Zipflbob, Zipfybob oder Züpflbob - Ihr Sportgerät hat viele Namen, Herr Öttl. Wie heißt es denn wirklich?
Zipfybob oder Zipflbob, aber im Prinzip reden ja alle vom Gleichen. Wie man das dann schreibt, ist, glaube ich, nicht so wichtig. Verstehen tut man sich sowieso.
Reinhard "Reini" Öttl (27) aus Kirchberg in Österreich, ist amtierender Zipflbob-World-Series-Gesamtsieger. In den World Series misst sich jedes Jahr die Zipflbob-Szene in den Disziplinen Cross und Downhill.
Seit 2004 fährt Öttl mit. Er zählt auch zu den favoriten, der an diesem Wochenende erstmals stattfindenden Zipflbob World Masters im österreichischen Flachau. prtrö
Es gibt so viele schöne Schlitten - wieso rutschen Sie auf einer kleinen Plastikfläche mit Haltegriff den Berg runter?
Warum Zipflbob? Bei uns in Tirol gibt es den Sport schon seit Ewigkeiten. Ich bin damit aufgewachsen, kenne den Zipflbob seit der Kindheit. Und jetzt, wo die Sportart populärer wird, bin ich eben richtig eingestiegen. Aber es ist wirklich ein Sport, den jeder machen kann. Man muss da nichts können und kann es überall machen.
Wie sind Sie überhaupt darauf gekommen, richtig in den Zipfl-Bob-Sport einzusteigen?
2004 hat es die Europameisterschaft in Kitzbühel gegeben, wo die Zipflbob-Szene als Rennsportart durchgestartet ist. Das war eine Riesenveranstaltung, da haben auch mein Team und ich mal reingeschnuppert. Seitdem sind wir mit dem Verein bei den Rennen dabei.
Worauf kommt es denn beim Zipflbobben an?
Hauptsächlich auf den Spaß. Man muss natürlich zwischen den Rennen und dem restlichen Zipflbobfahren unterscheiden. Grundsätzlich gilt: Mitmachen kann jeder, die ganzen Veranstaltungen sind so gemacht, dass jeder mitfahren kann. Bei den Rennen selbst kommt es darauf an, dass man der Schnellste ist. Das hängt von einigen Faktoren ab. Zunächst mal natürlich vom Talent. Aber es gibt ein paar kleine Tricks, wie man sich innerhalb der Regeln einen Vorteil verschaffen kann. Schließlich kann man den Zipflbob auch tunen, genau wie jedes andere Rennsportgerät.
Wie tune ich denn meinen Zipflbob?
Das Grundlegendste ist natürlich Wachsen, damit er schneller wird. Dann gibt´s so Sitzmatten, damit man nicht vom Bob rutscht. Der Zipflbob ist ja standardmäßig ein Plastikteil und wenn man da eine rutschfeste Gummimatte als Sitzunterlage hat, dann fährt es sich natürlich besser um die Kurven. Das sind eigentlich auch schon die zwei wichtigsten Sachen, die man auf die Schnelle machen kann. Und: Es sieht sehr professionell aus.
Wie schnell wird denn so ein professionell getunter Zipflbob?
Na ja, das hängt ganz von der Strecke ab. Wenn man sich die Crosswettbewerbe ansieht, in denen vier Zipflbob-Piloten gegeneinander fahren, dann ist man natürlich nicht so schnell, weil man ein bisschen auf die Sicherheit schauen muss, da auch immer viele Anfänger mitfahren. Aber bei den Downhill-Strecken, wo man allein unterwegs ist, da hat man sicher über 60 Stundenkilometer drauf. 80 Stundenkilometer, würde ich sagen, schaffen die Schnellsten.
Klingt gefährlich. Haben Sie sich dabei schon einmal verletzt?
Nein. Ich habe mir Gott sei Dank noch nie weh getan. Aber ich bin auch nicht der Harakiri-Fahrer. Man muss auch mit ein bisschen Hirn fahren.
Aber Sie haben doch den Spitznamen "Der wilde Hund aus Kirchberg"?
Ich weiß nicht, wer mir den gegeben hat. Das kommt vielleicht aus unseren Freizeitaktivitäten, weil ich da doch schon Abfahrten gemacht habe, die sehr spektakulär aussehen - und auch waren. Aber das ist schon einige Jahre her.
Wie reagieren denn die Leute darauf, wenn Sie erzählen, dass Sie offizieller Zipflbob-World-Series-Meister sind?
Ich sage jetzt mal: Das ist nicht unbedingt ein Titel, den man den Leuten unter die Nase reiben muss. Bis jetzt ist die World Series auch eher klein gewesen. Aber es werden immer mehr Leute. Ich glaube, dass sich der Zipfl-Sport in Zukunft international etabliert und dass regelmäßig große Veranstaltungen zu Stande kommen. Wie zum Beipiel jetzt die WM in Flachau. Vielleicht wird Zipflbob-Fahren irgendwann sogar olympisch.
Und was machen Sie im Sommer, wenn die Zipflbob-Saison vorbei ist?
Dann schraub´ ich dem Zipflbob Räder auf und fahr bei uns in Kitzbühel die Bergstraßen runter.
Interview: Silke Schmidt-Thrö
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