Nachdem in Chile erstmals Schweinegrippe bei Vögeln aufgetreten ist, sind Behörden, Wissenschaftler und Geflügelzüchter bemüht, die Ängste zu zerstreuen: Die Truthähne seien von Menschen angesteckt worden, das Virus sei nicht mutiert, das Fleisch weiterhin genießbar.
Das Schweinegrippe-Virus wurde in zwei großen Truthahnzucht-Farmen bei Valparaíso, 120 Kilometer nordwestlich der chilenischen Hauptstadt Santiago, identifiziert - der erste bekannte Fall von Vögeln, die sich mit Schweinegrippe angesteckt haben. Farm-Angestellte hatte Ende Juli alarmiert, dass die Truthennen plötzlich 70 Prozent weniger Eier legten. Dann entdeckte man bei den Vögeln die Symptome, die die Schweinegrippe auch bei Menschen auslöst - erhöhte Temperatur, Schnupfen, Schwierigkeiten beim Atmen. Auf den beiden Farmen werden rund 60000 Truthähne gezüchtet, von denen sich knapp zwei Drittel als erkrankt herausstellten.
Angst vor der Mutation
Die Schweinegrippe tötete offiziell bisher 1799 Menschen in 180 Ländern, Millionen dürften erkrankt sein. Aber sie befällt Schweine nur sehr selten, und dass sie nun auf eine weitere Tierart übergreift, löst nicht nur in Chile Ängste aus. So wird befürchtet, das Virus könnte sich mit der Vogelgrippe kombinieren, wodurch eine Variante von der Tödlichkeit der Vogel- und der hohen Übertragbarkeit der Schweinegrippe entstehen könnte. Dennoch äußern sich Fachleute nicht besorgt. "Es ist nicht schlimm, auch wenn es eine neue Situation ist", sagt Óscar Concha, Direktor des staatlichen Landwirtschafts-Beratungsdienstes. Offenbar wurden die Truthennen von Menschen angesteckt. Aber vor allem sei das Virus nicht mutiert, betonte Chiles stellvertretende Gesundheitsministerin Jeanette Vega.
Dass bei Millionen Schweinegrippe-Befallenen Tiere angesteckt werden, sei nicht überraschend, sagte der Marburger Virus-Forscher Hans-Dieter Klenk der Deutschen Welle. Eine Mutation schloss auch er aus.
Chile ist einer der großen Produzenten von Truthahn-Fleisch. Zehn Millionen Vögel werden jährlich in Chile geschlachtet, die jetzt betroffene Firma Sopraval hat einen Marktanteil von 60 Prozent. Die Ausfuhr - knapp 30000 Tonnen Truthahnfleisch im Jahr 2008 - geht zur Hälfte in die EU. Der Tierseuchenschutz hat deswegen europäischen Standard.
Der chilenische Geflügelzüchter-Verband bemühte sich zu beruhigen: Kein Tier sei verendet, der Verzehr von Truthahnfleisch sei ungefährlich, weil das Virus beim Kochen zerstört werde. Zudem seien die befallenen Tiere Legehennen, die nicht zum Verzehr geschlachtet würden: "Das sind die Mütter der Truthähne, die wir essen", sagte Juan Miguel Ovalle, Präsident des Züchterverbands. Die Vögel seien nicht geschlachtet und nicht einmal behandelt worden, und dennoch legten sie nun wieder mehr Eier. "Die Krankheit ist ein Zyklus, sie kam und nun geht sie wieder", schließt Concha.
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