Wie die Blätter von Buche, Eiche oder Ahorn aussehen, lernten Schüler im Biologie-Unterricht oder bei den Pfadfindern. Später kam das mehrfingrige, gezackte Blatt des Hanfs dazu. Die Pflanze selbst bekam man allenfalls auf WG-Balkonen zu Gesicht, ihr Veredelungsprodukt Marihuana oder Haschisch dagegen gehörte zu den viel konsumierten Rauchwaren.
"High sein, frei sein, Haschisch muss dabei sein" lautete ein beliebter Dreizeiler, von dessen Wahrheitsgehalt sich die Polizei auf jedem Rockfestival überzeugen konnte. Hier eine Tüte "Roter Libanese", dort ein Pfeifchen "Schwarzer Afghane": Der gelegentliche Gras-Rausch, im Erlebniswert dem der Trunkenheit weit überlegen, war verbreitet. "Bewusstseinserweiterung" hieß das Motiv, es klang unschuldig und verführerisch. Mit etwas Dope in der Birne hörte sich Musik opulenter an, verwandelte sich die Tagesschau im Fernsehen zur ulkigen Sendung.
Für Drogen-Nachschub fuhr man ins benachbarte Holland, wo die so genannten Coffeeshops seit Anfang der 70er Jahre legalisiert waren. Debatten über Chancen und Gefahren des Rauschgiftkonsums liefen parallel, wurden engagiert aber eher von ausgeflippten Wissenschaftlern, besorgten Eltern, erregten Ordnungspolitikern und humorlosen Kommunisten geführt.
Die Grenzen zu härteren Mitteln waren fließend, doch verirrten sich nur die wenigsten Haschischraucher in dieses Niemandsland. Alle kannten Speed/LSD oder Kokain, aber kaum jemand wusste was darüber aus eigener Erfahrung. Und wenn, dann blieb es meist beim Naschen. Kokain war teuer und milieugebunden: Es kreiste in der besserverdienenden Boheme.
Gute Gelegenheiten, exotische Rauschmittel auszuprobieren, boten sich auf Reisen durch Anbaugebiete von Pilzen, Kakteen oder Schlafmohn. Die Aussicht, in Landesgefängnissen dahinzudämmern, hielt die meisten Rucksacktouristen aber davon ab, Haschisch beispielsweise durch Singapur oder nach Kolumbien zu schmuggeln. Machtlos war man dagegen, wenn Polizisten einem was ins Gepäck legten. Gegen ein paar Bestechungsscheine sahen jene sodann von weiteren Ermittlungen ab.
Heroin, die härteste der harten Drogen, machte erst gegen Ende der Dekade Schlagzeilen. Das Buch "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" erschien 1978. Das Elend der Junkie-Szene war nicht mehr zu leugnen. (ah)
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.