Im Prozess um den gewaltsamen Tod von Dominik Brunner ist der mutmaßliche Haupttäter Markus S. von ehemaligen Lehrern und aktuellen Betreuern übereinstimmend als zurückhaltender, unauffälliger Jugendlicher beschrieben worden. „Er war ein sehr, sehr ruhiger Mensch“, sagte der Berufsschullehrer Michael B. am Montag vor dem Landgericht München I. Er sei ein „sehr freundlicher junger Mann, der weiß, was sich gehört“, betonte auch die Sozialpädagogin, die ihn im Untersuchungsgefängnis Stadelheim betreut.
Am siebten Tag des wendungsreichen Prozesses wurde jedoch zugleich deutlich, dass das Leben des Angeklagten S. seit dem Frühjahr 2009 aus den Fugen geriet. Und dass dieser Prozess wohl mit der Inhaftierung seines älteren Bruders zusammenhängt.
Der heute 19-jährige Markus S. – der beschuldigt wird, den Manager Dominik Brunner am 12. September 2009 in München zu Tode geprügelt zu haben – hatte spätestens seit Herbst 2003 massive schulische Probleme. Damals wechselte er auf eine Münchner Realschule, bestand jedoch zweimal hintereinander nicht die achte Klasse. Er musste deshalb auf die Hauptschule zurückkehren, die er – obwohl ihm Lehrer ausreichendes Potenzial bescheinigen – ohne Abschluss verließ. Eine angestrebte Ausbildung als Kfz-Mechatroniker misslang. Zum Tatzeitpunkt galt S. als arbeitslos.
In seiner Zeit als Realschüler sei S. „weder positiv noch negativ aufgefallen“, schilderte die Zeugin Julia S. am Mittwoch vor dem Landgericht. Er habe auch „überhaupt kein aggressives Verhalten“ gezeigt. „Gewaltmäßig fiel Herr S. überhaupt nie auf“, bestätigte auch die Leiterin eines Berufsbildungszentrums. S., so die Zeugin, „war eher kindisch, hat viel gelacht, ließ sich leicht ablenken“. Ein wachsendes Problem seien jedoch die Fehlzeiten des Schülers gewesen. Die sollen sich jedoch erst gegen Ende seiner Schulzeit gehäuft haben, S. selbst erklärte dazu seinen Lehrern, er habe „große private Probleme“.
Zufall oder nicht: Im Frühjahr 2009 wurde Peter S., Markus’ älterer Bruder, inhaftiert, weil er mit Drogen gedealt haben soll. Markus lebte zu dem Zeitpunkt in Peters Wohnung. Wie sehr ihn die Festnahme des Bruders beschäftigte, zeigen Einträge im Internetforum lokalisten.de, in dem der Rap-Fan als „Mister HipHop“ angemeldet war. Am 19. Juli 2009 schrieb er, er träume davon, den „scheiß drecks bullen“ zu erwischen, der ihm seinen Bruder genommen habe. Und: „5 Dinge, die ich in meinem Leben noch machen möchte: Ein Bullenrevier in die Luft sprengen (natürlich voll besetzt).“
Vier Monate zuvor, am 22. März, hatte S. einen Mann mit einer Gasdruckpistole bedroht und diesem 60 Euro geraubt. Vom Amtsgericht München wurde er dafür im April zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Danach ging es Schlag auf Schlag: Nahezu regelmäßig wurde S. im Lauf des Jahres 2009 mal beim Diebstahl, mal mit Drogen erwischt. Sein Bruder habe ihn ins Drogenmilieu eingeführt, sagte S.’ amtlicher Betreuer am Dienstag. Auch die Gaspistole habe er von Peter erhalten. Der Bruder sei der einzige gewesen, der zuletzt noch nennenswerten Einfluss aus Markus S. gehabt habe. Die Eltern hätten den Jungen schon lange nicht mehr erreicht.
Am Ende, als der Bruder in Haft, die Schule erfolglos beendet und kein Job in Sicht war, habe Markus „in einem verdrehten Tag-und-Nacht-Rhythmus“ gelebt. „Er hatte kein Ziel, keine Planung – da war dann nichts mehr“, so der Betreuer. Monate später, nach Brunners Tod, habe er Markus noch einmal im Untersuchungsgefängnis besucht und ihn gefragt, „woher der ganze Hass kommt“. Eine konkrete Antwort erhielt er nicht.
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