadt und ihre 300.000 Einwohner hatten besonders unter "Hanna" gelitten. Allein dort waren mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen. Die gesamte Region stand tagelang unter Wasser.
Bundespräsident Köhler kondoliert
Zwar sanken die Wasserstände in einigen Teilen der Stadt schon am Donnerstag. Trotzdem war die Region weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten, weil die wichtigsten Straßenbrücken zerstört worden waren. Inzwischen ist auf Haiti weitere internationale Hilfe angelaufen.
Hubschrauber der Schutztruppe der Vereinten Nationen Minustah fliegen in die überschwemmten Gebiete, um die Menschen zu versorgen. Auch Deutschland hat Zeitungsberichten zufolge eine erste Finanzhilfe in Höhe von mehr als 150.000 Euro zur Verfügung gestellt.
Bundespräsident Horst Köhler hat dem Präsidenten von Haiti, René Préval, anlässlich der verheerenden Wirbelstürme sein Beileid ausgesprochen. In einem Telegramm schrieb Köhler unter anderem: "Ich möchte Ihnen, auch im Namen meiner Landsleute, meine tief empfundene Anteilnahme aussprechen. Bitte übermitteln Sie unser Beileid auch den Familien der Opfer. Ihnen gilt in diesen schweren Tagen unser ganzes Mitgefühl."
Rückkehr nach New Orleans
"Hanna" hatte den Norden Haitis mit sintflutartigen Regenfällen heimgesucht, als das verarmte Land gerade mit Aufräumarbeiten nach Hurrikan "Gustav" im Süden begann. Die Karibik wird seit Wochen von schweren Wirbelstürmen heimgesucht. Insgesamt haben "Hanna" und "Gustav" in Haiti mindestens 160 Menschen das Leben gekostet. Über die materiellen Schäden gab es am Freitag noch nicht einmal Schätzungen.
Zuvor war "Fay" über die Region gezogen und hatte zahlreiche Menschen in den Tod gerissen. "Ike" soll die Karibik am Wochenende erreichen. In seinem Zentrum entwickelt er Windgeschwindigkeiten von rund 220 Stundenkilometern.
Über dem Atlantik zieht zudem Tropensturm "Josephine" Richtung Westen. "Hanna" setzte am Freitag seinen Weg Richtung Nordwesten fort. Derweil kehrten immer mehr Menschen nach New Orleans zurück.
Die Heimkehrer erwarten beschädigte Häuser und Straßen, zerstörte Gärten, andauernde Stromausfälle sowie ein vielerorts nicht intaktes Abwassersystem. Von den 1,1 Millionen Haushalten, die die Entergy Corp. in Louisiana beliefert, waren laut der "Times Picayune" mehr als die Hälfte ohne Strom.
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