Zwischen 300.000 und 500.000 Euro kosten die Appartements des Luxus-Wohnblocks „Boulevard Saint Germain“, die Luízas Vater Gerardo Rabello in einem Werbefilmchen anpreist. Rabello ist eine Lokalprominenz in João Pessoa, der Hauptstadt des Bundesstaates Paraíba, weil er dort in einer Zeitung eine Klatschkolumne schreibt. Der Werbespot, den man als strunzbieder bezeichnen kann, zeigt ihn in einer der Wohnungen im Kreise seine Familie – eben „bis auf Luíza, die in Kanada ist“, wie Papa Rabello nebenbei erklärt.
Der Werbefilm wurde am 11. Januar gesendet. Eine Woche später wurde der harmlose Halbsatz 210.000 mal getwittert und griff auch auf andere Medien über – auf Youtube wurde der Werbespot zeitweise eine Million mal täglich angeschaut. Bei Facebook führte der Rummel um die Austauschschülerin dazu, dass gleich mehrere falsche Luíza-Profile angelegt wurden.
Meme nennen Informationstheoretiker Informations-Partikel, die sich, mit einem Minimum an Sinn aufgeladen, wie Bazillen im Internet verbreiten. Schon in zwei Jahren, so der brasilianische Medienexperte Gil Giardelli, werden die Inhalte des Internets zu 90 Prozent aus bewegten Bildern bestehen.
In Brasilien, wo man wenig liest und viel fernsieht, „wird die Bildsprache des Videos diese ganze Generation anziehen, die vor dem TV groß geworden ist“.
Und da es immer leichter wird, Videos ins Netz zu stellen, „werden unzählige Instant-Berühmtheiten wie Luíza aufkommen“, prophezeit Giardelli, „mit dem Unterschied, dass die früher ihre fünf Minuten Ruhm hatten. Demnächst werden es nur noch 15 Sekunden sein“.
Promis grüßen "alle, außer Luiza"
Und plötzlich war auch außerhalb des Netzes die Rede von der 17-Jährigen. Der Sänger Lenine begrüßte in einem Konzert in Paraíba alle seine Zuhörer, „bis auf Luíza, die in Kanada ist“. Der Fußballspieler Ronaldo und der TV-Ansager William Bonner erwähnten sie, in Brasília wurde ein PR-Mann der Regierung gefeuert, weil er auf einem offiziellen Kanal Luíza zurückholen und dafür einen Oppositionspolitiker nach Kanada schicken wollte. „Wir surfen auf der Welle, die sich zufällig aufgebaut hat“, sagt Luízas Vater, der die Tochter schleunigst nach Brasilien zurück beorderte.
Rund 6.300 Euro, kassiert Luíza Rabello für ihre bloße Anwesenheit auf einer VIP-Party, so die brasilianische Presse.
Fashion Shows und Playboy-Angebot
Mittlerweile hatte sie einen Auftritt auf der São Paulo Fashion Week. Die Baufirma, die den Appartement-Turm hochzieht, wirbt mit ihrem Foto und dem Text „Luíza ist aus Kanada zurück, um im Boulevard zu wohnen“. Und angeblich gibt es auch schon das Angebot, sich für den Playboy auszuziehen.
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